Der Moment des Abhebens von der Erde zählt zu den großen Mysterien der Menschheit. Und die Welt von oben zu sehen gehört ohnehin seit Ewigkeiten zu den größten Menschenträumen. Der Köflacher Bernhard Schille Jr., 32-jähriger Angestellter einer Nutzfahrzeug-Firma im Süden von Graz, hat sich diesen Traum erfüllt. „Ich wollte immer schon mit allen Mitteln unterwegs sein können, das war mein größter Antrieb.“ Autoführerschein und Bootsschein hat er, und seit vier Jahren ist er nun auch Hobby-Pilot.
Also heben wir gemeinsam ab. Die Diamond DA40 liegt gut in der Luft. Der Start am Flughafen Thalerhof ist elegant verlaufen, es ist ein kristallklarer Tag, freie Sicht und wenig Flugverkehr machen den Rundflug über die West-, Süd- und Südoststeiermark zu einem Musterbeispiel eines Rundflugs. Auch wenn der Laie nahezu nichts von den durch den Kopfhörer knatternden Funksprüchen versteht, die Versicherung des Piloten alles sei in Ordnung, reicht dem Fluggast völlig aus.
Mit an Bord der viersitzigen Propellermaschine ist Schilles Mutter Tane, die die bekannte Buchhandlung Zeltner in Köflach leitet. Wir überfliegen mit der 180 PS-Maschine mit rund 130 Knoten (in etwa 230 km/h) die Kremser Reihen, umkurven die Burgruinen Krems, machen einen Schwenk über Voitsberg und drehen bei Köflach und dem Heiligen Berg bei in Richtung Süden. Der Flug reicht bis an die slowenische Grenze, wir passieren Arnfels und St. Johann und drehen schließlich eine Runde um die Riegersburg, ehe es via Lassnitzhöhe wieder zurück zum Thalerhof geht.
Schille erfüllte sich seinen luftigen Wunsch aus beruflichen Gründen zunächst in Deutschland mit einer internationalen EASA-Lizenz – das ist die European Union Aviation Safety Agency, die Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit. Nachdem er zurück in die Steiermark kam, trat er dem Flugverein Steirische Motorflugunion bei, „das ist ein Verein für Hobby-Piloten, der über vier Flugzeuge verfügt“, berichtet er. Die schönsten Abenteuer seien die Tagesausflüge mit diesem Verein. „Wir fliegen dann mit allen vier Maschinen nach Italien oder Kroatien, besuchen einige Flughäfen an der Küste und lernen auf diese Weise von den erfahrenen Kollegen.“
Für Flüge wie jenen über die Steiermark bereitet Schille sich akribisch vor. Muss er auch. „Vor dem Abflug muss ein Flugplan bei der Austro Control eingereicht und genehmigt werden, auch während des Flugs ist er ständig in Kontakt mit dem Tower in Graz. Seinen ersten Solo-Flug absolvierte er übrigens an seinem 28. Geburtstag. „An diesem Tag machte ich drei Landungen unter Aufsicht des Fluglehrers – im Flugzeug war ich aber allein.“
Das Geburtstagsgeschenk gelang, seither hebt er regelmäßig ab. Auch wenn das Hobby nicht ganz günstig ist – allein die Pilotenlizenz kostet 15.000 Euro, eine Flugstunde zwischen 220 und 350 Euro und auch die Flughafengebühren sind nicht billig – ist der Faible fürs Fliegen ungebrochen. Und auch wenn Fliegen keine 08/15-Angelegenheit ist, die Leidenschaft ist verständlich, denn zurück am Boden blickt man unweigerlich wieder zum Himmel empor und denkt sich: Schön war‘s dort oben.