Wenn Pika Radmilovič im Kindergarten Pinkygarten in Ratsch die ersten Takte Musik abspielt, wird aus dem Gruppenraum eine kleine Bühne. Die Kinder klatschen, lachen, drehen sich, zeigen auf Kopf, Bauch und Nase. Slowenische Volkslieder wie „Marko skače – Komm, mein Pferdchen“ werden gesungen und getanzt. Mittendrin: Pika Radmilovič, wach, warmherzig, unermüdlich. Eine Frau, die nicht einfach nur eine Sprache unterrichtet, sondern Nähe schafft – zwischen Kindern, Familien und Nachbarländern.

Seit 15 Jahren kommt Radmilovič mit slowenischen Liedern, Reimen und Spielen nach Ratsch. Schon im Frühjahr 2011 organisierte sie das erste Treffen der Kinder aus Ratsch und Svečina beim Weinbaumuseum am Kebl. Was damals klein begann, ist heute ein lebendiges Miteinander.

Mit Matteo benennt Pika Radmilovič spielerisch Körperteile auf Slowenisch
Mit Matteo benennt Pika Radmilovič spielerisch Körperteile auf Slowenisch © KLZ / Brutmann

„Kinder diskriminieren nicht, sie haben im Kopf keine Grenzen“, sagt sie. Genau deshalb setzt sie bei ihnen an. Ihr Unterricht wirkt nie wie Unterricht. Clown Bambini und Stoffhund Bono helfen mit, Begrüßungen, Farben oder Körperteile auf Slowenisch zu lernen. „Es ist das Wichtigste, dass wir Spaß haben“, sagt Radmilovič. Und dass die Kinder, wenn sie in Slowenien sind, „keine Berührungsangst vor der Sprache haben“.

Dass Pika Radmilovič selbst einmal so selbstverständlich zwischen Sprachen wechseln würde, war nicht geplant. In Maribor musste sie in der Mittelschule plötzlich Deutsch lernen, später studierte sie Deutsch und Englisch, bekam ein Stipendium am Goethe-Institut in Berlin und gründete eine private Sprachschule. 23 Jahre arbeitete sie an der Universität Maribor, unter anderem für internationale Beziehungen.

Doch irgendwann passte dieses Leben nicht mehr. „Die Arbeit an der Universität wurde mir zu politisch“, schildert Radmilovič ehrlich. Sie hängte den Job an den Nagel und entschied sich für die Kinder. Mit 55 absolvierte sie die Ausbildung zur Tagesmutter. Heute ist sie als Betreuerin im Kindergarten Ratsch angestellt, bringt ihr Sprachprogramm auch in den Kindergärten Ehrenhausen und Berghausen ein – und hat eine Aufgabe gefunden, die sie erfüllt. „Das ist für die Seele“, sagt Pika Radmilovič.

Aus Skepsis wurde Wertschätzung

Einfach war dieser Weg nicht immer. Anfangs gab es Vorbehalte. Manche Eltern wollten nicht, dass ihre Kinder Slowenisch lernen. Heute ist vieles anders. Kindergartenleiterin Julia Holler sagt: „Ich finde es super, dass die Kinder keinen Unterschied machen. Bei uns gibt es keine Grenze.“ Die Sprache sei „eine Bereicherung“. Früher sei das Projekt „ein bisschen negativ“ gesehen worden, heute werde es von den Eltern geschätzt.

Radmilovič erlebt diese Veränderung täglich. Wenn Kinder über die Grenze fahren und wie selbstverständlich „dober dan“ (Guten Tag) oder „hvala“ (Danke) sagen. Oder wenn ein deutschsprachiges und ein slowenischsprachiges Kind bei den gemeinsamen Ausflügen einfach losspielen – und gegenseitig voneinander lernen.

Am 12. Juni 2026 wird dieses Miteinander beim Weinbaumuseum am Kebl gefeiert. Unter dem Motto „Die Kinder verbinden die Nachbarn–Otroci povezujejo sosede“ lädt Radmilovič mit Kolleginnen aus den Kindergärten und Volksschulen in Ratsch und Svečina zu einem großen Fest ein. Drei Stunden lang stehen Begegnung, Freude und gemeinsames Tun im Mittelpunkt: mit Liedern und Tänzen, Spielen, Zauberer, Fingerfood und Getränken.

Pika Radmilovič beweist mit ihrer Arbeit, dass Zweifel und Vorbehalte leiser werden können, wenn Kinder laut miteinander singen – und Erwachsene sehen, wie selbstverständlich Nachbarschaft sein kann.