Als Robert Kluger im Jahr 2020 sein erstes Buch zur bischöflichen Residenz in Klagenfurt vorgestellt hat, war für ihn bereits klar, dass es eine Fortsetzung geben wird. Hatte der Autor sich zunächst mit den historischen Ereignissen und den Menschen, die das Haus prägten, beschäftigt, blieben die Architektur- und Gartengeschichte aufgrund des Umfangs ausgeklammert.

Der Ansporn, ein zweites Buch zu verfassen, war auch der Umstand, dass die Residenz „in der Forschung wenig Beachtung fand, obwohl es sich um ein habsburgisches Bauprojekt handelte“, sagt Kluger, von Beruf Historiker im Archiv der Diözese Gurk. Die Residenz, der Bautypologie nach ein U-förmiges Gartenpalais des späten 18. Jahrhunderts, ist der einzige habsburgische Repräsentationsbau, der je in Kärnten errichtet wurde. Die Monarchin Maria Theresia hatte ihn für ihre älteste Tochter Maria Anna bauen lassen. Die Erzherzogin verbrachte von 1781 bis 1789 hier ihren Lebensabend.

Kürzlich ist Klugers neuestes Werk „Schloss und Garten Erzherzogin Maria Annas in Klagenfurt“ erschienen. Es beleuchtet die Zeitspanne von der Entstehung der Residenz, beginnend im Jahr 1769, bis zum Ende der Amtszeit Bischof Joseph Köstners im Jahr 1981.

Mit seinen Recherchen ist es dem Historiker gelungen, zahlreiche offene Fragen zu beantworten. So war bis jetzt nicht klar, ob Oberhofarchitekt Nikolaus Pacassi tatsächlich die Klagenfurter Residenz entworfen hat. Pacassi wirkte unter anderem am Ausbau von Schloss Schönbrunn mit, an der Umgestaltung von Schloss Hetzendorf und am Umbau der Hofburg. Die Forschung im 20. Jahrhundert hatte Pacassi zwar als Architekt des Baus in Klagenfurt angenommen, der Beweis hatte aber immer gefehlt. Der Kärntner Historiker wurde schließlich in Wien fündig. In den „Geheimen Kammerzahlamtsbüchern“ fand sich der Nachweis dafür, „dass Pacassi in Klagenfurt war“, sagt Kluger. Am 18. April 1769 reiste dieser nach Kärnten, um das Gelände zu besichtigen und zu vermessen.

Völlig unbekannt war bislang, dass es einen Erstentwurf gab, der die Errichtung eines Schlosses südlich des Elisabethinenklosters vorgesehen hätte. Die Verbindung zur Konventskirche war, so Kluger, die Schwachstelle dieses Entwurfs. Maria Anna wäre nur über einen Gang auf dem Dachboden und über eine geschlossene Brücke, die über die Völkermarkter Straße geführt hätte, in die Kirche gelangt. Das wäre wohl sehr unpraktisch gewesen, weshalb man dieses Projekt fallenließ. Umgesetzt wurde schließlich der Zweitentwurf im Bereich der heutigen Mariannengasse.

Pacassi war zwar der alleinverantwortliche Planer, die Bauleitung hatte er aber nicht inne. Das war keineswegs ungewöhnlich. Für das Hofbauamt war es, so Kluger, nicht möglich, Bauten in größerer Entfernung direkt zu leiten. Vor Ort wurden daher lokale Treuhänder mit der Umsetzung der Pläne beauftragt. Der Entwurf der etwa vier Hektar umfassenden spätbarocken Gartenanlage dürfte auf Adrian van Steckhoven zurückgehen, heißt es im Buch. Er war von 1753 bis 1782 Gärtner in Schönbrunn.

Kolorierte Zeichnungen entdeckt

Im Buch finden sich auch Abbildungen, „die bislang unbekannt oder einer breiteren Öffentlichkeit nicht zugänglich waren“, so Kluger. In der Nationalbibliothek hat der Historiker unter anderem Zeichnungen der Hauskapelle, die Bischof Franz Xaver von Salm 1798 hatte errichten lassen, entdeckt. Diese waren seit 1810 nicht mehr in Kärnten zu sehen. „Ich hatte mit einer Schwarz-Weiß-Skizze gerechnet, doch tatsächlich fand ich sechs kolorierte Bilder“, sagt Kluger begeistert. Diese Entdeckung war einer der Höhepunkte der mehrjährigen Recherche.