Zwei Tiertransporter nähern sich der Rückseite des Gebäudes in Wolfsberg im Schwarzautal. Es ist jener Teil des Betriebs, den viele Konsumenten lieber nicht sehen – und doch beginnt hier der Weg zu einem Lebensmittel, das täglich auf den Tellern landet. Für die Schweine sind es die letzten Minuten. Vom Transporter geht es in den Anlieferungsstall, in Wartebereiche, die für die Tiere möglichst stressarm sein sollen. Amtliche Tierärzte kontrollieren Schweine und Betäubung – danach geht alles sehr schnell.

Wer den Betrieb betritt, kommt an dieser Realität nicht vorbei. Bevor es gemeinsam mit Geschäftsführerin Karoline Scheucher durch die Verarbeitungshallen geht, führt der Weg durch die Hygieneschleuse. Danach öffnet sich der Blick auf eng getaktete Abläufe, in denen alles in Bewegung ist – und trotzdem nichts dem Zufall überlassen bleibt.

Jede Kiste, jede Charge ist mit Daten zu Herkunft, Inhalt und Verarbeitungsschritten erfasst. Scheucher nennt das den „Reisepass“ der Ware. Er begleitet jedes Fleischteil durch den Betrieb.

Steirerfleisch ist einer der größten Lebensmittelbetriebe der Steiermark – und mit rund 850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern größter Arbeitgeber im Bezirk Leibnitz. Rund 530 Beschäftigte arbeiten bei Steirerfleisch, gut 320 beim Schwesterbetrieb Jöbstl in Straß. Sie kommen vor allem aus Österreich, Slowenien, Ungarn und Kroatien. Neben Fleischern sind auch Mechatroniker, IT-Techniker, Lebensmitteltechnologen, Qualitätsmanager und Logistiker beschäftigt. Allein die Technikabteilung umfasst mehr als 40 Mitarbeiter.

Das Kerngeschäft ist klar umrissen: schlachten, zerlegen, entknochen und verpacken. In Wolfsberg werden täglich rund 2.400 Schweine geschlachtet, bei Jöbstl weitere rund 1.900. Pro Jahr verarbeitet die Unternehmensgruppe damit gut eine Million Schweine.

Afrikanische Schweinepest setzt Branche unter Druck

Der Rundgang führt vorbei an Schneidelinien und Robotern bis zum Plattenfroster. Hier wird Fleisch bei minus 40 Grad angefroren, bis der Kern minus 18 Grad erreicht. „40 Tonnen Ware können pro Tag gefrostet werden“, schildert Scheucher.

Doch die zunehmende Modernisierung schützt die Branche nicht vor Druck. Die Afrikanische Schweinepest belastet den europäischen Schweinemarkt. Kommt es zu Exportbeschränkungen nach Asien, bleiben zusätzliche Mengen in Europa – mit Folgen für Preise, Absatz und Wettbewerb. Für Steirerfleisch ist der Export wichtig: Rund 30 Prozent der Produkte gehen ins Ausland, vor allem nach Slowenien, Ungarn und Asien.

Steirerfleisch-Chefin Karoline Scheucher will Einblick in einen Betrieb geben, der ein immer noch tabuisiertes Thema sichtbar macht: die Schlachtung als Teil der Fleischproduktion
Steirerfleisch-Chefin Karoline Scheucher will Einblick in einen Betrieb geben, der ein immer noch tabuisiertes Thema sichtbar macht: die Schlachtung als Teil der Fleischproduktion © Steirerfleisch

Wirtschaftlicher Druck, Fleischqualität und Tierwohl liegen eng beieinander, sagt Scheucher. Sie verweist auf Tierschutzbeauftragte, die täglich Tiere und Abläufe kontrollieren. „In der Zeit, wo das Tier bei uns ist, gehen wir verantwortungsvoll damit um.“

Zugleich bricht Scheucher eine Lanze für die heimischen Schweinebauern. Rund 1000 bis 1200 Betriebe liefern an Steirerfleisch, die meisten aus der Steiermark, aber auch aus Niederösterreich, Oberösterreich und Kärnten. „99,9 Prozent unserer Bauern nehmen ihre Verantwortung mehr als gut wahr“, sagt sie. Schwarze Schafe gebe es in jeder Berufsgruppe. Nur mit starker heimischer Landwirtschaft könne die Bevölkerung mit hochwertigem Fleisch versorgt werden. Das AMA-Gütesiegel sieht sie als wesentlichen Faktor für Herkunft und Vermarktung.

Was Scheucher vermitteln will: Während Fleisch selbstverständlich konsumiert wird, bleibt Schlachtung oft tabuisiert. Deshalb will sie Einblick geben in ein Unternehmen, das für die Region weit mehr ist als ein Schlachthof.