In den aktuellen Ausstellungen „Aufbruch – Steiermark und Kärnten“ im Museum für Geschichte in Graz und dem kärnten.museum in Klagenfurt werden zahlreiche historische Verbindungslinien, persönliche Aufbruchsmomente und Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Bundesländern aufgezeigt. Einen wesentlichen Meilenstein dieser besonderen Länderbeziehung nehmen dabei auch die beiden Kuratoren Walter Feldbacher und Thomas Felfer in den Fokus: den Bau der Packstraße, die am 31. Mai 1936, vor 90 Jahren also, als technische Meisterleistung eröffnet wurde.
Die Pack
Der schnellste und einfachste Weg zwischen Graz und Klagenfurt war jahrhundertelang jener über Maribor durch das Drautal – zu Wasser, auf der Landesstraße oder später mit der Eisenbahn. Kleinere Pfade – etwa über die Soboth, die Weinebene oder die Pack – gab es auch, aber diese waren unwegsam und mühsam. Nach dem Ersten Weltkrieg, als die Untersteiermark dem neuen „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“ angeschlossen wurde, fiel die Drau-Verbindung aufgrund der belasteten Beziehungen zwischen den Staaten aus, das Ende dieses Verkehrsdreiecks stürzte auch das Köflacher Kohlerevier in die Krise und „für den Personenverkehr der Weststeiermark nach Kärnten blieb ohnehin die traurige Tatsache, dass er wieder in mittelalterliche Saumweg-Verhältnisse zurückgefallen war“, schrieb Universitätsprofessor Harald Eicher 2012 in einer Festschrift zur Packer Straße. Eine Lösung musste her.
Zu einer solchen entschloss man sich erst Ende der 1920er-Jahre. Nachdem eine Bahn-Variante über die Pack aufgrund der Weltwirtschaftskrise unmöglich geworden war, sollte die geschotterte und keineswegs winterfeste Piste über die Pack ausgebaut werden. Obwohl damals nur 11.000 Autos in ganz Österreich fuhren und die Hälfte davon Taxis in den Großstädten waren, sollte das Straßenprojekt nicht zuletzt auch helfen, die grassierende Arbeitslosigkeit einzudämmen. Mit kolportierten Projektkosten von 16 Millionen Schilling (zum Vergleich, die Glocknerstraße kostete zwölf Millionen) wurden vor allem im Steinmetzhandwerk kundige Professionisten angeheuert, um die Packstraße winterfest und für Lkw befahrbar zu machen. Eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Und nicht nur das.
Am 23. September 1930 wurde der Ausbau der Packer Bundesstraße mit einem Spatenstich gestartet. Historiker Ernst Lasnik weist dabei auf einen Umstand hin, der heute undenkbar ist: „Diese gesamte Straße von Graz bis Klagenfurt, die heutige B70, wurde innerhalb von knapp sechs Jahren in einem einzigen Zug neu gebaut – und das in reiner Handarbeit ohne schwere Maschinen.“
Welche Mammutaufgabe auf die Tausenden Arbeiter entfiel, schildert Lasnik anhand seiner Vorfahren. Sein Großvater und die älteren Brüder seines Vaters waren beim Sensenwerk Krenndorf angestellt, wenn es keine Aufträge gab, schickte sie das Arbeitsamt auf die Straßenbaustelle, und zwar im Drei-Monats-Rhythmus: „Das erste Monatsgehalt bezahlte die Arbeitslosenverwaltung, das zweite der Straßenbau und im dritten Monat musstest du dich selbst erhalten.“
Asphaltiert wurde die vormals Bundesstraße B 25 nun Reichsstraße 333 genannte Route erst während der NS-Zeit. Und nicht zuletzt diese Maßnahme war es auch die in den Jahren nach dem Krieg für einen gewaltigen Aufschwung sorgte. Kärntner Studenten gelangten jetzt noch einfacher an die Universitäten nach Graz, Grazer erkoren ihrerseits vor allem den Klopeiner See zu ihrem Badestrand vor der Haustür. Buslinien fuhren täglich über die Pack und allein der Schwerverkehr aus dem Kohlerevier Köflach transportierte jährlich 1,66 Millionen Tonnen auf der mittlerweile B 70 genannten Straße. Kein Wunder, dass sie zu einer der unfallträchtigsten Straßen des Landes wurde.
Abermals musste in den 60er Jahren also eine neue Lösung her, und abermals vergingen Jahre des Ringens. Weil die Verhandlungen stockten, kam sogar die Idee auf, die neue Autobahn wieder auf der alten Drau-Route durch das mittlerweile blockfreie Jugoslawien verlaufen zu lassen. Doch es kam anders. Die Regierung entschied sich für die teurere und weitaus aufwendigere Variante, eine Autobahn durch dünn besiedeltes Gebiet über die Pack zu bauen. 1971 erfolgte der Spatenstich, 1982 die Verkehrsfreigabe, die Fertigstellung des Vollausbaus sollte bis 2007 dauern. Und heuer folgte das nächste Projekt, der Koralmtunnel, ein Bahnprojekt, das die Strecke Graz-Klagenfurt zu einer 45-Minuten-Tour macht.
Die akuelle Ausstellung
In der zuvor angesprochenen Ausstellung „Aufbruch“, die noch bis Jänner 2027 zu sehen ist, gehen die Kuratoren Feldbacher und Felfer auf die kulturgeschichtlichen Aspekte der beiden Bundesländer ein. Der Ausbau der Packer Bundesstraße war nicht nur ein „Prestigeprojekt des Ständestaats“ war, wie sie erklären, „er steht – wie heute eben die Koralmbahn – für das Verbindende und Miteinander der beiden Länder“. Wie viel Kärntner und Steirer aber gemeinsam haben, ist tatsächlich kaum zu glauben und macht die Schau zu einem einzigen Aha-Erlebnis.