„Wir sind überzeugt, dass es noch mehr Windkraft in Kärnten braucht“
Die neue Kärntner Windkraftzonierung ist für Lukas Püspök nur ein Minimal-Kompromiss. Der Windkraftunternehmer über emotionalisierte Debatten, angeblich widerlegte Argumente und die Frage, warum die Steiermark als Vorbild für Kärnten taugt.
Das Land Kärnten hat sich auf maximal 50 Windräder in einer Zone von 0,077 Prozent der Landesfläche festgelegt. Für Sie als Windkraftbetreiber akzeptabel?
LUKAS PÜSPÖK: Diese Zonierung ist ein Minimal-Kompromiss, weil 90 Prozent der dort möglichen Anlagen bereits gebaut oder genehmigt sind oder kurz vor der Genehmigung stehen. Es geht um keinerlei Beschleunigung, sondern um 50 Windräder, die auch rechtlich nicht mehr verhinderbar waren.
Sie können damit leben?
Wir müssen kurzfristig damit leben. Mittel- bis langfristig glauben wir aufgrund des steigenden Strombedarfs, der angestrebten Unabhängigkeit und der lokalen Wertschöpfung im Vergleich zu Strom- und fossilen Importen, haben wir in Österreich keine andere Wahl als verstärkt auf erneuerbare Energie zu setzen.
In Kärnten wird darauf verwiesen, man sei bilanziell in der Stromproduktion ohnehin unabhängig, daher brauche es auch nicht mehr Windenergie.
Die bilanzielle Sicht ist mit Sicherheit nicht die richtige. Wir müssen darauf schauen, dass wir anfangs in jeder Jahreszeit, dann in jedem Monat, jeder Woche und am besten an jedem Tag unabhängig sind. Milliarden fließen jedes Jahr ins Ausland, um Gas zu kaufen, damit wir auch im Winter genug Strom haben.
Sie errichten in Kärnten mit Bärofen einen Windpark mit acht Windkraftanlagen, der zum Jahreswechsel in Betrieb gehen soll. Folgen weitere Projekte?
Die Entwicklung von Windkraftanlagen ist ein sehr langfristiges Geschäft. Man versucht über Jahre, manchmal über Jahrzehnte, Flächen zu entwickeln. Am Ende braucht es immer die Politik für die Schaffung von Windkrafteignungszonen. Aber ja, wir sind überzeugt, dass es noch mehr Windkraft in Kärnten braucht.
Daher halten Sie an Projekten etwa in Gnesau fest, obwohl dort keine Windkraftzone ist?
Ein solches vom theoretischen Potenzial sehr geeignetes Projekt bricht man nicht einfach ab, da braucht es eine langfristige Sicht darauf. Sollte sich in Kärnten der Wind wieder drehen und die Notwendigkeit heimischer Stromerzeugung politisch ein Thema sein, hätte man ein Projekt, das als möglicher Windpark gut positioniert wäre. Aus heutiger Sicht ist in den nächsten Jahren eine Umsetzung nicht denkbar.
Wo in Kärnten wollen sie noch Windräder bauen?
Das Hauptgebiet ist sicher im Osten an der Grenze zur Steiermark. Grundsätzlich wäre Windkraft aber auch in anderen Regionen möglich.
Sie verfolgen Ausbaupläne in fast ganz Österreich. Ist der Widerstand in Kärnten am größten?
Auf regionaler, lokaler Ebene ist das sehr unterschiedlich, da gibt es viele Gemeinden mit einer Mehrheit für den Ausbau. Auf Bundeslandebene ist die Diskussion bezüglich Emotionalität und Intensität in Kärnten schon recht einzigartig. Da hoffen wir sehr, dass sich das beruhigt und versachlicht und wir in einen anderen politischen Modus kommen werden.
Windkraftgegner führen ins Treffen, dass sich Windräder in den Bergen nur mit hohen Subventionen rechnen.
Das ist grundfalsch. Wenn Windräder Strom produzieren, ist das üblicherweise zu Zeiten, wo Strom sehr wertvoll ist. Netto ist am Ende des Jahres keine Bezuschussung notwendig.
Das Windkraft-Dossier
Überblick zum Ausbau der Windkraft in Kärnten in diesem Dossier.
Zur Person
Lukas Püspök ist geschäftsführender Gesellschafter von Püspök. Das Familienunternehmens mit Büros in Parndorf und Wien ist einer der größten privaten Stromerzeuger Österreichs und produziert Strom aus Windkraft und PV für rund 275.000 Haushalte.
Im Jänner 2025 erwarb Püspök von EcoWind den im Bau befindlichen Windpark Bärofen (acht Windräder) in Frantschach-St. Gertraud auf 1600 bis 1700 Metern Seehöhe. Geplante Inbetriebnahme zu Jahreswechsel.
Aber rechtfertigt das die massiven Eingriffe in die Natur und die unversehrten Berge durch große Windkraftanlagen?
Dass in Kärnten nicht jeder Bergrücken mit Windkraftanlagen voll sein wird, ist klar. Aber dass mehr notwendig ist als diese maximal 50 Anlagen, auch. Dass der Ausbau gut und mit lokaler Akzeptanz verträglich ist, zeigt die Steiermark.
Was ist dort anders als in Kärnten?
Die Steiermark hat viel früher begonnen, sich mit dem Thema Windkraft zu beschäftigen. Das Thema hat nie diese Emotionalität bekommen. In der Steiermark ist für den Ausbau der politische Konsens deutlich gegeben, in Kärnten wird das Thema politisch vereinnahmt.
Der Widerstand gegen Windkraftanlagen nimmt österreichweit zu. Was machen Windkraftbetreiber wie Sie falsch?
Eine straff organisierte Szene von Windkraftgegnern versucht mit haarsträubenden Argumenten, die längst widerlegt sind, Projekte zu verhindern. Was man nicht ganz außer Streit stellen kann, ist weniger die Naturverträglichkeit als der punktuelle Eingriff ins Landschaftsbild. Da kommen die Emotionen rein.
Hatten Sie schon die Gelegenheit mit Kärntens neuem Landeshauptmann Daniel Fellner zu sprechen, der Windräder „hässlich“ findet?
Man sollte einzelne Aussagen aus der Vergangenheit nicht überbewerten. Ich hatte noch nicht die Gelegenheit. Wir werden ihn natürlich zur Eröffnung des Windparks Bärofen im nächsten Frühjahr einladen und würden uns sehr freuen, wenn er die Eröffnungsrede hält.