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Härtetest für neue Baustoffe

Im Baulabor der FH Kärnten testen Forscher die Sicherheit und Tragfähigkeit von klimafreundlichem Beton.

Bei einem Bauteil-Bruchversuch im Rahmen des SITAR-Projekts kommt ein Betonträger an seine Grenzen | Bei einem Bauteil-Bruchversuch im Rahmen des SITAR-Projekts kommt ein Betonträger an seine Grenzen
© KK/FH Kärnten
Bei einem Bauteil-Bruchversuch im Rahmen des SITAR-Projekts kommt ein Betonträger an seine Grenzen|Bei einem Bauteil-Bruchversuch im Rahmen des SITAR-Projekts kommt ein Betonträger an seine Grenzen

Acht Prozent des weltweiten CO2-Ausstoß gehen auf die Produktion von Zement zurück: „Eine Zahl, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte. Beton ist das am häufigsten verwendete Baumaterial auf der Welt. Außer Wasser verbrauchen wir Menschen kein Material in diesem Ausmaß“, sagt Norbert Randl aus dem Studienbereich Bauingenieurwesen & Architektur an der FH Kärnten. Der Professor für Massiv- und Stahlbau begleitet ein Forschungsprojekt, das sich mit dem Ressourcenhunger des Bauens beschäftigt und klimafreundliche Lösungen auf ihre Praktikabilität prüft.

Denn die Branche hat schon einige Antworten auf die drängenden Probleme des Bausektors geboten: Zur Verfügung stehen etwa alternative Materialien wie Ultra-Hochleistungsbeton, recycelte Gesteinskörnungen und emissionsärmere Zementmischungen. „Die Zementindustrie ist sich schon seit Jahren der Situation bewusst und hat ihre Produkte sowie Prozesse weiterentwickelt, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Weil aber die Baubranche sehr auf Sicherheit bedacht sein muss, dauert es lange, bis neue Produkte angewendet werden können“, sagt Randl.

Hier kommt sein Forschungsprojekt ins Spiel: Bei SITAR (siehe Infobox) geht es vor allem darum, Sicherheit, Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit der neuen, nachhaltigeren Baustoffe unter Beweis zu stellen. Das Baulabor der FH Kärnten, das Randl leitet, bietet dazu die besten Voraussetzungen: „Wir testen die Materialien bis aufs Äußerste, um ihre Eigenschaften zu verstehen. Nur so können wir mit abschließender Sicherheit sagen, dass die damit errichteten Bauwerke zuverlässig sind.“

Zum Einsatz kommt dabei das gesamte Arsenal des Baulabors. In Großversuchen werden komplette Bauteile wie Betonträger „zu Bruch gefahren“, also solange unter Druck gesetzt, bis sie brechen. Photogrammetrische Messverfahren detektieren über den gesamten Bruchverlauf auch feinste Risse in der Struktur und geben Aufschluss darüber, warum eine Konstruktion versagt. Schlussendlich setzt die Forschungsgruppe namens „Future Concrete Solutions“ (Beton-Lösungen der Zukunft) auch digitale Modelle ein, um die Tragfähigkeit von Bauteilen zu simulieren.

Die Forschungsergebnisse sollen schnellstmöglich für die Praxis zugänglich gemacht werden. Ein erster Schritt: Von 8. bis 10. Juli 2026 ist am Campus Villach eine internationale Summer School geplant, die sich an Studierende, Forschende und Fachleute richtet.

Diese Seite erscheint in Kooperation mit der Kärntner Hochschulkonferenz. Die redaktionelle Verantwortung liegt ausschließlich bei der „Kleinen Zeitung“.

Norbert Randl leitet das Baulabor der FH Kärnten
© FH
Norbert Randl leitet das Baulabor der FH Kärnten

Praktische Laborübungen gelten in der technischen und naturwissenschaftlichen Ausbildung als unverzichtbar.

— Thomas Klinger

Projektinfo

SITAR steht für „Supporting the Construction Industry in Transition to Climate Friendly Practices in the Alpine Region“ und widmet sich der Frage, wie klimafreundliches Bauen in der Alpenregion konkret umgesetzt werden kann. Beteiligt sind neben der FH Kärnten die Unternehmen Alpacem GmbH, Antonio Basso S.p.A., das Ingenieurbüro Bergmeister, Friul Julia Appalti S.r.l., das ISB – Institut Südtiroler Baustofftechnologie sowie die Universität Udine. Das Projekt wird im Rahmen des Interreg-Programms Italien–Österreich gefördert.