Häftling flüchtet in Klagenfurt nach Überstellung aus Graz
Der Mann ergriff Donnerstagvormittag beim Verlassen des Fahrzeugs vor der Justizanstalt die Flucht. Doch diese war nach wenigen Minuten wieder beendet.
Der Vorfall habe einmal mehr gezeigt, wie dringlich eine neue Justizanstalt (JA) in Klagenfurt ist. Diese befindet sich nahe des Flughafens derzeit in Bau. „Wir sind die einzige Anstalt in Österreich ohne eine Anlieferungszone“, sagt Leiter Josef Gramm. Inhaftierte müssen demnach auf dem Rondeau vor der JA aus dem Fahrzeug aussteigen. Am Donnerstagvormittag nutzte ein Inhaftierter, der zusammen mit anderen Häftlingen aus der JA Graz-Jakomini nach Klagenfurt überstellt worden ist, die Gunst der Stunde und flüchtete.
Hatte Flucht geplant
„Der Mann hat den Überraschungsmoment ausgenutzt“, bestätigt Gramm einen Medienbericht. Er weiß mittlerweile, dass dieser die Flucht geplant hatte. Bevor die Justizwachebeamten, die sich im Bus befanden, reagieren konnten, nahm der Inhaftierte Reißaus. Vom Heuplatz flüchtete der schlanke, sportliche Mann Richtung Theaterplatz und Ursulinenschule.
Der Mann wurde aufgrund einer Entwöhnungsbehandlung nach Klagenfurt überstellt.
— Josef Gramm, Leiter der Justizanstalt Klagenfurt
Der stellvertretende Wachzimmerkommandant - ebenfalls von sportlicher Statur - hat den Fluchtversuch via Videokamera mitverfolgt und umgehend reagiert. „Obwohl er sich noch ausrüsten musste, konnte er den Flüchtenden einholen und festnehmen“, sagt Gramm.
Insgesamt 15 Beamte strömten aus der JA in Richtung möglicher Fluchtwege aus. Das sorgte auch für Aufsehen bei Passanten. Warum wurde der Inhaftierte überhaupt nach Klagenfurt überstellt? Gramm: „Aufgrund einer Entwöhnungsbehandlung. Wir haben eine entsprechende Abteilung im Haus. Seine Strafzeit ist zudem nicht so hoch.“ Bei dem Fluchtversuch ist niemand zu Schaden gekommen.
Weiter auf der Flucht
Es ist nicht das erste Mal, dass ein flüchtender Häftling in Klagenfurt für Schlagzeilen sorgt. Erst Anfang Oktober des Vorjahres konnten zwei Insassen aus der Justizanstalt entkommen. Die beiden Männer (49 und 43 Jahre alt) verbüßten dort Haftstrafen wegen Eigentumsdelikten. Auch fast vier Monate nach ihrem Gefängnisausbruch fehlt von dem Serben und dem Kroaten jede Spur. Man sei allen Hinweisen nachgegangen, das persönliche Umfeld sei durchleuchtet worden - ohne Erfolg, so Polizeisprecher Werner Pucher. Die Fahndung ist nach wie vor aufrecht.
Auch 2017 war einem Gefangenen der Justizanstalt Klagenfurt die Flucht gelungen. Der Mann, ein damals 35-jähriger Serbe, ließ sich unbemerkt in einem Müllwagen in die Freiheit chauffieren. Zu einem filmreifen Ausbruch kam es im Jahr 2023. Ein Rumäne (31) bohrte mit einer Eisenstange, die er von seinem Bett abmontiert hatte, ein Loch in die 40 Zentimeter dicke Wand seiner Gefängniszelle und seilte sich mit Leintüchern auf die Straße ab.
