Warum eine Ablöse von Trainer Jürgen Säumel noch „völliger Unsinn“ ist
Jürgen Säumel gibt sich vor dem Derby am Sonntag gegen den GAK kämpferisch. Die Gerüchte über seine Ablöse reißen aber nicht ab.

Die Gerüchte rund um den SK Sturm haben sich in den vergangenen Tagen beinahe minütlich geändert und potenziert. Einige Auszüge: „Jürgen Säumel sei nach einer Spieler-Revolte abgesetzt worden.“ „Jürgen Säumel wird im Winter als Sturm-Trainer abgelöst.“ „Jürgen Säumel wird beim Grazer Derby am Sonntag nicht mehr an der Linie stehen.“ „Der Vorstand hat beschlossen, Jürgen Säumel im Winter freizustellen.“ „Der Mannschaftsrat hat sich gegen Jürgen Säumel ausgesprochen.“ „Jürgen Säumel wird nicht einmal mehr bei der Pressekonferenz vor dem Schlagerspiel dabei sein.“ Hoch lebe die Gerüchteküche, die mitunter an Verschwörungstheorien erinnert. Von wem auch immer diese Debatte um den Sturm-Trainer angeheizt wird. Kommen sie von innen? Oder von außen? Fakt ist: Es gibt viele Fragen und zumindest ein paar Antworten:
Säumel gab auf der gestrigen Pressekonferenz seine Antworten auf fast alle Fragen. Er sprach über das Derby, das die Schwarz-Weißen gewinnen wollen. Die Müdigkeit aufgrund der vielen Spiele dürfe keine Rolle spielen. „Wir wissen, dass es das wichtigste und emotionalste Spiel im ganzen Jahr ist. Wir wollen ein weiteres Derby gewinnen. Wir werden von der ersten Minute an Gas geben und die Sturm-Tugenden auf den Platz bringen: Intensität, Leidenschaft, Zweikampfstärke“, sagte er. Man werde das Derby am Sonntag „gewinnen. Weil ich von meiner Mannschaft überzeugt bin und weil wir gemeinsam mit unserem Publikum alles raushauen werden“.
Der 41-Jährige sprach auch über die aktuell schwierige sportliche Situation. Mit Dimitri Lavalee (verletzt) und Emanuel Aiwu (gesperrt) fehlen zwei Schlüsselspieler in der Defensive. Dazu müsse man abwarten, ob Otar Kiteishvili fit genug ist, um spielen zu können. Und wenn, wie lange er spielen kann. Die Personalsituation ist angespannt, aber er, Säumel, habe vollstes Vertrauen in jene Akteure, die einsatzfähig sind. Dass viele Stammspieler den Verein im vergangenen Jahr verlassen haben und der Einbau von jungen Talenten voranschreitet, ist wohl jedem Sturm-Fan klar. Ein Kritikpunkt bei Säumel ist sein Auftreten an der Seitenlinie: „Wenn es nicht gut läuft, bin ich zu ruhig. Wenn es gut läuft, strahle ich Ruhe aus. Ich bin so, wie ich bin, weiß aber auch, was meine Spieler brauchen. Ich habe eine Mannschaft, die absolut hinter uns (dem Trainerteam, Anm.) steht. Wenn ich das Gefühl hätte, dass ein, zwei nicht mitziehen, würde es Maßnahmen geben.“ Die Leistung gegen die WSG war zum Vergessen, vor allem in der zweiten Hälfte. „Es ist aber auch so, dass kurzfristig schlechte Ergebnisse über den langfristigen Erfolg gestellt werden. Ich versuche, das große Ganze im Blick zu haben, vorausblickend zu denken“, erklärte Säumel. Er erwähnt aber auch, dass „die Kaderstruktur nicht ideal ist. Zum Beispiel haben wir an den Außenverteidigerpositionen personelle Probleme.“
„Sie sind hinter dem Trainer gestanden“
Vor dem Stadtduell geht es bei den Schwarz-Weißen rund. Der GAK hatte eine lange Krise und sie durch drei Siege in den jüngsten vier Spielen wohl überwunden. „Sie haben in einer schwierigen Phase zusammengehalten. Sie sind hinter dem Trainer gestanden. Ferdinand Feldhofer hatte die Zeit, die Mannschaft aus der Krise herauszuführen“, sagte Säumel. Die Frage, ob er aktuell den Zusammenhalt bei Sturm hinsichtlich seiner Person vermisse, antwortete der Trainer: „Darauf möchte ich nicht groß eingehen.“
Die Antwort lieferte Sport-Geschäftsführer Michael Parensen auf Nachfrage: „Natürlich stehen wir hinter ihm, sonst würde er am Sonntag nicht auf der Bank sitzen. Wir wollen mit ihm gemeinsam durch diese schwierige Zeit gehen.“ Mit „Wir“ ist die sportliche Führung und auch der Vorstand gemeint, die sich in einer nach dem Tirol-Spiel kurzfristig einberufenen Besprechung auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Säumel geeinigt haben. Klar ist aber auch, dass sowohl Ergebnisse als auch die Entwicklung der Mannschaft und der Spieler in eine laufende Bewertung einfließen. Zum Thema Spielerrevolte sagte Parensen: „Das ist völliger Unsinn, einfach falsch. Unsere Spieler sind sehr selbstkritisch.“