Den Krampus trifft man sogar am Skilift, beim Shoppen und im Restaurant
Videos von Krampussen im Alltag gehen viral. Auch immer mehr Kärntner und Osttiroler Gruppen machen bei diesem Social Media-Trend mit.
Während man früher meistens nur am Krampus- und am Nikolaustag, dem 5. und 6. Dezember, Besuch vom Bischof von Myra und seinem schaurigen Gesellen bekam, so kann man heute die Krampusse Ende November und Anfang Dezember in Kärnten und Osttirol fast an jeder Straßenecke antreffen. Nicht nur die Vielzahl an Krampusumzügen und Adventveranstaltungen, bei denen die beiden die Ehrengäste sind, sind dafür der Grund - sondern auch ein ungewöhnlicher Internet-Trend.
Der Krampus tanzt in der Tiefgarage
So saßen etwa vor Kurzem mehrere zottelige Gesellen mit Fell und Hörnern von der Brauchtumsgruppe Techelsberg in der Burger Boutique in Klagenfurt gemeinsam an einem Tisch. In einer Tiefgarage in Klagenfurt legte ein Krampus eine flotte Sohle aufs imaginäre Parkett. Ein anderes Video aus Wien zeigt Krampusse beim Einkaufen im Supermarkt. Und in Moosburg bewies ein Mitglied einer Krampusgruppe noch mehr Beweglichkeit und machte kurzerhand gemeinsam mit einem Mädchen einen Spagat mitten auf der Straße.
Der Grund ist ein Trend, der sich in Sozialen Medien immer mehr verbreitet. Vor allem auf TikTok werden immer öfter Videos geteilt, die Krampusse in alltäglichen Situationen zeigen - beim Einkauf im Supermarkt, beim Skifahren am Mölltaler Gletscher, wie es die Krampusgruppe Flattach vorgemacht hat, oder in Südtirol sogar beim Yoga im Wald.
Brauch werde nicht richtig dargestellt
Die Meinungen über diesen Trend sind geteilt. „Ein paar junge Mitglieder von uns haben das gemacht“, sagt Thomas Dollenz, Obmann der Brauchtumsgruppe Techelsberg, zur Aktion im Restaurant. Er gönnt den Jungen diesen Spaß, hält aber grundsätzlich nicht viel von Krampussen auf Social Media: „Meiner Meinung nach wird der Brauch dort nicht richtig dargestellt.“ Derzeit kursieren auch wieder Videos im Netz, bei denen Zuschauer Krampusse an den Hörnern ziehen oder einmal sogar ein Video, in dem ein Mann zwei Krampussen mit einem Gehstock auf den Kopf schlägt. Solche Gewalt sei absolut abzulehnen, sagt Dollenz, ebenso wie Gewalt von Krampussen gegenüber Zuschauern - solche Videos würden aber eben nur diese eine, negative Seite zeigen.
Nikolaus, Krampus und Percht
Auch wenn es wichtig und richtig sei, dass sich Bräuche weiterentwickeln, so müsse seiner Meinung nach der Kern des Brauches bewahrt werden: „Meiner Meinung nach gibt es schon viel zu viele Krampusumzüge bei uns, sogar von politischen Parteien. Und bei einigen Gruppen oder Mitgliedern hat man das Gefühl, dass sie nicht wissen, worum es dabei eigentlich geht.“
Der Brauch kommt von den Bauernhöfen, den Dörfern, und lebt von der Mystik, wenn dort durch die kleinen Gassen die Krampusse gelaufen sind.
— Thomas Dollenz, Obmann der Brauchtumsgruppe Techelsberg
Der Brauchtumsgruppe, die heuer 30-Jahr-Jubiläum feiert, sei es daher als Kulturträger wichtig, den Brauch zu bewahren, sagt Dollenz: „Dieser kommt von den Bauernhöfen, den Dörfern, und lebt von der Mystik, wenn dort durch die kleinen Gassen die Krampusse gelaufen sind.“ Und das Wesentliche: Der Krampus ist der Begleiter des Heiligen Nikolaus und keine Percht, das werde oft vermischt: „Wir wollen daher heuer auch das Perchtenbrauchtum beleben, das zu den Raunächten von 21. Dezember bis 6. Jänner stattfindet.
Krampus zu Donald Trump schicken?
Dass Dollenz Kritik an der einseitigen Darstellung des Brauches in Sozialen Medien durchaus ihre Berechtigung hat, zeigen einige Videos von internationalen Plattformen dazu. Vor einigen Tagen hat etwa „planet WTF“ - eine Plattform, die „die seltsamsten Fakten vom seltsamsten Planeten“ veröffentlicht - ein Video über den Krampusbrauch in Österreich auf TikTok hochgeladen. Krampusläufe werden dort als „österreichisches Festival, das gruseliger als jeder Horrorfilm“ ist, beschrieben und es wird erklärt, Kinder würden dabei „von Dämonen gejagt“ werden.
Die Tatsache, dass es sich um einen alten Brauch handelt, wird erwähnt, genaue Hintergründe fehlen aber - im Gegenteil, in einem anderen Video, wird das Perchtenbrauchtum genannt, fälschlicherweise als Brauch, der schon ab Anfang Dezember stattfinde. Die Diskussionen der zum Teil erschrockenen bis verwunderten Zuschauer aus aller Welt reichen von „so falsch und traumatisierend für Kinder“ bis „eine großartige Tradition“. Und ein US-Amerikaner meinte gar, der Krampus müsse „zu uns kommen, um mit Trump fertigwerden zu können“.