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Fahrbetrieb des Stainzer Flascherlzugs wird eingestellt

Mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ beschloss der Stainzer Gemeinderat die Einstellung des Fahrbetriebs des Flascherlzugs. Was das nun bedeutet.

Blick in die Gemeinderatssitzung in Stainz | Bei der entscheidenden Abstimmung sprachen sich FPÖ und ÖVP für die Einstellung des Fahrbetriebs aus
© KLZ / Barbara Kahr
Blick in die Gemeinderatssitzung in Stainz|Bei der entscheidenden Abstimmung sprachen sich FPÖ und ÖVP für die Einstellung des Fahrbetriebs aus
Barbara Mikschofsky
Redakteurin Regionalredaktion Leibnitz und Deutschlandsberg

Nun ist es fix: Der Fahrbetrieb des Stainzer Flascherlzugs in dieser Form wird mit Ende des Jahres eingestellt. Das hat Donnerstagabend der Stainzer Gemeinderat mit den Stimmen der ÖVP und FPÖ mehrheitlich beschlossen. Die Grünen, die Bürgerliste „Alternative für Stainz“ (Afs) und die SPÖ stimmten dagegen.

Davor versuchten die drei Parteien noch die Notbremse zu ziehen. Gleich zu Beginn der Sitzung forderte SPÖ-Gemeinderat Markus Peyer den Aufschub der Abstimmung und die Zusammenarbeit an einer Lösung mittels Dringlichkeitsantrag. Dieser wurde als letzter Tagesordnungspunkt – sprich hinter Punkt 13 „Beratung und Beschlussfassung über die Einstellung des Fahrbetriebes ‚Stainzer Flascherlzug‘“ gesetzt.

Volksabstimmung beantragt

Dass das Aushängeschild der Gemeinde als letzter Tagesordnungspunkt in der Sitzung behandelt wurde und wichtige Informationen vorab offenbar nicht weitergegeben worden seien, beanstandete Günter Farmer von der AfS. „Es gibt keinerlei Expertenmeinung. Es kann nicht sein, dass wir um 22 Uhr ohne Grundlage den Flascherlzug beschließen“, echauffiert er sich und beantragte eine Volksabstimmung.

Die Schmalspurbahn tuckert seit 133 Jahren durch die Weststeiermark
© KLZ / Michaela Komar
Die Schmalspurbahn tuckert seit 133 Jahren durch die Weststeiermark

Grünen-Mandatarin Ina Ledinski kritisierte: „Der Bürgermeister und andere haben die Einstellung vorbereitet und jetzt stehen wir vor vollendeten Tatsachen. Weder für ein Ja noch für ein Nein gibt es genug Expertise, über eine Alternative konnten wir nicht einmal nachdenken.“ Wie bereits ihre Parteikollegen im Land setzte auch sie sich für einen eigenen Ausschuss ein.

Die Vorwürfe konnte Bürgermeister Karl Bohnstingl wenig überraschend nicht nachvollziehen. Nachdem er die Kosten erneut präsentiert hatte, betonte der Ortschef eindringlich und des Öfteren, dass die Entscheidung keine leichte sei.

Rückendeckung von der FPÖ

Laut Bohnstingl hat es sich aber noch nicht ganz ausgedampft: „So wie es jetzt ist, können wir nicht weitermachen. Wir müssen eine andere Form finden.“ Rückendeckung bekam er neben seiner Fraktion wie zu erwarten auch von der FPÖ. „Jedes Jahr war der Abgang des Flascherlzugs ersichtlich. Wir müssen eine Entscheidung treffen, auch wenn sie verdammt weh tut“, sagte FPÖ-Vizebürgermeister Friedrich Scheer.

Flascherlzug-Ausschuss beschlossen

Einstimmig wurde übrigens dann auch ein eigener Flascherlzug-Ausschuss beschlossen, der sich um die Zukunft der Nostalgiebahn kümmern soll. Der Antrag auf eine Volksabstimmung und der Aufschub des Beschlusses wurden abgelehnt.

Unterschriftenliste und großes Aufsehen

Bereits im Vorfeld sorgte das drohende Abstellgleis für die Nostalgiebahn für Aufsehen. Lokführer und Betriebsstellenleiter Helmut Poglitsch rief zur Rettung eine Unterschriftenliste ins Leben. Das Echo darauf ist wenig überraschend groß, ist die Bahn doch nicht nur ein Stück Stainzer Geschichte, sondern ein österreichweit beliebtes Ausflugsziel. Immerhin tuckert der Flascherlzug seit 133 Jahren durch die Weststeiermark.

Das Thema wird nun auch auf Landesebene zum Politikum. Die Grünen fordern die Sicherung der Bahn und legen mit der Idee einer Volksbefragung in der Region nach. Die Neos springen ebenfalls auf den Zug auf und fordern Landeshauptmann Mario Kunasek auf, aktiv zu werden. „Der Beschluss in Stainz ist kein Schlusspunkt, sondern ein Weckruf. 133 Jahre Tradition dürfen unter FPÖ und ÖVP nicht zu Grunde gehen! Landeshauptmann Kunasek muss jetzt beweisen, ob ihm die steirische Tradition am Herzen liegt“, appelliert Niko Swatek, Neos-Klubobmann.

Die Stainzerbahn am Bahnhof in Stainz um 1910
© Sepper
Die Stainzerbahn am Bahnhof in Stainz um 1910

Wie die Zukunft des Schmalspur-Kapazunders aussieht, bleibt offen. Laut Bürgermeister haben sich bereits Interessenten gemeldet, die die Bahn auch künftig auf Schiene bringen möchten.

Alles zum Flascherlzug

Weitere Details, Termine und Infos zum Flascherlzug gibt es im Internet unter https://www.flascherlzug.at

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