Kärnten-Rückkehrer und Quereinsteiger retten den Schulbetrieb
Im Gegensatz zu anderen Bundesländern sind in Kärnten vier Wochen nach Schulbeginn alle Planstellen besetzt. Aber die Pensionierungswelle rollt, ab 2030 wird es eng.
Ende April 2025 wurden in Kärnten 203 Lehrerplanstellen ausgeschrieben, 148 weitere folgten kurz vor Schulschluss, dann noch einmal 100 im August. Dennoch sind im Gegensatz zu anderen Bundesländern laut Bildungsdirektion aktuell alle Stellen besetzt - weil hierzulande Quereinsteiger und Rückkehrer die Lücken füllen.
Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung gibt es im sonderpädagogischen Bereich (Integration, Inklusion), an Volksschulen sowie in den Unterrichtsfächern Religion, Kunst und Turnen (bei Mädchen), Technik und Design, Physik und Chemie. „Besonders im Minderheitenschulwesen gestaltet sich die Personalsuche anspruchsvoll, da hier neben der fachlichen Qualifikation auch entsprechende Sprachkompetenzen nachgewiesen werden müssen“, sagt Bildungsdirektorin Isabella Penz. Auch in ländlichen Bereichen in den Bezirken Hermagor und Spittal sei es aufgrund von eingeschränkten Anbindungen im öffentlichen Verkehr und langen Pendelstrecken schwierig, Lehrkräfte zu rekrutieren.
Nach Kärnten zurückgekehrt bin ich der Liebe wegen und nicht, weil der Unterricht in Wien so hart war.
— Eva Perz, Lehrerin VS Feldkirchen
Diese Löcher stopfen erstaunlicherweise Rückkehrer aus anderen Bundesländern und berufsfremde Personen. Jede achte Neuanstellung in diesem Schuljahr erfolgte mit Kärntnern, die bisher in anderen Bundesländern unterrichteten: 12 kamen heuer aus Wien, 9 aus der Steiermark, 3 aus Salzburg und je ein Pädagoge aus Niederösterreich und dem Burgenland.
50 Prozent Migranten
„Ich habe in Wien studiert und dort drei Jahre in einer integrativen Mehrstufenklasse unterrichtet, da waren Schüler aus der 1. bis 4. Klasse“, sagt Pädagogin Eva Perz (27). Der Migrationsanteil in dieser Klasse betrug 50 Prozent. „Es war fordernd, hat aber viel Spaß gemacht. Nach Kärnten zurückgekommen bin ich aber nicht, weil der Unterricht so hart war, sondern der Liebe wegen“, erzählt die Villacherin, die jetzt in Klagenfurt lebt und an der VS Feldkirchen unterrichtet.
Ich wollte wieder in der Nähe meiner Familie sein, auch der Wörthersee ist mir abgegangen. Daher bin ich zurückgekommen.“
— Naja Gietler, Lehrerin MS Hasnerschule
Naja Gietler unterrichtete sechs Jahre an einer Mittelschule in Wien und ein Jahr an einem MS in Oberösterreich. „Dann habe ich eine Auszeit genommen, war eineinhalb Jahre auf Weltreise“, erzählt sie. „Ich wollte wieder in der Nähe meiner Familie sein, auch der Wörthersee ist mir abgegangen. Daher bin ich zurückgekommen“, so die 34-Jährige. Jetzt unterrichtet sie an der MS Klagenfurt 3/Hasnerschule.
Wie wird man Quereinsteiger?
Prinzipiell ist ein fachverwandter Studienabschluss (z.B. Physiotherapie für das Fach „Bewegung und Sport“, Veterinärmedizin für das Fach „Biologie“ oder Architektur für das Fach „Darstellende Geometrie“ etc.) nötig. Darüber hinaus benötigt es nach Abschluss des Studiums eine zumindest 3-jährige berufliche Praxis in Vollzeit, die für das jeweilige Fach nützlich sein muss.
Wenn man diese Voraussetzungen erfüllt, kann man sich in der Zeit von 3. bis 21. November entsprechend registrieren. In diesem Zeitfenster werden 500 Bewerbungen für die Zertifizierung zum Quereinstieg Sekundarstufe Allgemeinbildung angenommen. Die Vorbereitung für die Registrierung davor ist zu jedem Zeitpunkt möglich und ratsam. Zertifizieren kann man sich für Fächer der Allgemeinbildung in der Sekundarstufe I u. II. Eine Zertifizierung in berufsbildenden Fächern ist nicht möglich.
Das dreistufige Auswahlverfahren dauert vier bis fünf Monate. Informationen zum Quereinstieg findet man auf der Homepage www.klassejob.at. Dort gibt es auch einen Bedarfsrechner, auf dem man herauslesen kann, welche Fächer bis 2030 besonders gefragt sind.
Auch die Quereinsteiger retten den Schulbetrieb. 130 gehen aktuell in Kärnten einer Unterrichtstätigkeit nach. Mit rund 14 Prozent über die vergangenen drei Jahre hat man in Kärnten bundesweit die höchste Quote an Frauen und Männern, die aus anderen Berufen kommen und ins Lehrerdasein wechseln. Bundesweit liegt die Quereinsteiger-Rate bei zehn Prozent. „Insgesamt gibt es derzeit 580 registrierte und zertifizierte Quereinsteiger“, sagt Bedarfskoordinator Thomas Druck von der Bildungsdirektion Kärnten.
Engpässe ab 2030
Engpässe werden trotz aller Bemühungen ab dem Jahr 2030 erwartet. Die Pensionierungswelle rollt in Kärnten etwas verzögert, wird da aber ihren Höhepunkt erreichen.