Renitenter Angeklagter: „Das Dodlwerch interessiert mich nicht“
Renitenter Angeklagter wollte Vertagung. Er bekam sie auf unerwartete Weise und wird sich vor einem anderen Gericht verantworten müssen. Richterin redete Klartext, wer vor der Anklagebank das Sagen hat.
Es geht um Betrug. 700 Euro soll der Mann, der sich am Bezirksgericht Feldbach verantworten muss, für Material als Anzahlung kassiert haben. Der Angeklagte verhält sich aufbrausend und findet deftige Worte für die Aussagen des Geschädigten: „Der soll keinen Sch*** reden.“ Von ihm selber gibt es kein Protokoll zur Causa. Auf die Frage von Bezirksrichterin Elisabeth Schwarz, warum er nicht zur Einvernahme bei der Polizei erschienen ist, meint er patzig: „Weil mich das Dodlwerch nicht interessiert. Er (Anm. d. Red.: gemeint, der Geschädigte) soll sein Zeug holen, dann ist das erledigt.“
Kurios, aber nicht ohne Folgen
Po-Grapscher, Langfinger und Raufereien – was einen so alles vor das Bezirksgericht bringen kann. Lesen Sie über die Fälle, die bei Bezirksrichterin Elisabeth Schwarz in Feldbach landen.
Wer bei Gericht das Sagen hat
Er sieht gar nicht ein, warum er vor Gericht sitzt: „Ich habe nichts getan, ich habe nichts zu gestehen.“ Für das Opfer habe er Material zur Sanierung eines Vordachs bestellt. Aber dann habe der „Auftraggeber“ die Arbeiten durch eine billigere Firma machen lassen und das Material nicht mehr abnehmen wollen. Die 700 Euro sei er bereit, zurückzuzahlen und meint dann: „Ich mache jetzt hier nicht weiter.“ Er will eine Vertagung und einen Anwalt beiziehen.
„Sie hätten heute mit einem Anwalt kommen können“, entgegnet Schwarz und weist ihn ob seines renitenten Auftretens zurecht: „Ein bisschen Benehmen ist schon angebracht.“ Schwarz schließt eine Rechtsbelehrung an, welche Anträge er stellen kann und redet dann Klartext, wer das Sagen hat und wer die Verhandlung führt – nämlich die Bezirksrichterin. Dass sie seine fünf Vorstrafen erwähnt, gefällt dem Angeklagten gar nicht: „Die Richterin ist gegen mich.“
Auftraggeber wurde ständig vertröstet
Der Geschädigte sagt, die Vordachsanierung sei ausgemacht gewesen. Er sei immer wieder vertröstet worden und habe nicht gewusst, wo das Material ist. Der Angeklagte nennt den Ort, und dort sei es jetzt noch: „Aber dann war ich zwida und hab gar nichts mehr gemacht.“ Ein halbes Jahr nach der Anzahlung hat der Geschädigte Anzeige erstattet – und wäre selbst jetzt noch einverstanden, wenn der Mann die Arbeiten durchführen würde.
Schwarz geht einen Chatverlauf mit endlosem Hin und Her zur Causa durch. Dabei die überraschende Wendung: Denn im Zuge der Befragungen stellt sich heraus, dass die Anzahlung in einem Lokal außerhalb des Bezirks übergeben wurde. Damit ist Feldbach nicht zuständig. So bekommt der Angeklagte zwar keine Vertagung, aber das Verfahren wird an das Bezirksgericht Graz-Ost abgetreten.




