USA liefert wieder Waffen, rettet Trump damit die Ukraine?
Die Amerikaner wollen nun wieder Waffen an die Ukraine liefern, doch den Höhepunkt der US-Unterstützung haben wir hinter uns. Jetzt sind wir Europäer gefragt.
Zwölf Tage Ukraine. Zwölf Tage Luftterror. Ob Kiew, Sumy, Charkiw, Dobropillya, Slowjansk oder Kramatorsk – meine Nächte hier bestehen aus Sirenen, Push-Nachrichten einer Luftalarm-App, dem Brummen der Shahed-Drohnen, das einem bis ins Mark fährt. Wenn eine Shahed mit ihren 45 Kilo Sprengstoff einschlägt, wackeln die Fenster. Trifft eine ballistische Rakete, bebt das ganze Gebäude.
Gerade bei diesen Raketen könnte Trumps Ankündigung, die Ukraine stärker zu unterstützen, am meisten Wirkung zeigen. Russland versucht aktuell mit einer strategischen Luftkampagne, den ukrainischen Widerstand zu brechen. Im Juni starben laut UN über 230 Zivilisten durch Luftangriffe – die höchste Zahl seit drei Jahren. Das wirksamste Mittel dagegen heißt Patriot – das bekannte US-Luftabwehrsystem. Die Ukraine hat jeweils drei Patriot-Systeme von den USA und Deutschland erhalten. Trump hat versprochen, neue Systeme samt Raketen zu liefern. Außerdem dürfen Europäer, allen voran Deutschland, Patriots in den USA kaufen.
Lieferungen nicht direkt aus den USA
Doch diese neuen Lieferungen kommen nicht mehr direkt aus US-Militärbeständen, wie bisher. Die Depots in den USA sind leerer, als viele in Europa glauben wollen. Pentagon-Beamte und hohe Offiziere sorgen sich um die Einsatzbereitschaft ihrer eigenen Streitkräfte. Im Herbst laufen die letzten Lieferungen aus den US-Lagern aus – ob der Kongress dann frisches Geld bewilligt, ist offen, aber unwahrscheinlich.
Klar ist: Früher oder später wollen die USA die Verantwortung für die Ukraine komplett an Europa übergeben.
Direkt aus den USA können also nur Patriots aus der Neuproduktion kommen. Es dauert 18 bis 24 Monate, bis ein einziges System – bestehend aus Fahrzeugen, Radarstation, Kontrollzentrum und Feuereinheiten – fertig produziert ist. Wenn die Ukraine schnell neue Patriots und Munition bekommen soll, werden sie daher mit hoher Wahrscheinlichkeit aus existierenden europäischen Beständen kommen müssen, die Amerikaner den Europäern zu einem späteren Zeitpunkt ersetzen. Deutschland hat schon geliefert. Auch die Niederlande, Polen oder Spanien könnten welche abtreten – doch auch ihre Lager sind endlich. Klar ist: Früher oder später wollen die USA die Verantwortung für die Ukraine komplett an Europa übergeben.
Amerikanische Aufklärung wird bleiben. Auch neue Sanktionen werden Moskau wehtun. Kurzfristig wird das den Krieg kaum verändern, aber es sendet ein deutliches Signal an den Kreml: Die USA stehen klarer an der Seite Kiews als zu Beginn der Trump-Regierung. Das kann bei künftigen Verhandlungen über Waffenstillstände entscheidend sein. Trotzdem ist klar: Den Höhepunkt der US-Unterstützung haben wir hinter uns. Jetzt sind wir Europäer gefragt. Wir müssen entscheiden, was uns die Ukraine für unsere eigene Sicherheit wert ist – und was wir zu riskieren bereit sind.
Das Sterben wird weitergehen
Nach Tagen an der Front kann ich sagen: Das Sterben geht unvermindert weiter. Es gibt keine Anzeichen, dass Russland Frieden will. Das Leid ist überall – und trotzdem geht der Alltag weiter. In einer umkämpften Stadt habe ich ein Mädchen gesehen, das im Fahrschulauto ihre Runden dreht. Dahinter eine Mutter mit Kinderwagen. Die Front hält – noch. Aber sie bröckelt. Patriot-Systeme alleine werden sie nicht stabilisieren.
Trump wird die Ukraine nicht alleine retten können. Doch vielleicht hat seine Entscheidung, die Ukraine nicht komplett fallen zu lassen, geholfen, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der Kreml irgendwann erkennt: Dieser Krieg wird selbst für Russland zu teuer. Doch dafür braucht es mehr – vor allem eine europäische Entscheidung darüber, was die Ukraine uns wert ist, und ein klares Verständnis, wie der Krieg dort unsere eigene Sicherheit beeinflusst. Sonst bleibt es bei Sirenen, Drohnen, Explosionen. Toten und Verletzten. Nacht für Nacht.
