Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

755 Jahre Hirter Brauerei: Bierige Zeitreise in die Zukunft

Bei Hirter-Jubiläum wurde auf Innovationen angestoßen: 22 Millionen Euro flossen in die Modernisierung des „Bauchs“ der Brauerei, die sich deutlich verjüngt zeigt.

Hirter-Brauerei-Chef Niki Riegler
© Gert Köstinger
Hirter-Brauerei-Chef Niki Riegler
Uwe Sommersguter
Leitung Wirtschaft Kärnten/Osttirol

Jetzt sind wir näher bei den 1000 Jahren“, rechnet Niki Riegler, Geschäftsführer und Eigentümer der Hirter Brauerei, schmunzelnd vor. Näher als im Pandemiejahr 2020, als die familiengeführte Privatbrauerei ihr 750-Jahr-Jubiläum nicht gebührend feiern durfte. Nun also 755 Jahre, davon 179 Jahre durchgehend im Familienbesitz. Zahlen der Kontinuität mit Seltenheitswert.

Jüngere Generation angesprochen

Dass die Hirter viel mehr ist als nur bloß ruhmreiche Vergangenheit, zeigt sich an diesem Geburtstagswochenende deutlich. Riegler glänzte mit einem Feuerwerk an Neuerungen: Nach außen hin sticht der neue Markenauftritt ins Auge, die traditionsreichen Bierbrauer präsentieren sich stark verjüngt. Mit der Ablöse der alten Frakturschrift und einem Werbeslogan, der nicht auf den Biergenuss selbst, sondern auf die Zeit, die man diesem widmet, Bezug nimmt. Man habe sich damit in die Gegenwart geholt, meint Riegler. Zwar verspüre so mancher Traditionalist etwas Abschiedsschmerz, doch die Adressaten der Botschaft sind klar jüngere Generationen.

Im „Bauch“ der Brauerei

Es sind die äußeren Merkmale einer umfassenden Investitionsoffensive, die sich vor allem im „Bauch“ der Brauerei in Hirt (Gemeinde Micheldorf) materialisiert: 22 Millionen Euro flossen in die Erneuerung der Logistik sowie der Flaschenwasch-, Abfüll- und Verpackungsanlage. Diese schafft mehr Effizienz – bis zu 30.000 Flaschen können pro Stunde gefüllt werden – und reduziert gleichzeitig den Energieverbrauch um 10 Prozent und den Wasserverbrauch um 20 Prozent.

1 / 10
Peter Kaiser, NIki Riegler, Klaus Möller, Raimund Linzer, Martin Gruber
Peter Kaiser, NIki Riegler, Klaus Möller, Raimund Linzer, Martin Gruber © Gert Köstinger

Die Entscheidung zu investieren, fiel in Hirt unabhängig von jener der Brauunion (Heineken), die Villacher Brauerei auf eine schlanke Stadtbrauerei zu reduzieren. „Für uns war diese Konzernentscheidung kein Schaden“, verrät Riegler: „Der eine schließt einen Standort, wir investieren.“ Von Triumphgeheul kann aber keine Rede sein, im Gegenteil: „Es ist traurig, dass wir die letzte mittelständische Brauerei in Kärnten sind.“ Auf dem hart umkämpften Markt könne man sich nur über „Inhalte, Vielfalt und charakteristische Biere differenzieren“. Als unabhängige Brauerei denke man „in Generationen und nicht in Quartalen“.

150.000 Hektoliter Bier

150.000 Hektoliter beträgt der jährliche Bierausstoß heute, der Umsatz bei 35 Millionen Euro. Während der Biermarkt in Österreich um zehn Prozent eingebrochen ist, legte Hirter um zehn Prozent zu, so Riegler. Aber auch Limonaden (“Hirter Crush“) und alkoholfreies Bier werden verstärkt nachgefragt. Auch sonst stellt sich Hirter erfolgreich gegen den Trend: Der Anteil an Fassbier – vor allem in Gastronomie und Hotellerie verbreitet – liegt österreichweit bei 18 Prozent, die Kärntner halten bei der Hälfte. 20 Prozent der Hopfengetränke fließen in den Export, 40 Prozent in andere Bundesländer, vor allem in den zweiten Heimmarkt Wien. Italien, Kroatien, Slowenien und die USA sind die wichtigsten Auslandsmärkte.

USA stehen auf Kärntner Bier

Angestoßen haben unter anderem LH Peter Kaiser, sein Vize Martin Gruber, WK-Präsident Jürgen Mandl, Bezirkshauptfrau Claudia Egger, die Bankchefs Nikolaus Juhász (BKS) und Siegfried Huber (Kärntner Sparkasse), Treibacher-Vorstand René Haberl, Hirter-Co-Chef Klaus Möller, Stiftspfarrer Gerhard Kalidz, Industrieller Christoph Kulterer, Skilegende Franz Klammer, Akademikerhilfe-Generalsekretär Bernhard Tschrepitsch sowie die Regionalbürgermeister, angeführt von St. Veits Martin Kulmer. Der Geburtstagsfeier wohnte auch Familie Glunz aus Chicago bei, die als Hirter-Bierbotschafter in den USA Privatpils und Morchel in zwölf Bundesstaaten verkaufen.

Mehr zum Thema