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Ist die atomare Gefahr des Irans gebannt?

Der Iran hat nach wie vor die Fähigkeiten, eine militärische Nuklearmacht zu werden – und mehr Anreize als je zuvor. Nur ein Atomabkommen kann langfristig Sicherheit schaffen.

Atomanlage im iranischen Natanz | Atomanlage im iranischen Natanz
© APA/Satellite image ©2021 Maxar Technologies
Atomanlage im iranischen Natanz|Atomanlage im iranischen Natanz
Franz-Stefan Gady
Politikberater und Militäranalyst

Die Vergangenheit ist ein Prolog“, schreibt Shakespeare. Am Ende des 12-Tage-Krieges zwischen dem Iran und Israel sowie den Vereinigten Staaten liegt der Keim für einen neuen militärischen Konflikt im Nahen Osten. Das hat zwei Gründe.

Erstens, weil der militärische Konflikt nicht zu einem Ende der iranischen Bestrebungen, Nuklearmacht zu werden, geführt hat. Im Gegenteil: Die große Lektion, die der Iran ziehen wird, ist, dass nur ein modernes Atomwaffenarsenal aus ballistischen Raketen, die die Fähigkeiten haben, Israel und amerikanische Stützpunkte in der Region zu treffen, der ultimative Sicherheitsgarant sein wird. Zweitens, weil die israelischen und amerikanischen Luftangriffe, auch wenn sie in die Annalen der Militärgeschichte eingehen werden, keine nachhaltige Lösung der iranischen Bedrohung und daher keinen politischen Sieg bescherten.

Zum ersten Punkt ist es wichtig zu verstehen, dass keine Luftkriegskampagne der Welt letztendlich die vollständige Vernichtung eines Atomwaffenprogramms herbeiführen kann. Israels militärischer Erfolg war beeindruckend. Mit Präzisionsluftschlägen auf mehr als 60 Ziele wie Nuklearanlagen, Luftwaffenbasen, Luftabwehrstellungen und militärische Führungseinrichtungen demonstrierte das Land endgültig, dass es der militärische Hegemon des Nahen Ostens ist. Ergänzt wurde diese Offensive durch massive Cyber- und Geheimdienstoperationen.

Verstärkt wurde der israelische Erfolg durch amerikanische Waffenhilfe, insbesondere durch den Einsatz von sieben B-2-Stealth-Bombern, die mit bunkerbrechenden GBU-57-Bomben angriffen. Und durch Tomahawk-Marschflugkörper, die von einem US-U-Boot abgefeuert wurden und zusätzliche Ziele trafen. Laut westlichen Geheimdienstberichten wurde das Programm aber nur um wenige Monate oder vielleicht Jahre zurückgeworfen. Der Iran hat also nach wie vor die Fähigkeiten, eine militärische Nuklearmacht zu werden – und mehr Anreize als je zuvor, dies zu tun.

Die Lektion für den Iran ist, dass ein Atomwaffenarsenal aus ballistischen Raketen der ultimative Sicherheitsgarant sein wird.

Nur Abkommen kann Sicherheit schaffen

Militärische Schläge mögen kurzfristig wirken, doch nur ein internationales Abkommen schafft langfristigere Sicherheit. Ein solches Abkommen kann aber nur nachhaltig erfolgreich sein, wenn Israel überzeugt werden kann, dass es neben militärischen Tatsachen auch eine diplomatische Lösung anstrebt. Hier sind natürlich Israels Nachbarn gefragt. Gleichzeitig scheint die israelische Regierung jedoch planlos, denn die genauen Ziele der Angriffe waren nicht klar definiert: Ging es darum, Irans Nuklearprogramm nur zu verzögern, das Raketenarsenal zu zerstören, oder gab es gar Ambitionen, einen Regimewechsel in Teheran herbeizuführen? Ohne klare politische Zielsetzung führen selbst erfolgreiche Militäroperationen ins Leere. Zwar hat Israel seine militärische Überlegenheit demonstriert, doch die strategische Position des Landes hat sich kaum verbessert; im Gegenteil, es droht eine kurz- bis mittelfristige Isolation, verschärft durch das Fehlen eines Plans zur Beendigung des Gaza-Krieges.

Am Ende zeigt sich: Nur Diplomatie im Einklang mit militärischer Macht kann eine echte Lösung bieten. In diesem Sinne hat der 12-Tage-Krieg Israels Sicherheit nicht gestärkt, sondern ist vielmehr Symptom einer Diskrepanz zwischen militärischem Erfolg und einer Unfähigkeit, diesen in eine nachhaltige politische Lösung umzusetzen, die das Land langfristig vor Irans Atomwaffenambitionen schützt. Oder wie Shakespeare warnt: „Blut fordert Blut.“