Kraftwerk Kolbnitz: Kelag sieht mit ihrer Variante „Rinnsal-Vorwurf“ entkräftet
Am Donnerstag wird die unabhängige Variantenstudie zum Schwallausgleichskraftwerk Kolbnitz in Obervellach öffentlich präsentiert. Die Kelag spricht von einem Kompromiss, der die Möll ökologisch aufwerten soll.
Die mit Spannung erwartete Variantenstudie rund um das Kraftwerksprojekt Kolbnitz ist fertig. Anrainer und Öffentlichkeit werden die Ergebnisse am Donnerstagabend, ab 19 Uhr, im Kultursaal in Obervellach vom Verfasser Franz Greimel erfahren. Der von den Gemeinden Stall, Flattach, Obervellach, Reißeck und Mühldorf sowie Fischerei- und Tourismusverband Mölltal beauftragte Ingenieur und Öko-Hydrologe an der Boku Wien informierte zuvor die Gemeinderäte.
Kelag-Vorstand Reinhard Draxler sieht sich durch das 200-seitige Gutachten bestätigt: „Der geplante Stollen gleicht die starken Schwankungen der Möll durch die Kraftwerksgruppe Fragant aus.“ Aktuell sei der Flussabschnitt durch dieses Schwall-Sunk-Problem ökologisch quasi tot. Das zu ändern, schreibe eine Wasserrahmenrichtlinie der EU vor.
Greimel und Jürgen Neubarth von „e3 consult“, der den energiewirtschaftlichen Nutzen bewertet, prüften neben der Variante der Kelag mehrere Alternativen.
Alternativen keine echten Varianten?
Andere Lösungen, etwa ein Ausgleichsbecken oder ein Laufkraftwerk mit E-Batteriespeicher hätten, so Draxler, alle einen großen Nachteil: „Es könnte ohne die bestehende Pumpspeicherung kein Spitzenstrom mehr erzeugt werden.“ Laut Projektleiter Peter Macher-Lepuschütz braucht es gerade das: „Es ist immer mehr Flexibilität erforderlich, um bei Überangebot Leistung zu speichern und diese abzurufen, wenn andere Erneuerbare zu wenig Energie liefern.“
Reißecks Bürgermeister Stefan Schupfer (Freien Liste Reißeck) gab keinen Kommentar ab und verwies auf die bevorstehende Bürgerinformation, auf die im Anschluss eine Diskussionsrunde folgen soll. Auch Vertreter der Kelag, wie diese bestätigt, werden daran teilnehmen.
„Im Juli reichen wir ein“
Lange zuwarten will Vorstand Draxler nicht mehr: „Wir hätten das Projekt gerne bereits im Frühjahr bei der zuständigen Behörde eingereicht, um die Umweltverträglichkeitsprüfung zu beginnen.“ Anfang Juli soll es so weit sein, wobei die Begutachtung und Prüfung in über 20 Fachbereichen bis zu drei Jahre dauern könnte. Während einer circa fünfjährigen Bauzeit würden über 200 Millionen Euro in den Bau des Tunnels und des neuen Kraftwerks Kolbnitz investiert werden.
Ändert die Studie noch etwas an den Planungen? „Der Vorwurf, die Möll würde zu einem Rinnsal, ist entkräftet“, heißt es dazu vom Kelag-Projektleiter. Das angepasste Abflussmodell sei bereits ein Kompromiss, der die mögliche Jahreserzeugung von über 100 Gigawattstunden auf 90 bis 100 GWh reduziert, womit 25.000 Haushalte versorgt werden können. Zum Vergleich: Das entspräche circa 50 Kleinwasserkraftwerken.
Mehr Fische, kein reißendes Wildwasser-Rafting
Zuvor äußerten unter anderen Touristiker, Fischer und die Bürgerinitiative „Retten wir die Möll“ Bedenken bezüglich der verbleibenden Restwassermenge an. Um einen Einfluss auf das Grundwasser nachzuweisen, sind laut Kelag gerade Hunderte Messstellen aktiv. Auch bei einem 30-jährigen Tiefststand werde der Fischbestand, etwa der Huchen, gewährleistet. Mit dem „Hochwasser-Rafting“ sei es zwar vorbei, aber Wassersport mit Kajak und Kanu bleibe möglich.
