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Die Präsidenten über Leidenschaft, Ehrenamt und den Titeltraum

Hartberg oder der WAC? Brigitte Annerl oder Dietmar Riegler? Für einen der beiden Klubs gibt es heute den ersten Titel im Profifußball. Davor sprechen die beiden Präsidenten.

Brigitte Annerl und Dietmar Riegler
© GEPA (2)
Brigitte Annerl und Dietmar Riegler
Philip Edlinger
Von   und Clemens Ticar

Hartberg oder WAC: Wessen Cup-Sieg wäre denn die größere Überraschung?

Brigitte Annerl: Dass der TSV Hartberg im Cupfinale steht, ist für viele schon DIE Überraschung der Saison – aber ich glaube, für den WAC gilt das genauso. Der Titel für Hartberg oder den WAC ist eine Sensation.

Dietmar Riegler: Ich denke, dass es für beide Vereine eine ähnlich große Überraschung wäre. Es sind beides eher kleinere Klubs, die sich aber mit viel Herzblut und Kontinuität in der Bundesliga etabliert haben.

Warum würden Sie dem anderen denn den Titel gönnen?

Brigitte Annerl: Sowohl wir als auch der WAC haben heuer Großartiges geleistet. Wir stehen beide verdient im Finale – der bessere möge gewinnen. Jeder will diese historische Chance nutzen und den Cuptitel holen!

Dietmar Riegler: Natürlich würde ich Hartberg den Titel gönnen. Beide Vereine leben von Leidenschaft und ehrlicher Arbeit. Es wäre eine schöne Geschichte für den österreichischen Fußball. Dennoch ist man sich in einem Finale selbst am nächsten und wir werden alles daran setzen den Titel nach Wolfsberg zu holen.

Zur Person

Brigitte Annerl, geboren am 11. September 1969.

Sie gründete 2006 das Pharmaunternehmen Lenus Pharma und ist mit Profertil Weltmarktführer.

Seit 2017 ist Annerl Präsidentin des TSV Hartberg, seit 2018 ist der Klub in der Bundesliga.

Gibt es etwas, worum Sie den anderen Verein beneiden?

Brigitte Annerl: Nein, wir schauen auf uns selbst. Jeder Verein hat seinen eigenen Weg.

Dietmar Riegler: Ihre Ruhe und die Geduld, mit der in Hartberg gearbeitet wird. Es gibt kaum Hektik, keine großen Skandale im Verein – das ist wirklich bemerkenswert.

Was macht ausgerechnet Ihren Verein so sympathisch?

Brigitte Annerl: Zusammengefasst ist es das Hartberger Flair: Wo Zusammenhalt einfach größer ist als Geld.

Dietmar Riegler: Wir stehen für Bodenständigkeit, Zusammenhalt und eine klare Identität. Wir haben eine ganze Region hinter uns, auf die wir stolz sein können, und wir pflegen einen sehr familiären Umgang miteinander.

Zur Person

Dietmar Riegler, geboren am 25. April 1966.

Er ist Geschäftsführer RZ-Pellets-Firmengruppe. Riegler, verheiratet mit Waltraud, Vater von Jakob und Johanna, spielte für WAC, ATSV Wolfsberg und St. Andrä.

Seit 2007 ist er Präsident des WAC.

Thema Ehrenamtlichkeit: Wo würde Ihr Verein stehen, ohne der vielen freiwilligen Helfer?

Brigitte Annerl: Ohne Ehrenamt geht es bei uns nicht. Ob Spieltag, Nachwuchs, Platzarbeit oder Organisation – viele Bereiche würden ohne unsere freiwilligen Helfer schlichtweg stillstehen. Ihr Einsatz ist unbezahlbar und nicht hoch genug einzuschätzen.

Dietmar Riegler: Wir würden nicht existieren. Ohne Ehrenamtliche, die ihre Zeit und oft auch ihre Nerven opfern, wäre es unmöglich, den Betrieb beim Wolfsberger AC aufrechtzuerhalten.

Thema Investoren: Viele Klubs in ganz Europa setzen auf Investoren von außen. Ist oder war das jemals bei Ihrem Verein eine Option?

Brigitte Annerl: Investoren und Sponsoren sind bei jedem Verein ein Thema, ohne sie geht es einfach nicht. Und trotzdem gibt es auch hier deutliche regionale Unterschiede, natürlich ist die Situation bei kleineren Vereinen eine ganz andere als bei größeren. Aber auch wenn Hartberg kein Millionenmarkt ist, freuen wir uns immer über Menschen und Unternehmen, die den Weg mit uns gehen.

Dietmar Riegler: Natürlich denkt man darüber nach, aber wir haben bewusst einen anderen Weg gewählt. Der WAC soll eigenständig bleiben und seine Werte nicht aufgeben. Es muss einfach alles zusammenpassen, nicht nur finanziell, sondern auch kulturell.

Trotz der sportlichen Erfolge bleibt das Zuschauerinteresse zu oft überschaubar. Woran machen Sie das fest?

Brigitte Annerl: Ich denke, das ausgebaute Stadion wird diesbezüglich ein Gamechanger für uns! Eine moderne Infrastruktur zieht mehr Fans und Zuschauer an, schafft eine bessere Atmosphäre, ein deutlich anderes Fußballerlebnis.

Dietmar Riegler: Es hängt mit der Größe der Region zusammen und mit der starken Konkurrenz anderer Freizeitangebote. Vielleicht müsste man noch stärker Emotionen wecken und das Stadionerlebnis bei den Heimspielen verbessern.

Schwingt bei dieser „Revolution der Kleinen” im heurigen Cup bei Ihnen auch so etwas wie persönliche Genugtuung mit?

Brigitte Annerl: Wenn man bei uns vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass wir um einen Titel spielen, hätten uns viele nur belächelt. Keiner hat damit gerechnet, als titelverdächtig galten wir nicht. Es ist für uns eine Bestätigung, dass aus Leidenschaft, Loyalität und Mut Großes entstehen kann.

Dietmar Riegler: Absolut. Denn diese Finalpaarung zeigt, dass Erfolg nicht nur vom Budget abhängt, sondern auch von Leidenschaft, Teamgeist und harter Arbeit.

Ihr persönlicher, ehrenamtlicher Einsatz und auch Einsatz von Privatvermögen stecken im Klub – keine Selbstverständlichkeit. Warum tun Sie sich das seit Jahren überhaupt an?

Brigitte Annerl: Für mich ist der TSV Hartberg kein Business-Case, sondern reine Leidenschaft. Es ist mein Ausgleich zu meinem Brotjob. Ich durfte schon so viel mit dem TSV erleben, das zählt. Die Region erlebt einen unfassbaren Aufschwung. Hier beitragen zu können und dabei sein zu dürfen, rechtfertigt jeglichen Einsatz.

Dietmar Riegler: Weil es Leidenschaft ist. Der WAC ist mehr als ein Verein – er ist Teil meines Lebens. Die Freude, die wir damit Region und Fans geben, ist jede Anstrengung wert. Außerdem ist es mir wichtig der Jugend im Lavanttal eine Vision zu vermitteln und ihnen die Möglichkeit zu bieten, diesen Traum in Wolfsberg zu leben.

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