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Mystische Zeit: Geheimnisvolle Nächte voller Duft, Tradition und Aberglaube

Zu den Raunächten zu räuchern hat Tradition - doch die mystischen Nächte bieten noch viel mehr. Aberglaube, Tradition, Räucherwerk und Traumdeutung. Wir haben das Wichtigste für Sie zusammengefasst.

Räuchern zu den Raunächten hat lange Tradition.
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Räuchern zu den Raunächten hat lange Tradition.
Alice Samec
Redakteurin News & Social Media

Die Zeit zwischen den Jahren hat im Volksglauben eine große Bedeutung. Für viele Menschen ist die Zeit voller Magie etwas ganz Besonderes. Es sind die Nächte um den Jahreswechsel, in denen Aberglauben und Gebote für den Alltag ein Tänzchen wagen. Und genau diese Nächte sind als Raunächte oder auch „Rauhnächte“ bekannt. Abgeleitet ist der Begriff von „Rauchnacht“ und der „Rauch“ kommt vom Räuchern. Weihnachten, Kerzen, Beisammensein, aber auch dunkle Stunden und Kälte prägen diese Zeit. Diese zwölf Rauhnächte gelten als mystische und magische Phase, in der die Grenze zwischen der materiellen und der spirituellen Welt besonders dünn ist.

Raunächte habe eine klare Bedeutung

In dieser Zeit sollen Geister und übernatürliche Wesen aktiv sein, Tiere sprechen können, die Bräuche und Traditionen variieren auch je nach Region. Je nach Gegend variiert auch die Zahl der Raunächte stark. Mal sind es zwölf, mal dreizehn, mitunter sogar nur drei oder vier. Aber alle Überlieferungen sind sich einig: Die Raunächte dienen dem Innehalten.

Die 12 Raunächte

Je nach Region unterscheidet sich die Anzahl der Raunächte zwischen drei und zwölf Nächten. Als die vier wichtigsten Raunächte werden bezeichnet:

  1. 20./21. Dezember (Thomasnacht, die Nacht auf den Thomastag, den kürzesten Tag des Jahres)
  2. 24./25. Dezember (Heiliger Abend, Christnacht, Vigil von Weihnachten)
  3. 31. Dezember/1. Januar (Silvester)
  4. 5./6. Januar Dreikönigstag (Vigil von Erscheinung des Herrn)

Das Räuchern mit Harzen und Kräutern ist eine Tradition in der dunklen Jahreszeit. Die Räucherexpertin Christine Fuchs - die ihre Tipps auch im Internet teilt unter raunächte.at - erklärt im Interview, warum im Winter geräuchert wird, welche Pflanzen sich dafür eignen und was beim Sammeln und Trocknen zu beachten ist.

Die wichtigsten Raunacht-Bräuche

Räuchern: Mit Kräutern und Harzen werden Häuser und Ställe ausgeräuchert, um böse Geister und negative Energien zu vertreiben.
Träume, Orakel und Zukunftsdeutung: Es wird angenommen, dass das Wetter oder die Ereignisse jeder Rauhnacht die Monate des kommenden Jahres voraussagen. Daher werden Träume und besondere Vorkommnisse während dieser Nächte besonders aufmerksam beobachtet.
13 Wünsche: Eines der beliebtesten Rituale:. Hierfür werden zu Beginn der Rauhnächte 13 Wünsche auf kleinen Zetteln notiert, die in eine Box oder einen Beutel gesammelt werden. Ab dem 24. Dezember wird jeden Abend ein Zettel gezogen und ungeöffnet in einer Feuerschale verbrannt mit dem Vertrauen, dass sich nun eine höhere Macht um die Erfüllung dieses Wunsches kümmern wird. Am Ende der Rauhnächte bleibt der 13. Wunsch übrig. Dies ist der Wunsch, für dessen Erfüllung man dem Brauch nach selbst verantwortlich ist.
Loslassen und Reinigen: Die Rauhnächte gelten als Zeit der inneren Einkehr und Reinigung. Man verabschiedet sich von alten Lasten und bereitet sich auf das neue Jahr vor.
Perchtenläufe: In einigen Regionen ziehen verkleidete Gestalten, die sogenannten Perchten, durch die Dörfer, um die bösen Geister zu vertreiben und Glück für das neue Jahr zu bringen.

Aberglaube und Mythen

Wilde Jagd: In der Mythologie heißt es, dass Wotan (Odin) mit der „Wilden Jagd“ durch die Nächte zieht. Wer ihnen begegnet oder stört, soll Unheil erfahren.
Keine Wäsche waschen: Es gilt als Unglück, in den Rauhnächten Wäsche aufzuhängen, da sich Geister darin verfangen könnten.
Haustiere: Es wird gesagt, dass Tiere in den Rauhnächten sprechen können, aber es ist gefährlich, ihnen zuzuhören, da man dadurch Unheil anzieht.

Inwiefern ist der Winter eine klassische Zeit zum Räuchern?

Christine Fuchs: Im früheren, agrarischen Lebensrhythmus hatten die Menschen im Winter die meiste Zeit. Es gab kein Fernsehen, kein Facebook, dafür meterhohen Schnee, klirrende Kälte und viel Dunkelheit. Also wurde geräuchert, was im Sommer geerntet wurde. Der Duft rief Erinnerungen an den Sommer wach und katapultierte die Menschen mit dem ersten Atemzug in eine positive, motivierende Stimmung. Heute geht es beim Räuchern im Winter mehr um Gemütlichkeit – gerade wenn die Adventzeit mit Kerzenlicht und Räucherwerk begleitet wird –, jedoch auch um Reflexion und Zukunftsschau, zum Beispiel in den Raunächten.

Was bedeuten die Raunächte für Sie?

Für mich persönlich sind die Raunächte viel mehr als 12 oder 13 heilige Nächte. Es ist die kraftvollste und motivierendste Transformationszeit des Jahres und vor allem die idealste Phase im Jahr für eine Verabredung mit sich selbst. Es ist der Augenblick im Jahr für die Reflektion von Vergangenem und Gegenwärtigem und zugleich das optimale Fenster für den Ausblick auf das neue Jahr.

Welche Pflanzen können zum Räuchern verwendet werden?

Zu den Klassikern in unserem europäischen Kulturkreis zählen zum Beispiel Beifuß, Wacholder, Duft- beziehungsweise Mariengras, Engel- und Meisterwurz. Je nach Jahreszeit werden auch Mistel, Tannennadeln, Fichtenharz und Efeu oder Schafgarbe, Waldmeister, Johanniskraut und Mädesüß genutzt. Und auch typischen Heil- und Gartenkräutern wie Minze, Melisse, Thymian, Rosmarin, Oregano, Lavendel und Ysop sowie Rosen- und Kamillenblüten lassen sich herrliche Räucherdüfte entlocken.

Was macht diese Pflanzen ideal fürs Räuchern?

Je mehr wohlduftende, ätherische Öle die Pflanzen haben, desto mehr Duft kann sich durch das Verdampfen entfalten. Um den Duft länger im Raum zu halten, werden die Kräuter gern mit Harzen gemischt. Sie binden den Duft und sorgen dafür, dass wir ihn lange genießen können – manchmal sogar bis zum nächsten Tag.

Welche Harze empfehlen Sie – auch zum selbst Sammeln?

Fichten- und Kiefernharz eignen sich sehr gut. Allerdings sollte nur altes, trockenes Harz gesammelt werden. Junges Harz ist weich und klebrig wie Honig und kann noch keinen feinen Räucherduft entfalten. Ist das Harz fest und rotbraun gefärbt, kann es leicht von der Rinde entfernt werden und ist ideal zum Räuchern. Auch Tannenharz kommt beim Räuchern zum Einsatz. Es zu sammeln ist allerdings sehr mühselig: Es sind nämlich vorwiegend die Zapfen, die das Harz ausschwitzen – als weiße Krümel zwischen den Zapfenschuppen.

Wann ist die beste Zeit, um Kräuter zu ernten?

Kräuter werden am besten im Sommer geerntet. Früher gab es dafür einen festen Termin: Zu Maria Himmelfahrt am 15. August, so ist überliefert, enthielten die Kräuter die meisten ätherischen Öle. Heute sind sie um diese Zeit oft schon ganz ausgetrocknet. Je nach Wetter ernte ich schon Anfang Juli und kann dann sogar Ende Juli/Anfang August ein zweites Mal ernten. Wichtig ist es, für die Ernte einen sonnigen Tag auszuwählen, damit die Pflanzen trocken sind und bereits Sonne tanken konnten.

Wie gehe ich weiter vor?

Für das Räuchern wird ausschließlich das getrocknete Räucherwerk verwendet. Um den Kräutern die Feuchtigkeit zu entziehen, werden sie als Büschel aufgehängt oder in gestapelten Kisten getrocknet. Ideal ist ein dunkler Speicher oder Raum, der gut zu lüften ist. Auch im Backofen und Dörrautomat lassen sich die Pflanzen trocknen - allerdings nur sehr vorsichtig und nicht zu warm, damit die ätherischen Öle nicht entweichen. Sonst riecht es nur einmal, nämlich während des Dörrens.

Zum Thema Raunächte finden Interessierte im Styria-Verlag unter anderem dieses Buch:

Sigrid Csurda-Steinwender: „Räuchern, Raunacht, Rituale | Sigrid Csurda-Steinwender: „Räuchern, Raunacht, Rituale
© Screenshot/Styria Verlag
Sigrid Csurda-Steinwender: „Räuchern, Raunacht, Rituale|Sigrid Csurda-Steinwender: „Räuchern, Raunacht, Rituale

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