Die Knappen setzen im Karl-Schacht schwere Maschinen gegen das Vergessen ein
Der Knappschaftsverein haucht im Bergbaumuseum Karl-Schacht wuchtigen E-Loks und gewaltigen Löffelbaggern wieder Leben ein. Nicht zuletzt für den Tag des Bergbaus am kommenden Samstag.
Es ist mehr als nur Liebhaberei, was die Mitglieder des Knappschaftsvereins Voitsberg Köflacher Kohlenrevier seit Jahren auf die Beine stellen. Das ist vielmehr der verzweifelte Versuch, eine prägende und doch nahezu in Vergessenheit geratene industrielle Epoche wieder aufleben zu lassen. Rund um den ehemaligen Betriebsleiter von Bärnbach/Oberdorf Franz Borstner und den Historiker Ernst Lasnik bildete sich eine Gruppe aktiver ehemaliger Bergarbeiter, die nicht nur das 2010 gegründete Bergbaumuseum instand hält, sondern auch gewaltige Maschinen von anno dazumal wieder zum Leben erweckt.
Einst machte der Kohlebergbau Rosental zur zweitreichsten Gemeinde ganz Österreichs, zur Blütezeit arbeiteten 6000 Knappen in der Region, mit den Mitarbeitern in der Glasindustrie und einiger anderer Betriebe sorgten rund 10.000 Industriebeschäftigte für Wohlstand. Borstner erinnert sich, dass bei der Schließung des Karl-Schachts noch rund 750 Leute tätig waren. Doch von all diesen Tagen ist heute kaum noch etwas zu spüren. „Die kommende Generation wird nichts mehr darüber wissen. Uns besuchen pro Jahr maximal 1000 Leute, ein paar Schulen, mehr ist es nicht.“ Dabei hat der Bergbau unzählige Geschichten zu erzählen.
Was den Knappschaftsverein aber vor allem beeindruckt, ist die Funktionsfähigkeit der alten Maschinen. „Wir haben eine 100 Jahre alt E-Lok hergerichtet und sie springt an wie neu. Wir haben hier Gerätschaften, die allesamt von heimischen Betrieben hergestellt wurden – Voest Alpine, Elin, Andritzer Maschinenfabrik – und sie funktionieren heute noch einwandfrei.“ Wir stehen vor einem 1989 stillgelegten Koloss, einem EDW 300, 32 Tonnen schwer, ein Doppelwalzenschrämlader, mit dem Kohle geschnitten wurde. „Und das beste ist“, ist Borstner stolz, „der läuft heute noch einwandfrei und bei der Instandsetzung mussten wir kein einziges Kugellager tauschen“. Zum Beweis setzt Borstner das Ungetüm in Bewegung – eines von vielen beweglichen Anschauungsstücken im Museum.
Im Rahmen eines EU-Projekts wird nun auch die Trafostation auf dem ehemaligen Gruben-Areal umgebaut und soll ab 2025 das Bergbaumuseum erweitern und einen direkten Zugang zu einem nachgebauten Stollen haben. „Wir wollen den Bergbau am Karl-Schacht – so weit wie das eben noch möglich ist – erlebbar machen.“ Schmunzelnd erinnert er sich dabei an die spektakuläre Überstellung des 86 Tonnen schweren Hochlöffelbaggers, der auf dem Areal zu bewundern ist. „Er wurde vor acht Jahren mit einem Tieflader aus dem Zangtal quer durch Voitsberg gekarrt und sorgte für Aufregung.
Für einen täglichen Museumsbetrieb fehlen allerdings die Mittel, und wohl auch das Interesse der Öffentlichkeit. Das weiß auch Historiker Ernst Lasnik. „Früher war das Interesse größer. Heute ist der tägliche Betrieb so eines Museums nicht finanzierbar und es ist nur den unermüdlichen einstigen Bergarbeitern zu verdanken, dass das hier belebt wird.“ Deshalb sind Führungen im Bergbaumuseum Karl-Schacht derzeit nur auf Anfrage möglich. Ein Besuch lohnt sich aber allemal: Der zugemauerte Zugang zum einstigen Stollensystem ist heute ein Kino, und das Museum schildert nicht nur die Entwicklung des Kohlebergbaus im Lauf der Zeit, sondern weiß eine Erfolgsgeschichte zu erzählen, wie sie heute kaum noch einer glauben kann.
Die Bergbau-Region
Der Knappschaftsverein hat heute noch 344 Mitglieder, von denen etwa zwölf ständig aktiv sind. Jeden Dienstagvormittag treffen sie sich, um Maschinen instand zu halten und das Bergbaumuseum Karl-Schacht auf Vordermann zu bringen.

