Christian Galler: „Es treibt mir Sorgenfalten auf die Stirn“
Der Chef der österreichischen Snowboarder Christian Galler lässt die bisherige Saison Revue passieren. „Das Team ist geil.“

Die Parallelboarder liefern eine unglaubliche Saison ab. Was sagt der Chef?
CHRISTIAN GALLER: Für mich es das Ärgste, dass, wenn man glaubt, es geht nicht mehr besser als in der Olympiasaison, legt man eine noch bessere WM-Saison hin. Heuer sind wir fast dort, wo wir vergangene Saison am Ende gewesen sind. Diese Gleichmäßigkeit an Höchstleistungen ist unglaublich.
Was macht dieses Team aus?
Die Routiniers drehen permanent an Schrauben, arbeiten akribisch. Nicht zu vergessen ist das Set-up, da haben wir gute Einsager sowie eine perfekt abgestimmte Servicecrew. Viele fragen, wie das möglich sein kann, dass man in dem Alter noch so stark ist, aber das biologische und kalendarische Alter sind zwei verschiedene Dinge. Ich kenne die Werte von Claudia Riegler, die nie nachlässt und immer schaut, was sie verbessern kann. Mir hat es gefallen, als Andi Prommegger im Einzel so knapp ausgeschieden ist und 15 Minuten nicht ansprechbar war. Das zeigt, wie hungrig er ist. Und dann gibt es die Jungen, die motiviert sind, nachzurücken. Diese Dynamik ist beeindruckend. Wir waren am Samstag mit 18 Athleten auf der Simonhöhe, die von zehn Betreuern unterstützt werden. Jeder weiß, dass wir zusammenhalten müssen und darüber hinaus die Harmonie passen muss. Nur so können Erfolge entstehen. Das Team ist geil, es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten.
Erfolg ist das Stichwort. Benjamin Karl dominiert diese Saison und das mit 38 Jahren.
Er hat letzte Saison dafür verwendet, um zu testen. Das war die richtige Entscheidung, wie man sieht. Er justiert noch immer nach, aber so ist er. Er verliert nie den Fokus, gerade deshalb liefert er bei Großevents ab.
Und bei den Damen brilliert Sabine Schöffmann, zweifache Simonhöhe-Siegerin, mit ihrer Konstanz.
Bines Serie ist klasse. Sie war zwei Saisonen verletzungsfrei, davor wurde sie ja immer mal zurückgeworfen. Man merkt, wenn man im Kopf frei ist und sich aufs Wesentliche konzentrieren kann, wie es dahingeht.
Und um den Nachwuchs muss man sich auch keine Gedanken machen, wenn man auf die Europacupwertung blickt, oder?
Stimmt, aber mir treibt es Sorgenfalten auf die Stirn. Ich habe bereits 14 Athleten im Weltcup. Im Regulativ wären eigentlich nur acht bis zehn vorgesehen. Wir werden natürlich keine Leistung verhindern. Es ist nun meine Aufgabe, wie wir das System weiterhin produktiv nach vorne bringen. Aber ich lebe definitiv tausendmal lieber mit dieser Situation, dass ich mich plagen muss, als dass wir keinen Nachwuchs haben.
Kurz zurück zur Simonhöhe. Wie sieht die Zukunft aus?
Der Wunsch war, dass wir im Zweijahres-Rhythmus aufschlagen. Wenn ich die Motivation rund um den Stützpunkt Simonhöhe mitbekomme, bin ich mir sicher, dass das Feuer nicht erlischt. Man braucht starke Partner, dass man es wirtschaftlich stemmt. Wobei wir in Kärnten sehr gut aufgestellt sind. Wir sind nur leider eine unplanbare Sportart. Wir schieben Termine relativ spät herum. Dass wir bereits ein Plakat wie die Skifahrer für nächste Saison drucken, ist bei uns gefährlich.
