Benjamin Karl: „Gegenüber einem 70-Jährigen finde ich mich ziemlich jung“
Olympiasieger Benjamin Karl (38) hat die kleine Kugel fix in der Tasche. „Jede Serie reißt nun einmal und wenn sie mit einem zweiten Platz reißt, ist das völlig in Ordnung.“

Nach drei PGS-Siegen en suite ist ihre Serie auf der Simonhöhe gerissen, wobei das ist nun auch Jammern auf ganz hohem Niveau, denn Sie sind ja Zweiter geworden.
BENJAMIN KARL: Jede Serie reißt nun einmal und wenn sie mit einem zweiten Platz reißt, ist das völlig in Ordnung.
Vor allem, wenn man bedenkt, dass Sie vor zwei Jahren hier in der Qualifikation ausgeschieden sind.
Das stimmt, wobei ich heuer gewusst habe, dass ich schnell sein kann. Ich bin ja extra nach Weihnachten noch einmal hergefahren, um intensiv zu trainieren. Gestern bin ich nach der Qualifikation von meinem Standardbrettl, mit dem ich die letzten dreimal gewonnen habe, weggegangen, da ich das Gefühl hatte, dass ich ein anderes Set-Up brauche. Das gestrige Board war kürzer und letztlich absolut die richtige Entscheidung. Mit dem anderen wäre ich nicht so schnell gewesen. Es war nämlich sehr hart bis eisig, der kalte Wind hat alles niedergepresst.
Fix ist, dass Sie die PGS-Kugel in der Tasche haben. Es ist Ihre erste Einzelkugel seit 2011. Wird da einem bewusst, dass man nicht mehr der Jüngste ist?
Ich bin mir dessen bewusst, wie alt ich bin, aber gegenüber einem 70-Jährigen finde ich mich ziemlich jung (lacht). Und weil Sie die Kugel angesprochen haben, die Kleine ist mir im Augenblick, um ehrlich zu sein, relativ egal, da ich unbedingt das große Kristall will. Von dem Ziel bringt mich niemand ab.
Was bewirkt in Ihnen eigentlich die Aussage: immer Streben nach mehr?
Ohne dem wäre die Menschheit längst untergegangen. Dieses Streben nach mehr, immer höher, schneller, weiter haben viele in sich. Und diejenigen, die das in sich tragen, bringen die Welt, in welcher Hinsicht auch immer, auf ein anderes Level. Ich bin der Meinung, dass die Kindheit einen so prägt oder man damit geboren wird.
Zum Abschluss geht in Kärnten noch der Mixedteam-Bewerb in Szene, anschließend steht eine dreiwöchige Rennpause bevor, da der Weltcup in Kanada abgesagt wurde. Wie werden Sie die Akkus wieder aufladen?
Ich werde gemeinsam mit Dani Ulbing richtig Gas geben, das wird garantiert cool werden, ich freue mich. Nach dem Rennwochenende werde ich mir zuallererst die Ski anschnallen. Marcel Hirscher hat mir nämlich nagelneue Ski geschickt und die muss ich ausprobieren. Und dann wird wieder trainiert, denn außer Boarden, Lymphdrainagen, essen und schlafen gab es in den letzten drei Wochen nichts. Und die Familie wird sicherlich auch nicht zu kurz kommen. So sehr habe ich mich schon lange nicht mehr auf zu Hause gefreut.




