Alessandro Hämmerle nach schweren Kopfverletzungen: „Extrem belastende Zeit“
Boardercross-Olympiasieger Alessandro Hämmerle (30) zog sich zwei schwere Gehirnerschütterungen zu. Die Nachwirkungen setzten ihm noch Monate danach zu. Karriereende war sogar Thema.

Es war ein Sturz im Jänner, der das Leben von Alessandro „Izzy“ Hämmerle völlig auf den Kopf gestellt hat. Im Training schlug der Vorarlberger eineinhalb Vorwärtssalti, krachte mit dem Kopf auf eine Kante und zog sich eine schwere Gehirnerschütterung zu. Kopf- und Nackenschmerzen, starke Schwindelanfälle und benebelte, schlechte Sicht waren die unangenehme, langwierige Folge.
Wochenlang unterzog sich der Snowboardcross-Olympiasieger diversen Therapieformen, wie Osteopathie, Physio- und Zelltherapie bis hin zum Augentraining. Gedankenspiele sorgten für Kopfkino. Der Vizeweltmeister von 2021 spricht von „einer extrem belastenden Zeit“ und macht kein Geheimnis daraus, dass er sich Sorgen gemacht hat, „ob es überhaupt je wieder weggeht“.
„Es ist nicht greifbar“
Trotz der Strapazen ging er bei der Weltmeisterschaft in die Offensive. Im finalen Lauf wurde er allerdings von einem Konkurrenten auf unrühmliche Art geschnitten und zog sich erneut eine Kopfverletzung zu – WM-Platz vier war da das kleinere Übel. Schlussendlich beendete der dreifache Gesamtweltcupsieger vorzeitig die Saison, da ihm die Begleiterscheinungen permanent zusetzten.
„Wenn du merkst, dass es ständig stagniert, ist es kräftezehrend. Du hast bei Kopfverletzungen keinen Fortschritt auf einem Blatt Papier oder bei Tests. Es ist nicht greifbar, nur ich kann es beschreiben. Ich wollte es zuerst nicht wahrhaben, aber ich habe mit dem Karriereende spekuliert.“

Eine dreiwöchige Auszeit in Costa Rica, Surfsessions inbegriffen, sei Balsam für die Seele gewesen, „bis ich angefangen habe, in den Bäumen nach Faultieren zu suchen. Da kamen plötzlich die Symptome zurück.“ Der 30-Jährige hatte bis zuletzt mit den Nachwirkungen zu kämpfen. Seinem Ehrgeiz war es teilweise geschuldet, dass der Snowboarder beim Krafttraining nicht zurückgesteckt hat, weil er sich körperlich fit fühlte. „Trotzdem war es kontraproduktiv. Mir war schwindlig, aber du willst es halt probieren.“ Er streift das Thema prägende Zeit und meint, „dass man als Mensch gefühlt immer in einer Blase drinnen ist. Man hat ein Ziel und alles andere wird zur Selbstverständlichkeit.“
Er liebt den direkten Kampf Mann gegen Mann
Auf eine Empfehlung hin ist Hämmerle auf einen Spezialisten in Berlin gestoßen, der neue Hoffnung geweckt hat. „Spezifische Tests haben Symptomatiken zum Vorschein gebracht, die nicht normal waren.“ Nach intensiven, täglichen Übungen, die den Kopf beanspruchen, stellte sich sukzessive Besserung ein. „Im Sommer war alles dem Kopf untergeordnet, bis wir das letzte Puzzleteil gefunden hatten. Seit Ende September geht‘s mir gut, aber bei manchen Sachen muss ich noch zurückschrauben.“
Der Paradeathlet aus Bludenz ist der Typ, der nach Effizienz strebt, aber nie das Wesentliche aus den Augen verliert. Er liebt den direkten Kampf Mann gegen Mann und hasst es, wenn der eigene Körper ein Limit gesetzt bekommt.
Wetter könnte zum Spielverderber werden
Kommenden Freitag fällt im französischen Les Deux Alpes mit der Qualifikation der Startschuss in die neue Weltcupsaison. „Dass ich dabei bin, ist schon ein kleiner Sieg. Erwartungsdruck verspüre ich keinen, mal schauen, wie es mit der Risikobereitschaft aussieht“, sagt der 15-fache Weltcupsieger, der mit neuem Material zu seiner alten Form zurückfinden will. Nur das Wetter könnte noch zum Spielverderber werden. Laut Prognosen sind eine ordentliche Portion an Schnee sowie starke Windböen zu erwarten.

