Anna Gasser: „Ich würde mich nie getrauen, daran zu denken“
Nach ihrer Zwangspause hebt Doppel-Olympiasiegerin und Überfliegerin Anna Gasser (32) heute zum Big-Air nach China ab. Der „fourteen-forty“, insgesamt vier Drehungen, wird wohl bei Olympia zum Muss.
Geduld ist immer so eine Sache. Gerade Verletzungen, die Ruhe beanspruchen, werden auch für Superstars zu einer echten Challenge. „Bei einer Fersenprellung bist du gezwungen, ein paar Wochen abzuwarten. Man hofft zwar immer, dass es früher geht, aber es dauert einfach. Ob ich vor ein paar Jahren auch so reagiert hätte, bin ich mir nicht sicher“, verdeutlicht Doppel-Olympiasiegerin Anna Gasser.
Anfang Oktober zog sich die Kärntnerin diese unangenehme Blessur am Fuß zu und musste beim Weltcupauftakt in Chur passen. Seit einer Woche präsentiert sich die Überfliegerin wieder im „Trickmodus“, nur das Wetter hat es der 32-Jährigen nicht allzu leicht gemacht. „Hundert Prozent vorbereitet, wie in den letzten Jahren, bin ich nicht“, gesteht Gasser, die in ihrer Erfolgskarriere gelernt hat, auf ihren Körper zu hören.
Du kannst nicht performen, wenn du weißt, dass die Landung schmerzt.
— Anna Gasser
Monströse Rampe sorgt für Spektakel
Heute hebt der Flieger von München in Richtung China ab. Der Big-Air-Bewerb in Peking (Freitag, Qualifikation) verspricht ein Spektakel. Die monströse Rampe am Gelände eines aufgelassenen Stahlwerks und von Fabrikskühltürmen umgeben, sorgt für Gänsehaut. Und der chinesische Schauplatz ist übrigens jener, an dem sich die Millstätterin 2022 zum zweiten Mal zur Olympiasiegerin gekürt hat. „Die Erinnerungen könnten positiver nicht sein, wobei damals die Coronamaßnahmen extrem streng gewesen sind. Das ist nicht mehr der Fall. Ich bin gespannt, was uns erwartet.“

Aufgrund ihrer mehrwöchigen Verletzungspause kam die Doppel-Weltmeisterin erst wenige Tage in den Genuss der Zusammenarbeit mit dem neuen Headcoach Dusan Kriz. „Ich bin der Typ, der etwas braucht, um jemanden Vertrauen zu schenken. Ich vertrete meine Meinung, bin aber offen für andere Standpunkte. Meistens profitiert man vom Mittelding.“
Die heurige Saison ist prinzipiell für Experimente prädestiniert, da kein Großereignis in Szene geht. „Ich werde mich an neue Tricks wagen“, erklärt die 32-Jährige, die spekuliert, dass der „fourteen-forty“, insgesamt vier Drehungen, „spätestens 2025 bei uns Frauen ein Muss sein wird. Das bedeutet noch eine halbe Drehung mehr. Diesen Schwierigkeitsgrad werden wir 2026 bei Olympia in Cortina/Mailand sicher brauchen.“
Auf die Frage, ob sie bisher den Gedanken an ein drittes Olympisches Gold verschwendet hat, verriet Gasser: „Ich würde mich nie getrauen, daran zu denken. Beim Vordenken steigt nur der Druck.“ Doch etwas garantiert sie: „Wenn die Zeit weiter so vergeht, bin ich dabei.“



