Philipp Eng: "Es wäre undenkbar gewesen, pro Saison 300.000 Euro hinzulegen"
Der Salzburger Philipp Eng (32) feiert sein Comeback in der heurigen DTM-Saison. Mit „Franzl“ will er ganz vorne mitmischen.

Philipp Eng ist der beste Beweis, dass Reichtum keine Grundvoraussetzung sein muss, um als Motorsportler durchzustarten. „Meine Eltern waren normale Angestellte, haben aber immer versucht, mir den Einstieg in den Automobilsport so gut es geht zu finanzieren. Es wäre aber undenkbar gewesen, pro Saison 300.000 Euro hinzulegen. Von dem her habe ich Red Bull meine Karriere zu verdanken, als ich 2004 den Sprung ins RB-Juniorteam geschafft habe“, erklärt der Salzburger, der in der Karthalle Blut geleckt hat. „Ich habe die Kartschule absolviert, bin Renncups gefahren und habe schnell mein eigenes Kart bekommen“, sagt Eng und macht kein Geheimnis daraus, manchmal zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle gewesen zu sein.
Der Traum einer Formel 1-Karriere platzte zwar 2010, stattdessen gab er in diversen Formel-Klassen, Porsche Carrera-Cup, GT Series, ADAC Masters, bei legendären Langstreckenrennen sowie in der DTM Gas. In dieser Serie feiert „Peng“ bei Schubert Motorsport (BMW) mit seinem Boliden „Franzl“ sein Comeback. Allerdings war mitfahren noch nie so sein Ding – eine Kampfansage folgte. „Wenn man in eine Meisterschaft geht, will man sie gewinnen, doch es wird verdammt schwer, weil 29 hochkarätige Fahrer am Start sind. Ich glaube, dass niemand von Sieg zu Sieg fahren wird, da die Erfolgsgewichte dazukommen. Es wird ein Kampf, der viel Konstanz erfordert“, unterstreicht der Walser, der im gestrigen Freien Training von Portimao (Portugal) mit Rang drei ein Ausrufezeichen setzte.
"Ich bin kein so schlechtes Gesamtpaket"
Eng ist jener Typ, der Rennen aufgrund seines Erfahrungsschatzes lesen kann. „Ich weiß, wann ich attackieren muss, zu welchem Zeitpunkt ich mich zurückhalten soll und wie ich mir die Reifen einteile. Mit meinem Grundtalent bin ich kein so schlechtes Gesamtpaket“, meint er und offenbart, dass ihn anfangs sein Aberglaube ausbremste. „Ich hatte zig Rituale, die mich extrem gestresst haben. Inzwischen konnte ich diese Macke ablegen, nur meine Ungeduld konnte ich mir noch nicht abgewöhnen. Unser Leben im Motorsport dreht sich so schnell. Manche Charaktereigenschaften sollte man akzeptieren und versuchen, mit ihnen umzugehen. Ich arbeite aber konstant an dieser Eigenheit.“
Sein Ausdauertraining bevorzugt er in der Natur. Das obligatorische Rumpf- und Nackentraining gehört zur täglichen Routine. Eine essenzielle Rolle spielt demnach auch der Kopf. Deshalb tauscht sich der 32-Jährige regelmäßig mit seiner Mentaltrainerin aus. „Wir haben uns auf gewisse Szenarien vorbereitet.“ Eng verrät, dass er 15 Minuten vor einem Qualifying oder Rennen meditiert. „Ich versuche keine Gedanken im Kopf zu haben und den Fokus aufs Wesentliche zu legen. Das ist ein schmaler Grat, weil man nicht abschweifen darf. Mit bestimmten Übungen klappt es gut. Am Anfang ist es alles andere als einfach und verlangt viel Hirntraining.“
"Es gibt viele Parallelen in Drucksituationen"
Daheim in Mondsee verbringt er an die zwei Stunden täglich am Simulator, für den man in etwa 7000 bis 8000 Euro investieren muss. „Der ist überhaupt nicht mit jenem hochwertigen von BMW zu vergleichen, doch für daheim optimal. Ich nutze ihn, dass ich im Rhythmus bleibe, die Konzentrationsfähigkeit hochhalte, für die Hand-Augen-Koordination und er ist praktisch, wenn ich eine Strecke noch nicht so gut kenne“, präzisiert Eng, der als ServusTV-Experte mit seinem Fachwissen und Know-how brilliert. „Es macht Spaß, gibt viele Parallelen in Drucksituationen und keinen zweiten Anlauf. Das passt genau zu mir, denn in der Schule bin ich immer ganz hinten gesessen und hatte damals schon die Klappe immer am weitesten offen.“