Der König unter den WM-Exoten ist ein österreichischer Hocharistokrat

Manche meinen, Exoten und Skitouristen hätten bei einer Weltmeisterschaft nichts verloren, weil sie die Veranstaltung lächerlich machen und die Leistung der Sportler schmälern würden. Aber ohne Österreicher, könnte man jetzt zynisch sagen, wären die Rennen auch uninteressant. Doch Stopp, erstens ist von den heimischen Blechhamsterern gar nicht die Rede, zweitens geht es mit ihnen wieder bergauf, wobei nicht klar ist, ob das beim Skifahren besonders günstig ist.
Hier sind Leute wie Timur Shakirov, Harutyun Harutyunyan, Carlos Maeder oder Kasete Skeen, den Tomba von Tonga, gemeint, von denen sie vermutlich noch nicht viel gehört haben. Die sind sechzehn oder Mitte vierzig, starten für Skiverbände von Ghana, Kasachstan oder Armenien und kommen mit Startnummern kurz vor der Dreistelligkeit zu einem Zeitpunkt, an dem die Liveübertragung längst in lutziden Möbelhauswerbungen und weichselbraunem Naturburschen-Fake zerbröselt ist. Da finden Rennen im Rennen statt, bei denen es gilt, den Rückstand auf den Führenden unter einer Ewigkeit zu halten.
Der König unter diesen Exoten ist ein österreichischer Hocharistokrat, der in der Steiermark aufgewachsen ist, in Spanien und Liechtenstein lebt, aber für Mexiko an den Start geht. Hubertus Rudolph Prinz zu Hohenlohe ist mit seinen 64 Lenzen wohl der älteste an einer WM, es ist bereits seine zwanzigste, teilnehmende Skirennfahrer. Im Riesentorlauf fuhr er in einer eigenen Liga, in der touristischen. Nach neunzehn Sekunden kurvte er zu Beginn des Steilhangs recht unmotiviert an einem Tor vorbei und schwang lustlos ab. Bis dahin hatte die Fahrt nicht viel Jalapenos im Gesäß, eher hätte man an einen fußmaroden Malediver denken können, der zum ersten Mal auf Skiern steht.
Aber dieser Eindruck täuscht. Auch wenn der blaublütige Hubsi selbst in seiner besten Zeit zu Beginn der 80er Jahre den Besten um zehn Sekunden hinterhergefahren ist, kann er Skifahren, besser als 99,99 Prozent aller Österreicher. Sein nudeliges Herumgekurve zeigt nur, wie schwer der Hang ist und welch gewaltiges Können die Marcos in das Eis setzen. Dafür trug Señor Skisenior den schönsten Rennanzug, keinen Hubertusmantel, sondern ein pointiertes Gewebe mit indigenem Jaguarmotiv. Ob sein Einsatz den Skisport in Mexiko populär macht, sei dahingestellt. Soweit ich weiß, hat man dort die Nasen ziemlich voll von Schnee, gibt es im ganzen Land nur einen Skilift, und der ermöglicht bloß das Runterrutschen einer 300 Meter langen Trockenpiste.
Manche meinen, diese Adabeis sind dieselben Selbstdarsteller wie die Gesichtsduscher auf dem roten Opernballteppich und so nötig wie ein Kropf. Dabei ist es gerade dieses Hubsi-Volk der Freaks und bunten Hunde, das erfrischt und Spaß macht. Viva Mexiko!
Franzobel, 1967 geboren, ist Schriftsteller und Sportfan.




