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Was die neuen Antikörper-Therapien dem Menschen bringen

Die Impfung gegen Covid-19 hat große soziale Spannungen ausgelöst. Darüber haben viele das Positive aus dem Blick verloren, nämlich dass uns heute für eine Reihe schwerer Erkrankungen neue Therapien zur Verfügung stehen. Das Anwendungsfeld für Immuntherapien wird größer und größer.

Immuntherapien (ein Teilbereich sind Antikörpertherapien) nützen das körpereigene Immunsystem, um Krankheiten, etwa Krebszellen, zu besiegen
© (c) bankrx -
Immuntherapien (ein Teilbereich sind Antikörpertherapien) nützen das körpereigene Immunsystem, um Krankheiten, etwa Krebszellen, zu besiegen
Neben der Impfung sind heute auch andere medizinische Therapien, darunter die Antikörper-Gabe,  etablierte Maßnahmen bei Sars-CoV-2
© Kateryna_Kon
Neben der Impfung sind heute auch andere medizinische Therapien, darunter die Antikörper-Gabe, etablierte Maßnahmen bei Sars-CoV-2
Barbara Haas im Gespräch mit Dr. Otfried Kistner. Nachzuhören im "Ist das gesund?"-Podcast der Kleinen Zeitung
© Georg Aufreiter
Barbara Haas im Gespräch mit Dr. Otfried Kistner. Nachzuhören im "Ist das gesund?"-Podcast der Kleinen Zeitung

Zum Podcast

Medizinische Forschung hat viele Jahrzehnte lang fern der Öffentlichkeit stattgefunden. Plötzlich ganz anders wurde das mit dem Auftauchen des Coronavirus Sars-CoV-2. Es hat eine nie da gewesene Nähe zwischen Forschung und "Patienten" zur Folge gehabt. 

Mehr Einblick hat aber nicht immer zu mehr Durchblick geführt. Eine teilweise missglückte öffentliche Kommunikation hat z. B. die mRNA-Technologie, eine ausgereifte medizinische Entwicklung, die rasch einsatzbereit war, in ein völlig falsches Licht gerückt. Neben der Freude vieler über den rasch verfügbaren Impfstoff war auch die Impf-Skepsis groß.Neu war Impf-Skepsis nicht. "Sie ist nicht mit Covid vom Himmel gefallen. Vielmehr war sie dem Thema Impfungen von Anfang an eingewoben", weiß Dr. Otfried Kistner, ein unabhängiger Impfstoffexperte. Im Podcast-Gespräch mit Barbara Haas geht es um die Geschichte der Impf-Skepsis, aber auch um das breite Anwendungsfeld für moderne Immuntherapien – nicht nur in Hinblick auf Covid-19.  Zum Nachhören: Barbara Haas im Gespräch mit dem Impfstoffexperten Dr. Otfried Kistner 

"Impfung und Immuntherapie sind wie Sicherheitsgurt und Airbag"  

Heute stehen neben der Impfung auch weitere medizinische Behandlungsoptionen für an Covid-19 erkrankte Menschen zur Verfügung. Darunter die sogenannte Immun- oder auch Antikörpertherapie. 

Der Hintergrund der Antikörper-Therapie, die Dr. Kistner mit einem "Airbag" vergleicht, während die Impfung einen "Sicherheitsgurt" darstelle: Wie bei jeder viralen Infektion kämpft das Immunsystem auch bei einer Infektion mit dem Coronavirus mithilfe von Antikörpern.

Die Immuntherapie setzt Antikörper höchst zielgerichtet ein  – etwa bei Infektionen, Autoimmunerkrankung wie Rheuma, Psoriasis, Morbus Crohn, aber auch in der Onkologie
© romaset
Die Immuntherapie setzt Antikörper höchst zielgerichtet ein – etwa bei Infektionen, Autoimmunerkrankung wie Rheuma, Psoriasis, Morbus Crohn, aber auch in der Onkologie

Das Immunsystem braucht aber seine Zeit (bis zu zwei Wochen), um die Antikörper zu produzieren. In dieser Zeit können Patienten von der therapeutischen Gabe von Antikörpern profitieren.

So funktioniert eine Immuntherapie 

Immunonkologie: Mit dem Immunsystem den Krebs bekämpfen
© DC Studio
Immunonkologie: Mit dem Immunsystem den Krebs bekämpfen

Zur Definition

Wie eine Immuntherapie wirkt, erklärt Dr. Kistner so: "Das ist ein ganz biologisches Prinzip. Dabei setze ich aktiv eine bestimmte Gruppe an Antikörpern ein. Diese sehen genauso aus wie das, was im Körper ohnehin millionenfach herumschwirrt".

Das Prinzip, das den modernen Immuntherapien zugrunde liegt, ist ebenfalls schon sehr lange bekannt. "Erfunden" hat es die Natur selbst. Von dort hätten es sich Ärzte und Forscher bereits in früheren Jahrhunderten "durch genaue Beobachtung" abgeschaut. "Wenn die Mutter über die Muttermilch dem Baby Antikörper überträgt, dann ist das eine natürliche Form der Immuntherapie."Schon 1890 haben Robert Koch und Paul Ehrlich nach dem Prinzip der Übertragung von Antikörpern Menschen gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) und Diphterie immunisiert. Verwendet wurde ein Pferdeserum. Dieses habe vor allem im ersten Weltkrieg gut geschützt.

Der Nachteil war, dass man Antikörper von einem Tier verabreicht hat, was nicht immer verträglich war. Seit damals habe sich im Bereich der Immuntherapien enorm viel getan. 1975 wurde für die Entdeckung der "monoklonalen" Antikörper der Nobelpreis vergeben."monoklonal" bedeutet: (von Zellen) nur einen Klon enthaltend. "Monoklonale Antikörper": Immunglobuline, die aus einem einzigen Zellklon gebildet und zur Diagnose und Therapie verschiedener Krankheiten verwendet werden.

Immuntherapien sind der größte medizinische Fortschritt der letzten Jahre

Antikörper lassen sich ganz gezielt einsetzen und sind besser verträglich als frühere Therapieoptionen. Eine Kombination aus monoklonaler und Wirkstofftherapie etwa "schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe". Anders als etwa die Chemotherapie wirken sie gezielt und nur dort, wo sich Tumorzellen befinden. 

"Man kann diese neuen Therapien nicht nur gegen Covid, sondern auch bei vielen anderen Erkrankungen wie bestimmten Krebsformen, Multipler Sklerose, Asthma, Rheuma oder Morbus Crohn einsetzen", erzählt Dr. Kistner. Hunderte monoklonale Antikörpertherapien sind bereits zugelassen. Viele weitere sind in der Phase III der klinischen Studien.  

Auch die Multiple Sklerose ist ein Feld, in dem Immuntherapien zur Anwendung kommen
© sewcream
Auch die Multiple Sklerose ist ein Feld, in dem Immuntherapien zur Anwendung kommen

Passive Immunisierung mit Antikörpern kann auch als Prophylaxe (z. B. gegen Covid) eingesetzt werden. Es stehen somit auch vorbeugende Präparate für die sogenannte Präexpositionsprophylaxe zur Verfügung.  Entstanden in Kooperation mit AstraZeneca Österreich
                                         At-7810, November 2022.