DTM-Boss Gerhard Berger: "Da oder dort gibt es einen Querschuss"
DTM-Boss Gerhard Berger über die Attraktivität "seiner" Serie, Kritik, Emotionen und Herausforderungen. "Es ist so wichtig, dass der Sport den Emotionen freien Lauf lässt. Die Fans lieben genau das."

Die DTM in Spielberg steht in den Startlöchern. Wie hoch ist der Puls?
GERHARD BERGER: Es geht gar nicht so auf den Puls, es ist eher echte Knochenarbeit.
Jedes Rennen gleicht heuer einem Spektakel. Die Dichte ist enorm. Was macht die DTM-Serie so attraktiv?
Es liegt daran, dass wir eine sehr gute Markenvielfalt zusammengebracht haben. Wir haben sechs verschiedene Hersteller mit den besten Teams und Fahrern. Die Fahrzeuge sind ziemlich ausgeglichen. Wir haben in zwölf Rennen zehn verschiedene Sieger gesehen, die Meisterschaft ist komplett offen. Es geht richtig zu – und es wird mit Ellbogen gekämpft.
Da Sie den Kampf ansprechen: Die Fahrer schenken sich auf der Strecke absolut nichts, aber auch verbal geht es heuer ordentlich zur Sache. Wie wichtig sind solche Emotionen? Oder können solche erhitzte Gemüter in die falsche Richtung ausschlagen?
Das denke ich eigentlich nicht. Es ist so wichtig, dass der Sport den Emotionen freien Lauf lässt. Die Fans lieben genau das. So können sie eben die Fahrer besser einschätzen. Wenn sie vorher alle abgefangen und ihnen alles in den Mund gelegt werden würde, was sie sagen dürfen und was nicht, dann lernt man nicht den richtigen Menschen kennen. Für unsere Serie finde ich es super.
Aber es gibt auch Grenzen, wie weit Härte gehen darf?
Absolut! Dafür gibt es Sportkommissare, die das sportliche Verhalten beurteilen. Wenn unfaire Geschichten auftauchen, werden diesbezüglich Strafen ausgesprochen. Natürlich kommen Tausende Diskussionen auf, weil sich nicht jeder gerecht behandelt fühlt. Letztlich liegt es in den Händen der professionellen Kommissare.
Kritik wurde bezüglich unterschiedlicher Strafausmaße laut. Lässt Sie diese kalt?
Grundsätzlich sehe ich mir jede Kritik genau an, weil sie auch zurecht da ist, aber häufig überwiegt die Enttäuschung, wenn die Performance nicht gestimmt hat. Wenn Fahrer sportlich nicht dort sind, wo sie gerne wären, gibt es da oder dort mal einen Querschuss. Im Grunde sind es Kleinigkeiten am Rande.
Wer hat Sie heuer überrascht? Und von wem hätten Sie sich mehr erwartet?
Das könnte ich jetzt gar nicht so sagen. Was jedoch in unserer Serie so genial ist, ist diese Mischung aus ehemaligen Formel-1-Piloten mit Erfahrung an der absoluten Spitze, langjährigen GT-Fahrern und den Youngsters, die das erste Mal einsteigen. Da ist es überraschend, wie sich die Jungen durchsetzen und die ‘Alten’ richtig fordern.
Was war für Sie heuer die größte Herausforderung, die Sie an Ihre Grenzen gebracht hat?
An die gelange ich täglich (lacht). Egal ob im Sport oder auf der kommerziellen Seite. Man muss ständig aufs Neue die Limits ausloten. Es ist manchmal ein bisschen mühsam, da sehnt man sich nach einer etwas ruhigeren Zeit im Winter. Aber auf der anderen Seite sucht man ja immer nach Herausforderungen im Leben.
Sie wirken aber immer so, als könnte Sie rein gar nichts aus der Ruhe bringen.
Das sieht nur nach außen so aus. Innerlich ist das etwas anders, aber das passt schon.
Somit noch ein Ausblick in den Kalender 2023. Wie stehen die Chancen, dass der Salzburgring kommende Saison dazustößt?
Es sieht nicht schlecht aus, wobei es noch nicht festgelegt wurde. Wir haben kommendes Wochenende ein Meeting, bei dem wir uns den endgültigen Kalender ansehen und auch festlegen werden.
Worauf dürfen sich die DTM-Fans in Spielberg freuen?
Wie es derzeit aussieht, sollte das Wetter mitspielen. Zudem ist es ein toller Motorsportabschluss, nachdem die Formel 1, MotoGP und weitere Events in diesem Jahr da waren. Das Coole ist bei uns, dass die Fans im Fahrerlager vorbeischauen können, hautnah dabei sind. Das ist bei Formel 1 und MotoGP schwieriger, die haben eine andere Kultur. Wir sind sehr familien- und fanfreundlich. Das Sahnehäubchen ist, dass die Meisterschaft offen ist und mehrere Fahrer ganz vorne landen können. Da spitzt es sich zu. Es wird harte Fights geben, was den Fans taugt. Abgesehen davon finden die DTM Trophy, wo sich die Jungen präsentieren können, und die DTM Classic, die beliebt ist, statt. Es ist ein lässiges Rahmenprogramm.
Lucas Auer will den Führenden Sheldon van der Linde angreifen. Wie schätzen Sie die Titel-Chancen ihres Neffen ein?
Es kommt oft anders, als man denkt. Van der Linde hat ein Polster, daher kann er anders an die Sache herangehen. Aber es darf ihm kein Fehler oder Ausfall dazwischenkommen. Dahinter lauern vier Fahrer, die knapp beisammen sind. Lucas ist lieber in der Rolle des Jägers. Er wird wieder Spaß haben, aber es ist auch klar, dass jetzt jeder versucht, den Druck etwas wegzuschieben.
Das Programm
Freitag/Training:
8.50/16.05/18.20 Uhr: BMW M2 Cup
9.50/14.10 Uhr: DTM Trophy
11.15/15.05 Uhr: DTM
10.40/16.55 Uhr: DTM Electric
Samstag:
10.00 Uhr: Qualifying DTM
10.45 Uhr: BMW M2 Cup, Rennen 1
13.30 Uhr: DTM, Rennen 1
15.18 Uhr: DTM Trophy, Rennen 1
16.20 Uhr: DTM Classic, Rennen 1
Sonntag:
10.00 Uhr: Qualifying DTM
10.45 Uhr: BMW M2 Cup, Rennen 2
15.18 Uhr: DTM Trophy, Rennen 2
16.20 Uhr: DTM Classic, Rennen 2
13.30 Uhr: DTM, Rennen 2



