Thomas Preining: Seine Karriere hing am seidenen Faden
Der Linzer Thomas Preining feierte in der DTM heuer seinen Premierensieg – und den ersten für Porsche der Geschichte. Der 24-Jährige kennt aber nicht nur die Sonnenseite des Business.

"Wenn man es mit Perfektionismus übertreibt, verbrennt man sich schnell“, sagt DTM-Pilot Thomas Preining. Er spricht aus Erfahrung, ist sich um die Bedeutung dieser Eigenschaft im Motorsport aber im Klaren: „Jeder strebt nach mehr, will das Beste herausholen. Aber eine gewisse Schwelle darf man nicht überschreiten. Man hat nicht auf alles sofort eine Antwort. Es heißt, die perfekte Balance zu finden.“
Wie etwa am Norisring, als der Linzer mit seinem sensationellen DTM-Premierensieg Motorsportgeschichte für Porsche schrieb. „Es war verrückt, weil man nach dem holprigen Saisonstart nicht mit uns gerechnet hat. In der letzten halben Stunde dachte ich nur: Bitte, versau’ das nicht.“ Alles, was nach diesem Triumph auf ihn eingeprasselt ist, beschreibt er „als Kulturschock. Die Resonanz war brutal. Jetzt könnte ich mich dran gewöhnen.“
Seine Affinität zum Motorsport wurde ihm in die Wiege gelegt. Sein Vater, Andreas Preining, war erfolgreicher Motorradrennfahrer in den
80er- und 90ern.
"Ohne Plan B wäre es schwierig"
Im Spanien-Urlaub stürmte er als Neunjähriger die Kinder-Kartbahn. „Dann war’s um mich geschehen“, grinst Preining. Er brennt für den Motorsport, die Schule „lag mir nicht so am Herzen. Wobei ich froh bin, dass meine Eltern hartnäckig geblieben sind. Es gibt einen Punkt, da entscheidet sich, ob du Profi wirst und davon leben kannst oder nicht. Ohne Plan B wäre es schwierig. Das hat mir die Sicherheit gegeben, alles in den Motorsport stecken zu können“, verdeutlicht Preining, der 2015 in die Formel 4 aufgestiegen ist. „Nach nur zwei Rennen ist mein Sponsor in Konkurs gegangen. Da dachte ich, dass sich meine Karriere erledigt hat.“
Er verlor den Glauben an sich aber nicht, blieb weiter dran. Die richtige Entscheidung, wie sich herausgestellt hat. „Ohne Familie Lechner wäre ich nicht da, wo ich bin. Mit ihnen bin ich 2016 erfolgreich die F4 gefahren, bevor ich ein Porsche-Junior wurde.“
Einstieg in die DTM gleicht einem "kleinen Durchbruch"
Porsche bot ein Ausbildungsprogramm, in dem sich Youngsters profilieren sollen. „Dort muss man sich gegen Kaliber aus der Formel 2 und 3 sowie aus dem GT-Sport durchsetzen. Für mich war das unrealistisch, da alles gegen mich gesprochen hat und ich mit Abstand der Jüngste war.“ Seine Befürchtungen bewahrheiteten sich aber nicht, Preining überzeugte in jeglicher Hinsicht. Zuerst im Porsche-Junior-Cup, ehe er sich 2018 den Titel im Carrera Cup schnappte, der dem Sonnyboy den Sprung in den Profisport ebnete. Der Einstieg in die DTM gleicht einem „kleinen Durchbruch. Es ist nicht selbstverständlich, in so einer renommierten Serie fahren zu dürfen.“
Auf die Frage, was den „perfekten“ DTM-Piloten auszeichnet, legt er sich auf eine „gesunde Kombination aus Risikobereitschaft, Ruhe und Hirn“ fest. Seine größte Stärke sei „der reine Speed“, sagt er und macht kein Geheimnis daraus, „dass ich einige Fahrer als kompletter einschätze als mich. Sie haben andere Qualitäten, an denen ich noch feilen muss.“
Sportlich ist er der akribische Perfektionist, der einen fixen Tagesablauf bevorzugt, privat setzt er auf Lockerheit. „Man muss abschätzen, wann was nötig ist.“ In puncto Ordnung sei er Durchschnitt: „Wenn es um Kleidung geht, muss alles wie beim Militär Kante auf Kante liegen. Eine Eigenart von Rennfahrern“, verrät Preining, der mit seiner Freundin im polnischen Krakau lebt.
"Mit Erfolgen ändern sich auch die Ansprüche"
Der Traum von der Formel 1 war in seiner Kindheit existent, „doch man weiß, wie schwierig es ist, überhaupt nur in die Nähe von ihr zu kommen. Es muss alles passen und trotzdem ist für die meisten in der Formel 2 Endstation. Man darf nicht vergessen, wie viele es probieren und wie wenige den Schritt zum Profi schaffen. Aber mit Erfolgen ändern sich auch die Ansprüche. Ich werde hungrig bleiben.“
Die Ambitionen vor dem Heimspiel in Spielberg sind hoch. Nach seinem Debütsieg sowie zwei dritten Plätzen in Spa will der Meisterschafts-Siebente am Red Bull Ring angreifen: „Meine Lieblingsstrecke. Dem Porsche taugt’s zwar eher winklig und eng, aber ich weiß aus der Vergangenheit, wie man hier gewinnt.“ Ein spezieller Helm für Spielberg soll ihm da den Extrapush verleihen...
DTM in Spielberg
Was? DTM
Wo? In Spielberg am Red Bull Ring.
Wann? Von 23. bis 25. September.
Programm? Am 23. September freie Trainings. Am 24. und 25. September jeweils Qualifying (10 bis 10.20 Uhr) und Rennen (13.30 bis 14.30 Uhr).
Meisterschaft: 1. Sheldon van der Linde (RSA) BMW 130 Pkt.; 2. Lucas Auer (AUT) Mercedes 98; 3. Rene Rast (GER) Audi 96; 4. Mirko Bortolotti (ITA) Lamborghini 94


