Olga Mikutina über Kamila Walijewa: "Will ich mir gar nicht vorstellen"
Olga Mikutina holte mitten in einem dramatischen Eiskunstlauf-Bewerb den 14. Platz bei den Olympischen Winterspielen. Bei den Damen bricht ein neues Zeitalter an.

Bei der Eiskunstlauf-WM in Stockholm egalisierte Olga Mikutina im vergangenen Jahr mit einem sensationellen achten Platz Österreichs bestes Ergebnis seit 24 Jahren, das Julia Lautowa einst in Lausanne geholt hatte. Nun kopierte sie auch bei den Olympischen Winterspielen in Peking Lautowas 14. Platz von Nagano 1998 und sorgte damit erneut für einen Höhepunkt in Österreichs jüngerer Eiskunstlauf-Geschichte.
An die 198,77 Punkte aus Schweden kam die gebürtige Ukrainerin diesmal nicht heran, mit einer guten Kür konnte sie im Vergleich zum Kurzprogramm aber noch vier Plätze gutmachen und stellte mit 182,20 Gesamtpunkten eine persönliche Saisonbestleistung auf. "Ich bin zufrieden", sagt Mikutina, die nach einer Knieverletzung immer besser in Schwung kommt. "Der Start in die Saison war schwierig, da ich erst später anfangen konnte, voll zu trainieren. Jetzt habe ich mich aber super gefühlt, auch wenn meine Programme nicht fehlerfrei waren."
Einige unterrotierte Sprünge haben eine noch bessere Bewertung verhindert. "Im Training war alles super, aber der Wettkampf ist halt doch noch einmal etwas anderes", sagt die 18-Jährige. "Auch bei einigen Pirouetten hatte ich Fehler drin, das passiert mir normal nicht."
Die Zukunft ist jetzt
Den Sieg sicherte sich die 17-jährige Russin Anna Schtscherbakowa vor ihrer gleichaltrigen Landsfrau Alexandra Trussowa. Mit mehreren Vierfachsprüngen waren beide in einer eigenen Liga unterwegs, bekamen für ihre technischen Elemente mit Ausnahme von Olympiasieger Nathan Chen mehr Punkte als fast alle Männer. Selbst Kamila Walijewa bekam für ihre anspruchsvolle Kür die fünftbeste Bewertung, und das, obwohl sie mehrfach gestürzt war. Die neue Zukunft ist jetzt.
"Vielleicht müssen bei den Spielen in vier Jahren alle Athletinnen vierfache Sprünge zeigen", meint Mikutina, die laut eigenen Aussagen auch daran arbeitet. "Noch ist es möglich, mitzuhalten." Aber nur hinsichtlich der Platzierung. Die Bronzemedaille ging an die Japanerin Kaori Sakamoto, die mit über 20 Punkten Rückstand auf Schtscherbakowa und Trussova allein in der Kür aber letztlich chancenlos auf den Sieg war. Für Sakamoto wären vierfache Sprünge wohl auch aufgrund der anatomischen Voraussetzungen schlicht unmöglich. Eteri Tutberidse, die umstrittene Trainerin der oben genannten Russinnen, sagt nicht umsonst, Eiskunstläuferinnen sollen klein gewachsen, mager und sehr gelenkig sein. Auf Mikutina immerhin träfe dies zu.
Zur Doping-Causa rund um die erst 15-jährige Walijewa möchte sich Mikutina nicht äußern. Mit dem Druck, unter dem Walijewa letztlich brach, auf das Eis zu gehen? "Das will ich mir gar nicht vorstellen." Um minderjährige Athletinnen künftig besser vor solch dramatischen Ereignissen zu schützen, fordern Experten eine Erhöhung der Altersgrenze auf 17 Jahre. "Es gibt zwei Seiten der Medaille", meint Mikutina dazu. "Zum einen sind jüngere Athletinnen noch stärker und können schwierigere Programme zeigen, wie man sieht. Zum anderen ist es für jüngere nicht so einfach, dem Druck standzuhalten. Außerdem wäre eine Erhöhung insofern gut, dass Athletinnen auch mit 22 Jahren noch ebenbürtig laufen können und nicht mit 18 ihre Karriere beenden müssen."
Mikutina, selbst 18 Jahre alt, hat aber noch einiges vor. Im März wartet die WM in Montpellier. Die Olympischen Spiele werden auch da noch nachwirken. "Es war ein Erlebnis voller Emotionen, das ich mir mein ganzes Leben lang merken werde. Ich bin begeistert, dass ich auf olympischem Eis laufen durfte", sagte Mikutina, die ihre Pin-Sammlung mittlerweile auf 30 hochschrauben konnte. "Mir fehlen noch ein paar exotische Länder, Indien, Neuseeland und Australien hätte ich noch gerne."