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"Ich brauche die schwersten Tricks, um bestehen zu können"

Big-Air-Olympiasiegerin Anna Gasser (29) geht bei der Snowboard-Weltmeisterschaft der Freestyler in Aspen auf Medaillenjagd. Heute findet die Qualifikation statt.

Anna Gasser, ein Mädchen von nebenan
© Millauer
Anna Gasser, ein Mädchen von nebenan
Denise Maryodnig
Redakteurin Sport

Anna Gasser wäre nicht Anna Gasser, wenn sie nicht bereits vor ihrem Saisonhöhepunkt, der Weltmeisterschaft in Aspen, mit ihren Tricks Eindruck schinden würde. So geschehen beim „Spring Battle“ im Absolut-Park in Flachau. Die Millstätterin räumte dabei in allen drei Disziplinen ab. „Man hatte quasi eine bestimmte Zeit zum Filmen und hat danach das ungeschnittene Filmmaterial auf Instagram gepostet. Das Event fand digital global statt. Das heißt, dass ausgewählte Sportler an beliebigen Orten weltweit filmen konnten. Das war richtig cool“, sagt die 29-Jährige, die den „Front 10“ raffiniert in den Schnee zauberte.

Dabei zählt dieser Trick eigentlich eher zur Kategorie „Stiefkind“. „Bei dem habe ich mich schon einmal verletzt, deshalb war ich echt erleichtert, dass es so gut geklappt hat. Den ,Triple‘ habe ich auch versucht, doch den bin ich leider nicht gestanden. Trotzdem hat mir dieses Spektakel total getaugt. Ich war richtig gut drauf.“

Bei ihren letzten Trainingseinheiten am Airbag in der Steiermark lag der Fokus darauf, die Technik für die Sprünge optimal zu beherrschen.

Wenn die Technik stimmt und das Gefühl passt, kommen die schwierigen Sprünge fast von selbst. Ich habe in jedem Fall Selbstvertrauen getankt, was nötig ist.

— Anna Gasser

Die heurige Weltcupsaison begann für die Kärntnerin am Kreischberg Anfang Jänner mit Verspätung. Die wettkampflose Zeit beschreibt sie „als komisch, denn ich war es gewöhnt, ständig unterwegs zu sein – bis zu acht Monate im Jahr. Erstmals saß ich mehr als sieben Monate in keinem Flieger. Man kann sich nicht vorstellen, wie sehr ich die Zeit genossen habe, diese Pause von den Reisen und vom Stress. Und ich bin mir sicher, dass ich in diesen Phasen des Lockdowns ideenreicher geworden bin.“ Als nicht ganz so gelungen bezeichnet sie allerdings ihre bisherigen Resultate. „Aber ich bin ein Mensch, der solche Dinge schnell wegstecken kann. Das bringt mit den Jahren garantiert die Erfahrung mit.“ Das ein oder andere Wehwehchen und zu wenig Speed machten dabei den kleinen, aber feinen Unterschied aus. „Ich bin ehrgeizig und zielstrebig und schaue immer nach vorne, doch es zipft mich schon etwas an, wenn mir immer eine Kleinigkeit wehtut. Ich versuche dann Lösungen zu finden. Meistens klappt das auch.“

"Die Dichte ist enorm hoch"

Heute sind bei der Weltmeisterschaft in Aspen Impulse gefragt. Vor der Qualifikation für den Slopestyle-Bewerb in Colorado hat das Leichtgewicht unter den Damen – sie bringt nur 54 Kilogramm auf die Waage – etwas mehr Muffensausen als vor dem Finale an sich. „Fünf bis acht Athletinnen haben wirklich die Chance zu gewinnen. Die Dichte ist enorm hoch. Aber ich bin gut drauf und gerüstet. Klar bin ich nervös, aber eine gewisse Anspannung brauche ich auch.“ Bei ihren letzten Weltmeisterschaften gewann die Wintersportlerin Silber im Slopestyle 2015 am Kreischberg sowie Gold im Big Air 2017 in der Sierra Nevada. „Ich habe in den letzten Wochen alles versucht, was möglich war, alles investiert.

Das Wichtigste ist immer, dass ich mich sicher fühle. Das brauche ich für den Kopf.

— Anna Gasser

Mit Tatendrang hat die Big-Air-Olympiasiegerin von 2018 zuletzt am „Frontside Double Cork 1080“ gefeilt, der ihr in den USA eventuell einen Vorteil verschaffen könnte. „Ich habe diesen Trick jahrelang immer wieder probiert, doch das hat meistens mit einem Crash geendet. Jetzt habe ich mit diesem Sprung Frieden geschlossen. Ich brauche schwere Tricks, um hier bestehen zu können.

"Ich werde daheim verwöhnt"

Vom Motto „Weniger ist mehr“ hält die Perfektionistin ganz und gar nichts. „Ich habe meine Pläne und davon lasse ich mich ungern abbringen“, erklärt die Naschkatze, die sehr viel Wert auf Bodenständigkeit, Toleranz und Fairness legt. Und wann immer es ihr Kalender zulässt, genießt sie ihre Freizeit am Millstättersee mit ihrer Familie und Freund Clemens Millauer. „Ich werde verwöhnt und kann so wirklich Stress abbauen. Ich bin auch ein naturverbundener Mensch. Corona, so komisch es klingt, hat mich dazu gebracht, dass ich zu meinen Wurzeln zurückgefunden habe. Ein schönes Gefühl.

Snowboard/Freestyle

Was? Weltmeisterschaft Slopestyle, Halfpipe und Big Air.
Wo? Aspen (USA).
Wann? Heute bis Dienstag.
Programm der Österreicher:
Heute (17.40 Uhr MEZ): Slopestyle-Quali Damen; heute (21 Uhr MEZ): Quali Herren.
Freitag (17.30 Uhr MEZ): Slopestyle-Finale der Top-8-Damen und der Top-10-Herren.
Sonntag (17.55 Uhr MEZ): Big-Air-Quali Damen (20.10 Uhr MEZ): Big-Air-Quali Herren.
Dienstag (21.30 Uhr MEZ):  Big-Air-Finale der Top-8-Damen und der Top-10-Herren.
ÖSV-Aufgebot: Anna Gasser, Moritz Amsüss und Clemens Millauer.

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