Andreas Gabalier beglückte Fans mit Ostermontagskonzert
Mit ein paar technischen Schwierigkeiten sendete Andreas Gabalier am Montag aus einem zugigen alten Stallgebäude. Aus der zunächst geplanten halben Stunde wurde eine ganze Stunde, gespickt mit vielen Überraschungen - und so nervös und nachdenklich, wie man den Superstar der Volksmusik kaum je gesehen hat.

Andreas Gabalier ist immer wieder für Überraschungen gut - und so veröffentlichte er nicht nur Anfang April eine neue Single, in der er die Herausforderungen der Corona-Zeit verarbeitet, sondern kündigte auch ein Solokonzert an, das er über seine Facebook-Seite übertragen wollte.
Am Ostermontag war es schließlich so weit, Gabalier streamte - mit rund einer halben Stunde internetproblembedingter Verzögerung - "aus dem abgeschotteten leerstehenden Bauernhof-Gemäuer aus der Jahrhundertwende, wo ich schon mein Video hab drehen dürfen". Ganz allein, wie er schon seit frühen Volksmusik-Zeiten nicht mehr aufgetreten ist, bestritt er die Premiere seiner Volks-Rock'n'Roll-One Man Show auf der Gitarre und am E-Piano. Unterstützt hat ihn dabei sein Stamm-Tontechniker ("mit sieben Metern Abstand").
Gabalier startete mit einem Medley aus fremden Lieblingsliedern - Johnny Cashs "I got stripes", "Saturday Night at the Movies" von den Drifters, "From Me To You" von den Beatles - bis es mit eigenen Hits, angefangen von "Verdammt lang her", weiterging. Und er ein kleines Geheimnis verriet - er war nämlich auch nervös wie schon lange nicht mehr: "Ich bin in den größten Fußballstadien aufgetreten, aber das war nicht einmal ansatzweise so viel Nervenkitzel wie bei dieser Facebook-Live-Schaltung. Das freut mich, weil das ist ein Punkt, der mich wieder zurück auf den Boden holt - ein Stückerl Normalität, mit ein paar kleinen Missgeschicken." Gabalier weiter: "Jetzt sitz ich da, hochrot wahrscheinlich, und das freut mich - ihr sitzts wahrscheinlich in der Pyjamahose daheim."
Zwischen viel Gitarrestimmen ("Dafür hab ich sonst einen eigenen Gitarrenstimmer") wollte Gabalier auch die Geschichte erzählen, wie er zur Musik gekommen ist - mit Andekdoten vom Klavier lernen müssen oder aus der Schule, und mit einigen Coverversionen. Da wäre "eine Band, die mich von Jugendjahren geprägt hat": STS nämlich, hier spielte er quasi ein Cover-Cover, "Gö, du bleibst heut Nacht bei mir" (vulgo "Help me make it through the Night" von Kris Kristofferson), gefolgt von "Father and son" von Cat Stevens (mit dem er mit 14 Jahren am Schulsommerfest auftrat).
Nicht fehlen durfte die brandneue Single, die daheim am Klavier entstanden ist: "Neuer Wind" - das Video hat binnen einer Woche übrigens schon rund eine Million Aufrufe erreicht. "Ich hab versucht, auch die positiven Seiten zu beschreiben, die diese Zeit bei aller Dramatik mit sich bringt", spricht ein grüblerischer Gabalier über "Bedenkliche Zeiten, aber vielleicht auch positive Zeiten - vielleicht hat es diese kleine Notbremse gebraucht, um wieder ein bisserl zurück zum Ursprung zu finden." Als Abschluss gab es "Sag zum Abschied leise Servus" (Peter Alexander) und ein paar nachdenkliche Wünsche: "dass man sich zurück besinnt. Vielleicht haben wir diesen Lebenswandel viel zu weit getrieben in den letzten Jahren und vor allem Jahrzehnten, irgendwann reicht's vielleicht, irgendwann gibt dieser Planet nicht mehr her. Irgendwann ist die Kugel rund". Und weiter: "Vielleicht finden wir zurück zum Menschsein, zu dem was uns ausmacht, was wir sind."
Zum Ende wurde er sogar religiös und mutmaßte, die Krise könnte auch "eine kleine Ermahnung von oben" sein. Dazu der Schlusssong: "He's Got The Whole World In His Hands".
