Kraftwerk & Speicherkanal

Warum an der Mur noch mehr Bäume fallen

Für das Wasserkraftwerk wurden alle Bäume gefällt. Aber für den Speicherkanal werden noch über 800 Bäume gerodet, sogar bei der Murpromenade im Zentrum.

Rodungen an der Mur polarisieren die Grazer
Rodungen polarisieren die Grazer © APA/INGRID KONRBERGER
 

Wofür kämpfen Sie eigentlich noch?“, wurden die Kraftwerksgegner rund um „Rettet die Mur“ in der vergangenen Woche vielfach gefragt. Die Bäume seien ja weg, die Fakten damit geschaffen, die Sache also erledigt. Und tatsächlich sagt Urs Harnik-Lauris von der Energie Steiermark: „Die Rodungsarbeiten für das Wasserkraftwerk sind abgeschlossen.“

Das stimmt. Und dennoch werden noch Hunderte weitere Bäume entlang der Mur fallen. Für den Zentralen Speicherkanal nämlich, den die Stadt Graz parallel zum Kraftwerk baut.

Auch im Zentrum sichtbar

Und diese Baumrodungen werden bis ins Stadtzentrum hinein sichtbar sei, denn gerodet wird auch bei der Murpromenade zwischen Augarten und Radetzkybrücke.

Die weiteren Rodungsarbeiten werden aber frühestens im Jahr 2018 begonnen. Die Hauptarbeiten für den Kanal sollen in drei Wintersaisonen passieren: Heuer ab Oktober bis März 2018 wird in jenem Bereich gearbeitet, der bereits gerodet ist und wo das Kraftwerk entstehen wird. Der zweite Abschnitt, „Oberwasser“ genannt, reicht dann vom Mediensteg (ein nicht begehbarer Steg nördlich der Seifenfabrik) bis zur Radetzkybrücke und wird von Oktober 2018 bis März 2019 bearbeitet. Teil drei, „Unterwasser“ genannt, folgt dann von Oktober 2019 bis März 2020 und betrifft das Ufer südlich der Puntigamer Brücke bis zur Hortgasse.

Laut Holding Graz, unter deren Federführung der Kanal gebaut wird, „ist es notwendig, 839 Bäume zusätzlich zu entfernen. Diese werden aber mindestens im Verhältnis 1:1 wiederaufgeforstet.“ Johannes Gepp vom Naturschutzbund geht von einer ähnlichen Größenordnung aus, schiebt aber zwei Aber hinterher. Erstes Aber: Durch Zufahrtsstraßen für die schweren Baufahrzeuge müssen ebenfalls mehrere Bäume weichen. Zweites Aber: Insgesamt - bei Kraftwerk und Kanal zusammen - „werden mindestens rund 8000 große Bäume gefällt“.

Nachpflanzungen

Den Verweis auf die Nachpflanzungen sieht Gepp ebenfalls nicht ganz so euphorisch. Erstens dürften die Bäume, die dann über dem Kanal und an den Dämmen gepflanzt werden, „nicht dicker als 18 Zentimeter werden“. Und zweitens dauere es Jahre und Jahrzehnte, bis die neuen Bäume den ökologischen Wert und Nutzen der jetzt geschlägerten erreichen.

Ein Anblick wie derzeit vom Puchsteg aus, wo die Überreste der gerodeten Bäume die Ufer auf beiden Seiten säumen, soll den Grazern zumindest beim Augarten und dem betroffenen Abschnitt der Murpromenade erspart bleiben. „Im Oberwasser verläuft der Kanal im Murbett, sodass dort nicht die ganze Böschung fallen muss“, betont man bei der Holding. „Lediglich ein schmaler Streifen an Bewuchs und im Bereich der Zufahrten und Anschlüsse kleinflächige Bereiche sind zu roden.“
Anders stellt es sich beim Abschnitt Unterwasser dar: In diesem Bereich südlich der Puntigamer Brücke bis zur Hortgasse wird für den Zentralen Speicherkanal wieder die ganze Böschung gerodet.

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