Taufen zu Ostern Flüchtlinge werden Christen

In der Osterzeit werden 30 Flüchtlinge in katholischen Pfarren in der Steiermark getauft. 150 befinden sich insgesamt in der Vorbereitung.

In einem Vorbereitungsjahr wird geprüft, ob die Motive zum Konfessionswechsel echt sind © AP
 

In der heutigen Osternacht werden sich in ganz Österreich über 400 Erwachsene durch die Taufe der katholischen Kirche anschließen, das sind so viele wie noch nie. Friederike Dostal, die Leiterin des Koordinationsbüros der Bischofskonferenz für Katechumenat und Asyl, nennt als Hauptgrund, die hohe Zahl von Taufbewerbern aus muslimischen Ländern, die durch die Flüchtlingsbewegung nach Österreich kamen.


30 Flüchtlinge werden in der Osterzeit in der Steiermark getauft. Die größte Gruppe befindet sich in Graz – aber auch in anderen steirischen Bezirksstädten, gibt es einige, die sich aktuell auf dem Weg zum Christsein befinden, so Bischofsvikar Hermann Glettler. Aber was suchen Flüchtlinge, die hier an die Türen der Gotteshäuser klopfen? „Die meisten hatten bereits in ihren Herkunftsländern einen prägenden Kontakt mit dem Christentum. Entweder durch armenische Christen, die ein sehr faszinierendes Zeugnis ihres Glaubens geben, oder durch freikirchliche Hauskreise, in denen miteinander die Bibel gelesen und gebetet wird“, erklärt Glettler. Auch christliche Sendungen, die trotz Medienzensur im Internet zu finden sind, hätten bei vielen bereits vor dem Verlassen ihrer Heimat Interesse geweckt. Für viele sei auch die Freiheit, die sie bei uns finden sowie die Gleichstellung von Mann und Frau ein Motiv, so Dostal. Österreichweit beträgt der Anteil der erwachsenen Taufbewerber mit Migrations- oder Asylhintergrund rund 70 Prozent, die meisten sind aus dem Iran und aus Afghanistan.

Richtlinien zur Glaubensvorbereitung

Nach einer Phase des Kennenlernens werden die Interessierten, sie müssen sich selbst an die katholische Kirche wenden, offiziell in das Katechumenat (die Glaubenseinführung) aufgenommen. „Die zeitliche Vorgabe von einem Jahr ist unbedingt notwendig, um in ein Grundverständnis und in eine erste Praxis des Glaubens hineinzuwachsen“, erklärt Bischofsvikar Hermann Glettler.
Auch im Ökumenischen Rat der Kirchen Österreichs wurde eine Übereinkunft über das einjährige Katechumenat, das der Taufe vorangeht, getroffen.

Bestärkung im Glauben

Für die Pfarren, die jetzt Taufbewerber haben, sei es natürlich eine neue Situation und Herausforderung: „Als Volkskirche, in der für gewöhnlich nur Kinder getauft werden, waren wir nicht darauf vorbereitet“, erklärt Glettler. Erwachsenentaufen könnten aber als eine Art Blutauffrischung gesehen werden: „Sie sind für die ganze Gemeinde eine Bestärkung im Glauben.“

„Den Konvertiten drohen häufig Anfeindungen“

In den Kirchen muss man sehr sensibel mit dem Taufwunsch von Asylwerbern umgehen: „Die Angst hat mehrere Gründe“, erklärt Friederike Dostal, die in der Erzdiözese Wien für die Tauf-Vorbereitung Erwachsener zuständig ist. „In ihren Heimatländern gibt es oft noch Familienmitglieder, die bei Leib und Leben schwer gefährdet sind, wenn bekannt wird, dass sie hier Christen werden. Ein zweiter Grund für die Sorge ist, dass viele noch keinen gesicherten Aufenthalt in Österreich haben und wenn sie zurückgeschickt werden, wirklich das Schlimmste zu befürchten
haben.“ In Flüchtlingsheimen folge häufig massives Mobbing: „Das geht soweit, dass sie gehindert werden die Waschmaschine oder die Küche zu nutzen, erklärt Dostal. „Das bringt niemanden um, ist aber nicht einfach.“
Die Zulassungsfeier bei der Anfang März 254 Erwachsene durch Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn die bischöfliche Erlaubnis zur Taufe erhielten, musste aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich durchgeführt werden. Auch die Taufen selbst finden nicht öffentlich statt.


Häufig werden Flüchtlingen asyltaktische Gründe unterstellt. „Das ist ein uralter Vorwurf. Er mag vielleicht insofern seine Berechtigung haben, weil es Leute gibt und gab, die sagen, ich möchte Christ werden“, so Dostal. Wenn sie aber darüber aufgeklärt würden, was in dem einjährigen Katechumenat (Glaubensunterricht) zu tun sei, wären diese schnell verschwunden. „Auch für uns als Kirche ist es wichtig, die wirklich spirituellen Beweggründe von anderen zu unterscheiden. Wir arbeiten diesbezüglich gut mit den Behörden zusammen“, erläutert Glettler.

Sprachbarrieren in der Taufvorbereitung

In der Diözese Graz-Seckau wurden vor einem Jahr zwei pastorale Mitarbeiter angestellt, die die Taufvorbereitung auch auf Farsi und Arabisch anbieten können. In der Erzdiözese Wien greift man bei Bedarf auf Dolmetscher zurück, das habe aber nur Sinn, wenn diese auch Christen sind. Vorbereitungen laufen häufig auch auf Englisch. „Ansonsten müssen wir den Leuten sagen, sie
müssen erst Deutsch lernen“, erklärt Friederike Dostal.
In vielen kirchlichen Gemeinden und Pfarren werden zudem Deutschkurse angeboten.

Evangelische Kirche und Grazer Baptistengemeinde

Übertritte von Flüchtlingen gibt es auch in der evangelischen Kirche: „In den letzten Monaten waren es in der Steiermark rund 60 Erwachsene mit muslimischem Hintergrund, die sich haben taufen lassen“, so Superintendent Hermann Miklas. Im einjährigen Katechumenat lerne man die Menschen besser kennen „und kann einigermaßen beurteilen, aus welchen Motiven sich Menschen taufen lassen wollen.“
Neun Flüchtlinge befinden sich im heurigen Taufkatechumenat der Baptistengemeinde. Sie müssen ein Jahr lang die Gemeinde besuchen, erst dann werden sie zu einer Vorbereitung zur Taufe zugelassen. „Missbrauchsversuche gibt es bestimmt, aber wir versuchen aus der Entwicklung heraus zu lernen“, so Pastor Bruno Gasper. „Egal ob katholische Kirche, evangelische Kirche oder die Freikirchen, wir alle sind dabei, unser Bestes zu tun.“