Kärntnerin des Tages

Monika Grill: Wortgewaltiges Chamäleon

Monika Grill (60) aus Klagenfurt lebte mehr als 30 Jahre in den USA und gewann nun den Lyrikpreis der Stadtwerke.

„Wenn ich mich freue, dreh ich halt ein bisserl durch“: Monika Grill erhält heute den Lyrikpreis der Stadtwerke
„Wenn ich mich freue, dreh ich halt ein bisserl durch“: Monika Grill erhält heute den Lyrikpreis der Stadtwerke © KK/Pacheiner
 

Dass Bob Dylan den Literaturnobelpreis gewonnen hat, freut sie sehr: „Liedermacher schreiben immer auf Augenhöhe mit dem, der vor ihnen sitzt, das ist Kommunikation!“ Und um ihr Publikum geht es auch Monika Grill, die heuer ebenfalls einen Literaturpreis gewonnen hat – den Lyrikpreis der Klagenfurter Stadtwerke.

Als Juror Josef Winkler anrief, um ihr von ihrer Kür zu berichten, hat sie „gedacht, ich muss jetzt den Boden küssen, so sehr habe ich mich gefreut! Wenn ich mich freue, dreh ich halt ein bissl durch“, meint sie entschuldigend aber mit blitzenden Augen.

Dabei hat die 60-jährige Klagenfurterin sich mit der Art, wie in Europa Gedichte geschrieben werden, erst anfreunden müssen, war sie doch „poetry“ aus dem amerikanischen Raum gewöhnt. „In der US-Literatur geht es darum, gute Geschichten gut zu erzählen, auch in der Lyrik. Bei uns geht es mehr um Atmosphärisches.“ Rund 30 Jahre lebte Monika Grill nämlich in den Vereinigten Staaten, zuerst in Los Angeles, wohin sie mit 22 Jahren vor der heimischen Provinz „flüchtete“, später dann mit ihrem Mann in Louisville, Kentucky: „Ich wäre nicht der Mensch, der ich bin, wenn ich nicht in Kalifornien gewesen wäre!“ Den Kontakt zu ihrer Mutter und den beiden Schwestern hielt sie über all die Jahre – nicht zuletzt dank der „Weihnachtspackerln“, die alljährlich den großen Teich überquerten.

Der kleine Bär

Preisverleihung 9. Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt: ORF-Theater Klagenfurt,
1. Dezember, 18 Uhr, Eintritt frei!

Buchtipp: Monika Grill: Der kleine Bär. Geschichten aus dem Hier und Dort. Edition Garamond, 19,80 €.

www.monikagrill.com

Geschrieben hat die gelernte Heilpraktikerin und Hypnosetherapeutin schon damals – auf Englisch und vor allem Gedichte. „Ich bin ein Chamäleon, ich passe mich schnell an!“ Nach ihrer Scheidung und der Rückkehr in die alte Heimat 2010 schaltete sie sofort wieder um und schrieb auf Deutsch – Prosa.

Das gesprochene Wort ist ihr dabei wichtig, die gute Geschichte und eine Harmonie zwischen Form und Inhalt. Musik und bildende Kunst spielen ebenfalls bedeutende Rollen für die Klagenfurterin, die auch mit Video-Installationen, Poetry Slam und Ähnlichem experimentiert
Heute lebt die kinderlose Autorin mit ihrem Kater im Stadtteil Viktring, in Sichtweite des Kreuzbergls, wo sie aufgewachsen ist, genießt das Schwimmen im See und engagiert sich für den Tierschutz. Nach dem Erscheinen ihres ersten Erzählbandes im Vorjahr bedeutet der Lyrikpreis, für den sie aus 230 anonymen Einsendungen ausgewählt wurde, „einen weiteren Stein auf meinem Weg“. Der nächste wird dann wieder in Prosa sein – ein gesellschaftskritischer Roman über Kärnten ist bereits in Arbeit.

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