Kärntner des Tages

Ein ganz besonderer Frosch

Karl Sibelius spielt am Stadttheater Klagenfurt in der "Fledermaus" den Frosch und hat als erster Homosexueller in Österreich ein Kind adoptiert.

© KLZ/Helmuth Weichselbraun
 

Ach, das ist ja der Karli." Fast 25 Jahre sind seit seiner Zeit am Stadttheater Klagenfurt vergangen und er hat als Schauspieler und später Intendant Karriere gemacht. Aber altgediente Stadttheater-Angestellte kennen Karl M. Sibelius noch als den jungen Burschen, der sich seine ersten Theatersporen im hauseigenen Extra-Chor verdient hat: "Während meiner Gymnasialzeit in Klagenfurt war ich jeden Abend im Theater", erinnert sich der 45-Jährige, der derzeit in der "Fledermaus" den "Frosch" gibt. Zu einer Zusage für diese Rolle musste er sich allerdings erst einmal durchringen.

Denn einerseits sind da die familiären Verpflichtungen. Gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Rainer Bartel, Professor für Volkswirtschaft an der Linzer Kepler-Universität, zieht er die aus Amerika adoptierte Tochter Ella (9) sowie Pflegesohn Jakob (4) auf. Sibelius war überhaupt der erste Homosexuelle in Österreich, der ein Kind adoptiert hat, was für überregionale Aufmerksamkeit sorgte. Und natürlich auch in Helfenberg im Mühlviertel, wo sich das Paar angesiedelt hat. "Wir sind sonntags immer zum Dortwirt essen gegangen. Als wir das erste Mal mit Ella dort waren, haben uns alle angestarrt", erzählt er: "Dann ist der Wirt gekommen und hat gestammelt, er müsse uns etwas Peinliches fragen und so etwas habe er wirklich noch nie gemacht . . . Wir haben natürlich gedacht, der schmeißt uns aus dem Gasthaus."

Es kam anders: Der Wirt fragte, ob er und seine Frau Taufpaten für das Kind sein dürfen. "Das Einzige, was die Leute unsicher macht, ist die Angst vor den Fremden. Wenn man mit ihnen redet, ist das bald kein Thema mehr", weiß Karl Sibelius, der zwanzig Jahre lang am Linzer Landestheater als Schauspieler engagiert war und für die Familie auf den Intendanten-Job umgesattelt hat: "Da ist man einfach viel flexibler."

In einer beruflichen Veränderung liegt der nächste Grund, warum er mit der "Fledermaus"-Zusage gerungen hat. Denn kommende Saison wechselt der Kulturmanager nach drei Jahren am Theater an der Rott im niederbayrischen Eggfelden ans Theater Trier. Dort übernimmt er ein Haus mit 270 Angestellten, das stark sanierungsbedürftig ist. Damit, einen Theaterbetrieb auf Vordermann zu bringen, kennt sich der ausgebildete Friedensforscher aus: In Eggfelden hat er künstlerische und wirtschaftliche Umstrukturierungen vorgenommen und das Publikum damit erst einmal verscheucht: "Die Abonnenten sind uns in Scharen davongelaufen", erzählt er.

Gefragter Referent

Heute kann er locker darüber reden, denn mit Projekten wie einer "Fledermaus" im Wirtshaus oder einer provokanten Werner-Schwab-Inszenierung von "Die Präsidentinnen" hat er den Spielplan entrümpelt, überregionale Aufmerksamkeit erreicht und die Jugend zurück ins Theater geholt. Mittlerweile spielt man 36 Prozent der Kosten wieder ein - und Sibelius ist in diesen Zeiten der leeren Kassen ein gefragter Referent.

Dass er schließlich doch für die "Fledermaus" zugesagt hat, hat mit Kärnten zu tun. Fast 25 Jahre lang hat er das Land gemieden, in dem er eine von Alkohol und Gewalt geprägte Kindheit durchlitten hat. "Mein Vater war Zollwachbeamter. Aber weil er viel getrunken hat, ist er ständig strafversetzt worden." Deshalb ist Sibelius in Bregenz geboren, aber in Bad Eisenkappel aufgewachsen. Und deshalb hat er sich im Alter von 25 Jahren einen neuen Namen zugelegt. Weil er die Musik des finnischen Komponisten Jean Sibelius sehr schätzt, hat er sich nach ihm benannt.

Aber der leidenschaftliche Bühnenmensch hat auch "viele schöne Erinnerungen an Kärnten", ist hier mit dem Theater in Berührung gekommen und hat am Stadttheater "tolle Zeiten" erlebt. "Und ich wollte den Kindern zeigen, wo ich herkomme. Kärnten ist halt trotzdem meine Heimat." Deshalb träumt Sibelius davon, irgendwann zurückzukehren: "Meine letzte Intendanz würde ich gerne am Stadttheater Klagenfurt machen."

Die Fledermaus. Stadttheater Klagenfurt. Termine bis 3. Jan. Karten: Tel. (0463) 54 0 64. www.stadttheater-klagenfurt.at

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