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Planen für morgenLeistbares Wohnen in der Steiermark individuell geplant

Pilotprojekte für zeitgemäßes Wohnen sind Impulse für die Baukultur in Städten. In der Steiermark beispielsweise das Projekt „KOOWO“.

„Kooperatives Wohnen“ in Volkersdorf ist ein Projekt, das für generationsübergreifendes, leistbares Wohnen steht © Rainer Spath BSc
 

Wohnen ist derzeit der mit Abstand größte Kostenfaktor des täglichen Lebens. Und es stehen im städtischen Bereich immer weniger freie Flächen zur Verfügung. „Der Zuzug in die Ballungsräume stellt deshalb für die Städte in Kärnten eine immer größere Herausforderung dar“, sagt Barbara Frediani-Gasser, Vizepräsidentin der Kammer der Ziviltechniker in der Steiermark und in Kärnten. Es gehe deshalb darum, Wohnen als „eines der Grundrechte der Gesellschaft wieder leistbar zu machen“. Ein wesentliches Problem sei in dem Zusammenhang, dass abgesehen von den Genossenschaften, die den sozialen Wohnbau abdecken, die Bauträger vor allem im urbanen Bereich immer mehr sogenannte Anlegerwohnungen errichten würden. Mikrowohnungen, die für die Bedürfnisse vieler Familien ungeeignet seien. „Der frei finanzierte Wohnbau wird als Ware zur Spekulation mit Renditegewinnen missbraucht. Es werden immer mehr standardisierte Wohnungsgrundrisse realisiert und die Qualität bleibt dabei auf der Strecke“, kritisieren Kammervertreter.

Burkhard Schelischansky, Kammer der Ziviltechniker Foto © KK

Die Grundlagen des zeitgemäßen Wohnens müssen in den Mittelpunkt der Planungen gestellt werden.

Burkhard Schelischansky, Kammer der Ziviltechniker

Auf der anderen Seite wiederum würden exquisite und hochindividualisierte Objektbauten für eine elitäre finanzkräftige Klientel gebaut. Zwei völlig konträre Strategien, die zum Verlust einer gemeinsamen Baukultur führen würden. Wichtig wäre es aber, so Burkhard Schelischansky von der Kammer der Ziviltechniker, die Grundlagen des zeitgemäßen Wohnens wie die räumliche Vernetzung von Wohnen und Arbeiten, öffentlicher Freiraum, soziale Infrastruktur und Einrichtungen für Sport, Erholung und Kultur in den Mittelpunkt der Planungen und somit des Urbanismus zu stellen. Pilotprojekte, welche Modelle für eine multifunktionale, nachhaltige Entwicklung sind, könnten in dem Kontext positive Impulse für die Baukultur in Städten und Regionen geben.

Foto © Rainer Spath

Wettbewerb als Grundlage für Qualität im Wohnbau

Gemeinsam mit gemeinnützigen Wohnbauträgern und Städten werden Ziele erarbeitet.

Mit dem Bauboom und der damit verbundenen Leerstandsproduktion hat sich auch der steirische Wohnbauausschuss der ZT-Kammer in intensiven Diskussionen auseinandergesetzt. Ziel ist es, nicht nur Impulse für das Wohnen selbst zu geben und experimentelle Wohnformen zu forcieren, sondern vor allem auch zeitgerecht Wege aus ungünstigen gesellschaftlichen Tendenzen in der Orts- und Stadtraumverwertung und damit in der Entwicklung aufzuzeigen. Der Ziviltechnikerkammer ist es ein Anliegen, gemeinsam mit der Wohnbauförderungsabteilung des Landes und den Wohnbaugenossenschaften Grundlagen zu schaffen, die besser auf die Wohnwünsche und Wohnmöglichkeiten der Nutzer eingehen. Dabei sollen auch öffentliche Freiräume und qualitätsvolle Allgemeinflächen wie gemeinschaftlich genutzt Räume mehr als bisher berücksichtigt werden und die Möglichkeit für neue Wohnkonzepte im Förderwesen geschaffen werden. Gemeinsam erarbeitete Impulse sollen Antworten auf die vielschichtigen und komplexen Herausforderungen im Wohnbau geben, nachhaltiges Wohnen fördern und Qualität, zum Beispiel durch Wettbewerbsverfahren sichern, heißt es seitens der Kammer der Ziviltechniker.

Ein gelungenes Beispiel aus Sicht der Kammer für Ziviltechniker ist in der Steiermark das Projekt Kooperatives Wohnen (KOOWO) in Volkersdorf von „Schwarz & Platzer Architekten“. Ihr Ziel war es, „gemeinschaftliches, leistbares und generationsübergreifendes Wohnen zu schaffen“. 27 Wohneinheiten für 42 Erwachsene und 20 Kinder und Jugendliche entstehen auf dem 3,6 Hektar großen Grundstück gegenüber dem ehemaligen Ortskern von Volkersdorf. Der in Form eines Dreikanthofs sowie eines Bauernhofs vorhandene Altbestand an Gebäuden wurde revitalisiert und integriert.

Foto © Rainer Spath BSc

Gemeinsam soll nachhaltige Landwirtschaft betrieben und sollen Nahrungsmittel für den eigenen Bedarf produziert und verarbeitet werden. Ressourcen wie Räume, Fahrzeuge und Geräte werden von den Bewohnern geteilt. An der Stelle von Wegwerfen steht Wiederverwendung. Wert gelegt wurde bei der Projektumsetzung auch auf die Nutzung erneuerbarer Energien sowie die Schaffung einer Möglichkeit für Co-Working in der Region. „Unsere landwirtschaftlicheAusrichtung und die Möglichkeit für Co-Working stärken den sozialen Zusammenhalt in einer Gemeinde und schaffen Raum für neue, innovative und kreative Projekte“, sagen die Architekten.

Kommentare (1)
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Mezgolits
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Lesenswert?

... die Nutzung erneuerbarer Energien ...

Vielen Dank - ich meine: Die Nutzung von sommeroptimierten, erneuerbarer Energien =
wahrscheinlich ungespeicherter, netzüberschußabgeführter Solarstrom, ist eine Steuer-
geld-Abkassiererei - bestmöglich umweltvorteilhaft wären die wirtschaftlich größtmög-
lichen, winteroptimierten = etwa 60 Grad geneigten, thermische und elektrische Solar-
kollektoren + die wirtschaftlich größtmöglichen Wärme- und Stromspeicher. Erfinder M.
PS: Für ehrliche Personen, gibt es keine unangenehmen Fragen - aber für unehrliche ...