Oft kommt es anders, als man denkt: Eine Hausherrin, die einst von sich sagte: „Alles, nur nicht bauen“ und heute über den Entwurfsprozess ihres Einfamilienhauses schwärmt, ist schließlich nicht die Norm. Und dass es jemanden, dem „Helligkeit“ beim Wohnen über alles geht, ausgerechnet auf ein Grundstück verschlägt, das gewissermaßen als „finsteres Eck“ des elterlichen Gartens galt, verwundert doppelt. Aber nur auf den ersten Blick.

 

„Wir wollten mit unseren beiden Kindern unbedingt in Graz bleiben, dabei aber auch in der Natur wohnen“, erzählt die Hausherrin von einer jahrelangen Suche nach einem Haus mit Garten in Graz. „Wir hatten damals schon die unterschiedlichsten Wohnsituationen hinter uns und wussten ziemlich genau, was wir wollten“, fügt sie hinzu. Fazit: „Wir wollten keine Kompromisse machen.“ Auf der Wunschliste stand ein nach Westen ausgerichtetes Gebäude („Weil wir beide berufstätig sind, also möglichst die Nachmittags- und Abendsonne nutzen möchten“), ein Haus, das nicht als weißer Klotz in der Landschaft steht, sondern sich harmonisch in die Natur einfügt und keine übertriebene Größe hat. Das Allerwichtigste war allerdings „Licht – ein Maximum an Helligkeit“.

Und plötzlich wurde es licht

„Die morschen, alten Bäume auf dem Nachbargrundstück mussten eines Tages gefällt werden. Und da hatten wir unser Aha-Erlebnis“, sagt die Bauherrin. Was bis dahin nie zur Diskussion gestanden war, präsentierte sich mit einem Mal als die einzig richtige Lösung: „Plötzlich hatten wir einen sensationellen Ausblick in die Landschaft und jede Menge Licht!“ Allerdings auf einem wirklich „anspruchsvollen Hanggrundstück“.
Mit dem Architekten Alexander Gurmann, einem Freund der Familie, hatte man allerdings auch sofort einen Profi, der verbindlich sagen konnte, was an dieser Stelle möglich war. Gurmann sah das stark abschüssige Gelände und hatte auf der Stelle einen gebogenen Baukörper im Kopf, der die natürliche Form des Geländes aufnimmt und den Höhenschichten folgt. Nordseitig, in Richtung Elternhaus der Bauherrin, duckt sich der Bau eingeschoßig mit Gründach ins Gelände („Meine Eltern sollten auf ein schönes Dach schauen“, sagt die Bauherrin), hangabwärts öffnet er sich zweigeschoßig in die Landschaft hinein. Das terrassierte Gelände im Westen bietet genug Platz für den gewünschten Pool: „Nicht nur zum Schwimmen, mir geht es auch einfach um das Element Wasser im Garten.“ Daneben ist noch für ausreichend Parkflächen gesorgt.
Der Carport ist eine Geschichte für sich. Das Hausdach wurde auf der Zufahrtsseite als Holzkonstruktion mit gebogenen Leimbindern über den Stellplatzflächen fortgesetzt. Dass das Dach dabei ganz elegant die Welle macht, hat nicht nur optische Gründe: „Ausrichtung und Neigung sind ganz bewusst so gewählt, dass die für später geplanten Solarpaneele optimale Bedingungen haben“, sagt der Architekt.

Die sanften Rundungen setzen sich auch im Hausinneren fort. Gleich im Entree des Hauses, das sozusagen als Gelenk zwischen Kindertrakt auf der einen Seite und offenem Wohnbereich auf der anderen fungiert, öffnet sich die gebogene Treppe ins Untergeschoß. Die verwendeten Materialien zeigen, wes Geistes Kind die Bewohner sind: „Wir wollten eine gute Qualität, aber nicht unbedingt Sonderanfertigungen – und ich wollte es möglichst hell“, erklärt die Hausherrin die Entscheidung für Eschenparkett (statt Eiche, wie sonst üblich), den grauen Fliesenboden oder die Holz-Alu-Fenster (ohne das typische Dunkelgrau an der Fassade). Ein warmer Kieselton an den Wänden zieht sich als Farbleitsystem durch das Haus.

Urlaubsgefühle

Das Elternschlafzimmer auf der „Poolebene“ tanzt mit seiner Platzierung ebenfalls aus der Reihe. Es passt aber zum Lebensgefühl in diesem Haus, das etwas von Dauerurlaub hat: „Wir nutzen den Raum auch als Lesezimmer oder für ein Mittagsschlaferl“, sagt die Hausherrin. „Wenn wir im Sommer die Türen öffnen, liegt man hier fast wie in einer Pergola.“