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WOHNPORTRÄTEs ist noch Platz im Paradieschen

Das Architektenpaar Kristel Junesch und Patrick Paler ging unter die Landwirte und machte aus einem alten Bauernhof ein „Paradieschen“. Jetzt wird die Ernte im kleinen Paradies geteilt. Die Geschichte eines Neustarts.

© (c) ©Oliver Wolf
 

Als Kristel Junesch und Patrick Paler vor fünf Jahren beschlossen, ihre Zelte in Graz abzubrechen, meinten sie damit mehr als einen Wohnortwechsel. Das junge Paar hatte genug von der Schreibtischarbeit, der Schnelllebigkeit in der Stadt und den Gesetzmäßigkeiten einer konsumgetriebenen Gesellschaft. „Raus aus dem Teufelskreis des Geldwertes“, hieß die Devise für eine Feldforschung der ganz besonderen Art.

„Wir haben nach einem renovierungsbedürftigen Bauernhof mit zwei bis drei Hektar Grund für den Gemüseanbau gesucht“, erzählt Paler, den es zuallererst in seine Heimat Südtirol zog, wo seine Eltern eine Landwirtschaft betreiben. „Wir haben aber schnell festgestellt, dass wir uns dort keinen Grund leisten können“, erzählt er, warum er und seine Frau schließlich im steirischen Vulkanland, nicht allzu weit von Graz entfernt, nach einem geeigneten Objekt zu suchen begannen.

Homestory: Neustart auf einem Bauernhof

Patrick Paler und Klein-Fridolin im Wohnraum, in dem das alte Ziegelgewölbe des Stalls erhalten blieb

(c) ©Oliver Wolf

Massive Eichendielen sorgen für Erdung. Die Möblierung stammt großteils von Ikea

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Ein Blick in den Schlafbereich hinter dem Sanitärblock

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Die Familie teilte sich ihr Haus vor Kurzem noch mit einer Menge Jungpflänzchen

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Die Decke des ehemaligen Stallgebäudes....

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Die Fassade, Vorhof und Zufahrt bleiben einstweilen unfertig – jetzt hat die Feldarbeit Vorrang.

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Alte Fensterläden vor dem Haus als Schuhregal

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Zwei kleine Glashäuser sind die neueste Anschaffung...

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Der Folientunnel "made by Junesch-Paler"

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Das Grundgerüst des Folientunnels ist die Arbeit eines befreundeten Zimmermanns.

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3000 Quadratmeter Acker, der Gemüse für 25 Familien liefern soll. Dahinter hat der Hausherr schon das Entenhaus aufgestellt - die "natürliche Schneckenbekämpfung" zieht demnächst ein.

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Auch für die Kinder ist der Hof mit seinen alten Obstbäumen ein Traum...

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Die Saat ist aufgegangen...

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Im Februar 2015 war es so weit: Die gelernten Architekten Junesch und Paler fanden im oststeirischen Hatzendorf eine kleine Landwirtschaft mit einem desolaten Wohnhaus, einem Stall und einer Scheune und wussten auf den ersten Blick, dass sie an ihrem Sehnsuchtsort angekommen waren. „Binnen zwei Tagen hatten wir den Hof gekauft“, erzählt Paler. Der erste Plan war, nach einer zügigen Komplettsanierung rasch ins alte Bauernhaus einzuziehen und aus dem Stall ein Ferienhaus zu machen. Die Substanz des rund 110 Jahre alten Wohnhauses erwies sich allerdings als so schlecht, dass die Familie beschloss, gleich den Stall zum Wohnhaus umzubauen.

Selbst gemacht

Mit einem Maximum an Eigenleistung und minimalem Budget wurden im Jahr 2015 die 50 cm starken Außenwände unterfangen, Dachstuhl und Dacheindeckung erneuert und die Fensteröffnungen dem Bedürfnis nach modernem Wohnen mit viel Licht angepasst.

Innen blieb das alte Ziegelgewölbe mit den Eisenträgern sichtbar erhalten. Darunter spannt sich auf nicht mehr als 60 Quadratmetern behaglicher Wohnraum auf, den eine Sanitärzelle in zwei Nutzungsbereiche unterteilt: Küche, Wohn-, Ess- und Spielzimmer auf der einen Seite, Schlafraum für die Eltern und ihre beiden Kinder auf der anderen. Geheizt wird mit Holz aus dem eigenen Wald. „Wir werden das Haus wohl einmal vergrößern müssen“, sagen die Eltern, einstweilen hat aber der Ackerbau Vorrang. Radieschen, Salate, Mangold, Schnittlauch und Paradeiserpflanzen gedeihen schon prächtig. „Wir werden heuer rund 80 Gemüsesorten anbieten können“, erzählen die Aus- und Umsteiger und denken dabei auch gleich die Vermarktung ganz neu: „Wir sind eine solidarische Landwirtschaft.“

Paradieschen. Der Name, den Junesch und Paler ihrem Biobetrieb in Habegg 41, 8361 Hatzendorf gaben, spielt mit den Wörtern „Radieschen“ und „Paradies“.

Solidarische Landwirtschaft. Die Familie teilt Ernte und Risiko mit einer Gemeinschaft von  Konsumenten, die je 500 Euro bezahlen und dafür ab Ende Mai sechs Monate lang wöchentlich je ein Gemüsekisterl (für je zwei Erwachsene) nach Graz (Südtirolerplatz) und Hatzendorf geliefert bekommen. Der Hof hat Kapazitäten für rund 60 Ernteteiler. Es werden noch Teilnehmer gesucht!

Im Kistchen sind je nach Saison pro Woche 3 bis 12 Kilogramm Gemüse, Obst und Kräuter. Pro Woche gibt es 8 bis 10 Sorten erntefrisch.

Jungpflanzenmarkt am Hof am 6. Mai 2018 von 10 bis 16 Uhr.

Anfragen
unter Tel. (0650) 57 47 835, info@paradieschen.land

 

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