Karl Ploberger zeigt, wie es gehtSo schneidet man Bäume und Sträucher richtig zurück

Beim ersten Frühlingslüfterl erwacht die Lust aufs Garteln. Es folgt oft der Griff zur Schere. Die wichtigsten Regeln für Obstbaum, Ziergehölz, Hecke und Rosen.

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Als Grundregel ist zu beherzigen: Lieber öfter schneiden als einmal ganz radikal. Ist ein großer Rückschnitt notwendig, dann diesen auf zwei bis drei Mal aufteilen. Große Bäume, die einen Schnitt brauchen, sollten immer nur von Fachleuten bearbeitet werden. Wer vom Obstbaumschnitt keine Ahnung hat, besucht besser einen Kurs oder überlässt die Arbeit einem Experten.

Der Zeitpunkt: Grundsätzlich wird nur an frostfreien Tagen geschnitten. Der kräftige Rückschnitt bei Gehölzen erfolgt am besten in der Ruhezeit am Ende des Winters. Stark wachsende Gehölze eher später schneiden, bei Obstbäumen ist dann sogar der Sommerschnitt im August besser. Kernobst (Kirsche, Zwetschke, Marille) erst bei beginnendem Öffnen der Knospen schneiden, Pfirsich während der Blüte. Frühlingsblühende Gehölze wie Forsythien oder Flieder immer nach der Blüte schneiden. An Rosen erst knapp vor dem Austrieb Hand anlegen. Die Faustregel: wenn die Forsythie blüht. Höchste Zeit ist es für den Rückschnitt beim Wein. Die Triebe des Vorjahres auf drei Augen (Knospen) einkürzen.

Die Auswahl: Fast alle Gehölze können geschnitten werden. Laubgehölze wie Hecken oder Formschnitt-Bäume lassen sich in der laublosen Zeit am besten in Form bringen. Bei Hecken kann jetzt auch der radikale Rückschnitt erfolgen, wenn sie in der Höhe reduziert werden müssen (Hainbuche, Liguster). Immergrüne Hecken sollte man im Spätsommer schneiden. Thujen lassen sich nur sehr schwer radikal einkürzen, denn sie treiben kaum aus dem alten Holz aus. Eiben dagegen regenerieren sich gut. Säulenobstbäume möglichst spät (besser im Sommer) kräftig schneiden, wenn man die Höhe verringern will. Seitenäste aber schon jetzt auf 15 bis 20 Zentimeter zurücknehmen.

Das Werkzeug: Scharfe Scheren, Sägen oder Messer zum Glattschneiden von Rändern an den Schnittstellen sind das Um und Auf. Ausgefranste, abgesplitterte Aststummeln erweisen sich als gefährliche Eintrittsstellen für Krankheitserreger und Fäulnis. Ganz mit Wundbalsam verschmiert werden Schnittstellen bis zu einer Größe einer Zwei-Euro-Münze, sonst werden immer nur die Ränder eingestrichen, denn es kann unter der Abdeckung zu Fäulnis kommen.

Die Methode: Generell gilt: Je mehr geschnitten wird, desto stärker wächst der Baum oder der Strauch. Daher sanft und mit Augenmaß vorgehen und „Amputationen“ generell vermeiden. Das heißt: Es dürfen niemals dicke Aststummel stehen bleiben. Immer „ableitend“ schneiden, also so weit zurückschneiden, dass ein Seitenast eine natürliche Fortsetzung des Triebes bildet. Ausnahme ist der Rückschnitt bei jungen Obstbäumen, wenn es um den Aufbauschnitt geht. Völlig falsch sind „Kugelschnitte“ bei Blütengehölzen, wie man sie oft in Wohnsiedlungen sieht. Vielmehr werden einzelne alte Äste bodeneben herausgeschnitten, um die Vitalität des Strauches zu erhalten. Bei der Königin der Blumen werden Beetrosen stark gekürzt, die Strauch- und Kletterrosen hingegen nur ausgeschnitten. Wildrosen und historische („alte“) Rosen praktisch gar nicht bearbeiten, weil sie auf den vorjährigen Trieben blühen.

Kommentare (2)
ackern
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8
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Baumschnittkurs

Herr Ploberger : Sie brauchen dringend einen Baumschnittkurs!
So etwas zu veröffentlichen , ist eine Frechheit!
Sie schneiden wie ein Hausbesitzer , der halt ein bischen stutzt!

aposch
1
5
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Frage

Wie soll sich jemand orientieren können, wenn so unterschiedlich Ansichten aufeinanderprallen.. Wer kann sich auch bei einem Baumschnittkurs verlassen, was das Richtige ist.