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Interview

Wie macht man ein Haus ergonomisch?

Ein Haus, das zwar schön, aber im Wohnalltag ineffizient und unpraktisch ist? Bernhard Honemann erklärt, wie man das anders lösen kann.

Form folgt Funktion. In der Wohnergonomie spielt die Optik eine untergeordnete Rolle © Fotolia/vege
 

Wie sind Sie darauf gekommen, sich so intensiv in das Thema Wohnergonomie zu vertiefen?
BERNHARD HONEMANN: Ich habe in den letzten Jahren selbst ein Haus gebaut und dabei festgestellt, dass konventionelle Planungsmethoden nicht zu dem funktional optimierten Ergebnis führen, das ich mir wünsche. Ich bin Elektroniksystem- und Software-Entwickler und in meiner Branche spielt das Thema Ergonomie bzw. optimale Funktion eine zentrale Rolle.
Sie haben also versucht, Ihr berufliches Know-how ins Bauen und Wohnen zu transferieren?
HONEMANN: Software- und Elektronik-Systeme sind extrem komplexe Dinger, mit vielen Schnittstellen und Wechselwirkungen. Man steht vor der Herausforderung, für eine optimale Funktion unterschiedlichste, teilweise widersprüchliche Anforderungen mit- und gegeneinander optimieren zu müssen. Aus meiner Sicht steht ein Häuslbauer prinzipiell vor dem gleichen Problem: Viele Dinge, die man, warum auch immer, seit Jahrzehnten so plant, baut, konstruiert, sollten hinsichtlich ihrer Funktionsweise hinterfragt werden. Also, ob sie die Wohnbedürfnisse, den Komfort etc. tatsächlich fördern. Nur stellen sich die meisten Häuslbauer kaum die Frage: Was bedeutet für mich „optimale Funktion“.
Und wenn es einer macht: Was kann er mit seinen Antworten anfangen?
HONEMANN: Er bekommt damit ein genaueres Bild seiner Anforderungen an sein Wohnobjekt. Und er sieht, wo er bereit ist Kompromisse einzugehen und wo nicht. Und was das kostet. Dieser Input ermöglicht, Entwürfe zu erzeugen, die die Anforderungen bestmöglich abdecken. Idealerweise mittels digitaler Planung am Computer und, falls nötig, mit Hilfe von Experten für Baustatik, Materialien, Energietechnik, Installation, Elektronik.
Grundsätzlich gefragt: Sollte sich jeder Häuslbauer mit dem Thema beschäftigen?
HONEMANN: Auf jeden Fall jene, für die Wohnen primär eine wesentliche Funktion des Alltags ist. Wer sein Haus oder seine Wohnung vor allem als Prestige-, Repräsentations- oder Kunstobjekt sieht, das fixen ästhetischen Kriterien entsprechen muss, wird eher wenig Spielraum für Ergonomie haben.
Was bringt einem Häuslbauer nun konkret die Optimierung seiner Wohnergonomie?
HONEMANN: Er wird sich im Alltag oft darüber freuen, dass sein Haus ihm den Wohnalltag so angenehm und leicht wie möglich macht. Bei nicht optimierten Objekten sieht er dann aber auch vieles, was ihn nerven würde, weil’s einfach unpraktisch ist. Und er spart Kosten, weil er Bauelemente weglassen kann, die für ihn funktional irrelevant sind.
Wie viel kann man sparen?
HONEMANN: Das kommt ganz darauf an, wie „radikal“ man optimiert. Meist ist der Unterschied der, dass man im geplanten Budget bleibt, anstatt 25 bis 50 Prozent Mehrkosten für ungeplante Ausgaben zu haben. Oder man investiert das gesparte Geld in mehr „Luxus“, beispielsweise in einen Schwimmteich, den man sich dann sofort leisten kann und nicht erst in zehn Jahren.
Wenn ich nun plane, ein Haus zu bauen, zu welchem Zeitpunkt ist die Beschäftigung mit Wohnergonomie sinnvoll?
HONEMANN: Am besten schon bevor man mit der konkreten Planung beginnt oder rein optische „Gefällt mir“-Kriterien festlegt. Je unbelasteter von gewohnten Vorstellungen man mit Hilfe eines Wohnergonomie-Experten seine Anforderungen strukturiert definiert, desto mehr Optimierungspotenzial findet man. 3D-Computerplanung ist heute beim Hausbau Stand der Dinge – meist aber nach rein optischen Kriterien. Wohnergonomie-Simulation bildet aber jene Eigenschaften digital ab, welche später das Leben im Wohnobjekt angenehmer bzw. effizienter machen. Genau wie bei Autos oder Elektronikprodukten, bei denen die Funktion neben dem Design schon in der ersten Entwicklungsphase am Computer simuliert und optimiert wird.
Wie darf man sich so eine Simulation der Wohnergonomie vorstellen?
HONEMANN: Wenn man sein Wohnobjekt digital ausprobiert, stellt man fest, ob es funktioniert und entscheidet bewusst, welche Kompromisse man im Alltag des Wohnens eingehen möchte. Man beseitigt etwaige „Planungsfehler“ also sehr früh im Projekt, in der digitalen 3D-Welt des Computers. In dieser Phase kostet das Niederreißen einer unnötigen Wand oder der Einbau eines Technik-Schachtes einen Mausklick, und nicht viel Material und Arbeitsstunden. Das spart Kosten und Frust.
Hätten Sie ein Beispiel dafür?
HONEMANN: Im Zuge eines Witterungs- und Naturenergiekonzeptes – das heißt Wohnen zu unterschiedlichen Jahreszeiten und bei unterschiedlichen Wetterlagen – kann man sich entscheiden, Regenwasser zu sammeln, zu speichern und dann zu nutzen, wenn die Sonne scheint. Oder Wind, Sonne, Erdwärme als Energielieferanten zu nutzen. Probleme vermeidet man, indem man für solch eine Technik ein Lebenszeit- und Wartungskonzept gleich mit plant. Ein Haus steht mindestens 75 Jahre, meist viel länger. Windkraft- oder Solaranlagen haben eine Lebensdauer von 15 bis 25 Jahren, Elektronik noch viel kürzer. Probleme vermeidet man deshalb auch, wenn solche kurzlebigeren Systeme so integriert sind, dass man sie bei Bedarf gut warten oder tauschen kann.
Wie kann man Menschen weiterhelfen, die sich dafür interessieren?
HONEMANN: Indem man sie dabei unterstützt, systematisch jene Fragen zu stellen, welche die eigenen Bedürfnisse optimal erfassen. Und ihnen hilft, diese in konkrete Lösungsvorschläge zu übersetzen. Wer sich dafür interessiert, der findet auf www.wohnergonomie.com einen ersten Eindruck davon, wie das funktioniert.

Software- und EDV-System-Entwickler Bernhard Honemann Foto © kk

Wohnergonomie

Was haben Autos, Computer, Software, Telefone und Häuser gemeinsam?
Sie alle sind Systeme mit wachsender Komplexität, mit immer mehr Funktionen und der Herausforderung, den Komfort und den Nutzwert für die User zu maximieren. Wohnergonomie optimiert Wohnobjekte bezüglich bestmöglicher,
individueller Funktion für die Bewohner, über die gesamte erwartete Nutzungsdauer.