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Tom Riederer

Haubenkoch in neuem Gewand

Wer wie Tom Riederer in seinem Beruf als Koch gewohnt ist, stets selbst Hand anzulegen, kann auch beim Bauen nicht untätig zusehen. Die Geschichte eines leidenschaftlichen Autodidakten.

© Sabine Hoffmann
 

Wenn Tom Riederer durch das neu restaurierte Haus geht und seine Blicke über die 500 Jahre alten Räume streifen lässt, erinnert er sich noch gut, wie jeder Tür- und Fensterstock im ausgebauten Zustand aussah, wie viele Schichten Putz über den gotischen Ziegelgewölben lagen und welch ein Gewicht die dicken Bretterbohlen in seinen Händen hatten. Gemeinsam mit seiner Frau Katharina hat sich der Haubenkoch mit dem alten Pfarrhaus in St. Andrä im Sausal einen beruflichen wie privaten Traum erfüllt:
„Stimmige Räumlichkeiten für unser Restaurant, das wir lebendig wie ein Privathaus führen wollen, wo man Gäste, aber auch Freunde empfängt und entspannen kann“, so der stolze Hausherr.

Von Null auf Hundert

Dabei hatte das Ehepaar bereits ein ganz anderes Projekt geplant: einen Neubau, fertig zur Baubewilligung. „Es war eine Entscheidung von Null auf Hundert“, so Riederer. „Als ich mir dieses Haus zum ersten Mal angeschaut habe, wusste ich, so etwas bekommen wir nie wieder.“ Das Pfarrhaus erwies sich als sehr großzügig und logisch von der Innenraumaufteilung. Beste Voraussetzungen, um daraus Gasträume zu machen. „Außerdem hat mir die Lage sehr gut gefallen: ein kleiner, verschachtelter, sehr nette Ort, der auf einem Berg thront und etwas Infrastruktur hat. Ein Grundstück mit ausreichend Grünfläche und einem gewachsener Pfarrgarten.“

So autodidaktisch, wie sich Tom Riederer das Kochen beigebracht hat, machte er sich auch bei der Restaurierung des schlossähnlichen Baujuwels ans Werk. „Wir hatten schon klare Vorstellungen, dazu kamen vom Denkmalamt und von der Revitalisierung – das Pfarrhaus ist außen wie innen denkmalgeschützt – konkrete Auflagen und Tipps. Die konnten wir wirklich gut gebrauchen.“

Gemeinsam mit seiner Frau koordinierte er die Professionisten und war zehn Stunden am Tag da, um alle Arten von Hilfsarbeit selbst zu erledigen. „Mit 20 Leuten
täglich auf der Baustelle, da geht  schon etwas weiter“, erinnert sich Katharina Riederer. Nichtsdestotrotz können die selbst gesteckten acht Monate Zeitvorgabe bis zur Fertigstellung des mit den Jahren ganz schön heruntergekommenen Pfarrhauses als überaus ambitioniert angesehen werden.

Häuslbauer: Streicheleinheiten für ein altes Haus

Sabine Hoffmann
Sabine Hoffmann
Sabine Hoffmann
Sabine Hoffmann
Sabine Hoffmann
Karin Bergmann & Helmut Bolesch
Karin Bergmann & Helmut Bolesch
Karin Bergmann & Helmut Bolesch
Karin Bergmann & Helmut Bolesch
Karin Bergmann & Helmut Bolesch
Karin Bergmann & Helmut Bolesch
Karin Bergmann & Helmut Bolesch
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Als Tom und Katharina Riederer für die Verwirklichung ihres neuen Restaurants das denkmalgeschützte Pfarrhaus in St. Andrä im Sausal erwarben, das Ende des 14., Anfang des 15. Jahrhunderts mit einem gotischen Kern erbaut und im barocken Stil vollendet wurde, wussten sie nicht nur um ihre Verantwortung, sondern machten sich diese auch zum Credo.

Dank der vorhandenen Strukturen mussten – außer im Dachgeschoß – keine baulichen Veränderungen gemacht werden. Die alten Fenster wurden allesamt stockweise ausgebaut, komplett saniert und wieder eingebaut. Alle Holzböden konnten original erhalten bleiben. Um Kosten zu sparen, hat sie der Bauherr selbst teilweise vom Plastikbelag befreit: „Bis ich den Boden sauber gehabt habe – eine Bohle nach der anderen abgespachtelt, die Nägel versenkt, mit einer Bürs­tenmaschine gebürstet – sind gut zehn Tage vergangen!“

Von Hand gewerkt

Ähnlich erging es ihm mit den gotischen Gewölben: Putz abgetragen, Ziegeln gereinigt, gebürstet und wo etwas übrig blieb, an einer anderen Stelle wiederverwertet. Die Wände wurden allesamt mit Kalkputz aufwendig geglättet, die Decken abgewaschen und die darunter liegenden Deckenmalereien belassen. „Wir waren über die Beratungen und Tipps seitens des Denkmalamtes und der Revitalisierung wirklich sehr dankbar“, betont der gebürtige Leutschacher, wissend, dass nicht immer alles mit modernsten Methoden zu beheben ist, wo Tradition seinen Bestand hat. Größtes Lob stellt er allen aus, die mitgearbeitet haben. „Dazu braucht man auch gute Handwerker und die hatten wir! Alle aus der Region zwischen West-, Süd- und Oststeiermark.“

Alt trifft neu

Im Ausmaß von 55 Quadratmetern durfte zugebaut werden: ein zweckmäßiger Neubau aus Stahlbeton. Dieser beherbergt einerseits die neue Küche und andererseits die Technik, mussten doch alle Leitungen irgendwo koordiniert werden. Für das Raumklima konnte eine perfekte Lösung gefunden werden: „Unsere Heizung ist grundsätzlich eine Solarheizung, deren Paneele am Dach des Nebengebäudes angebracht sind. Im Haupthaus gibt es drei Pufferspeicher. Sollten wir es doch nicht schaffen, haben wir gleich hinter der Kirche eine Zuleitung zur Nahwärme Gleinstätten.“ Die Wand-, Fußboden- und Deckenheizung ist auch von der Nutzung her eine gute Lösung, wären doch Heizkörper in den schönen Räumen ein störendes Element. Woher sich der Koch beim Bauen so gut auskennt? „Es ist mein viertes Haus.“