Österreichs "beste Häuser 2018" Das sind die neun Sieger-Projekte

Mit dem Architekturpreis "Das beste Haus" holt die s-Bausparkasse gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt regelmäßig besonders innovative Projekte aus allen Bundesländern vor den Vorhang. Das sind die Gewinner 2018.

Das "Haus für einen Winzer", geplant vom Architekten Martin Mostböck,  ist das Siegerprojekt aus dem Burgenland.

"Die kecke Glasbox am traditionellen Dach ist ein Hinweis, dass hier alte Substanz charmant und praktikabel mit Neuem verflochten wurde. Ansonsten ist von der Straße aus kaum ein Eingriff zu erkennen, die ganze Energie dieses Umbaus richtet sich konsequent und mit aller notwendigen Radikalität nach innen. Die engen Bestandsgebäude, typisch burgenländische Zeilenbebauungen mit weitläufigem Garten, standen jahrzehntelang leer. Architekt Martin Mostböck verband kleine Räume zu einem neuen Ganzen, zeitgenössisch in Form, Sprache und Material und – inklusive Pool und Fitnessbereich – maßgeschneidert für seine Auftraggeber."

Kärntens Siegerprojekt stammt aus dem Architekturbüro Reinhold Wetschko: Mit dem "Haus SPQ" im historischen Stadtkern von Bleiburg wird laut Jury sozusagen die Baugeschichte sinnvoll weitergeschrieben:

"Das bestehende Wohnhaus wurde bis auf die erhaltenswerte historische Bausubstanz – Erdgeschoßzone mit Gewölberäumen – rückgebaut. Durch Aufstockung entstand im Obergeschoß eine eigenständige Wohneinheit, konzentriert auf Orientierung und Blickbeziehungen wurde sie als offene Struktur entwickelt. Die Südfassade ist, inklusive Eckfenster im Westen, vollkommen verglast, die Ostfassade blieb geschlossen. Die Werkstatt im Erdgeschoß kann in Wohnraum umgestaltet bzw. in eine gemeinsame Wohneinheit mit dem ersten Stock integriert werden. Eine filigrane Stahl-Holz-Konstruktion orientiert sich an regionalen Vorbildern der Erschließungstypologie und erfüllt eine Filterfunktion zwischen Bauwerk und bekiestem Innenhof. Der Kubus verbindet Alt und Neu, mit gebotener Grobheit horizontal besengestrichener Dickputz entspricht dem Kontext des Orts. Auch präzise Detailausbildungen etwa bei Fensterlaibungen, Schiebeläden sowie Brüstungen zeigen, wie man modernen Wohnraum schaffen und gleichzeitig einen positiven Beitrag zur Stadtentwicklung leisten kann."

(c) Gisela Erlacher

"Das beste Haus Niederösterreichs" ist 2018 ein denkmalgeschützter Gutshof aus dem 13. Jahrhundert, der stufenweise revitalisiert und mit viel Geschick und Sensibilität auf zeitgemäßen Wohnstandard gebracht wurde. Für die Planung zeichnet der Architekt Franz Sam verantwortlich.

Die Jury erklärt: "Konsequente Trennung zwischen Alt und Neu macht die Historie des Bauwerks in allen Phasen erkennbar, Materialwahl und Formensprache zeigen, dass Anbiederung an alte Bausubstanzen nicht notwendig ist. Im Gelenk des L-förmigen Grundrisses befinden sich die bequeme Treppe und ein Lift, Elemente wie Fenster und Türen wurden erhalten und von innen thermisch aufgewertet. Die hermetische Fassade blieb unverändert, vorhandene Öffnungen sind durch gekonnte Neuinterpretation wirkungsvoll inszeniert. Strategisch eingesetzte Lichtgaupen im Dach, gezielte Lichtführung, Glasböden und Galerien sorgen für helles, wohnliches Ambiente. Der dreistöckige Gutshof beherbergt nach Abschluss der 3. Bauphase drei Generationen einer Familie in insgesamt vier Wohneinheiten. So kann die Integration zeitgemäßer Nutzungsszenarien in historisch gewachsenen Besiedlungsstrukturen funktionieren!"

Alexander Rajchl / Hertha Hurnaus / sam - architects

Das "beste Haus" in Oberösterreich ist das "Haus am Teich", geplant von "Hammerschmid, Pachl, Seebacher – Architekten".

Die Jury versteht dieses  Haus als eine gelungene Antwort auf die Frage, wie wenig Kubatur man zum Leben braucht, und ein „vierfaches Paradebeispiel“ für nachhaltiges Bauen.

"Erstens: Das große elterliche Grundstück wurde mit einem Wohnhaus neben dem bestehenden Schwimmteich nachverdichtet. Zweiten wurden dabei ökologische Baumaterialien und Dämmstoffe verwendet, und zwar - drittens - in minimalem Ausmaß. Viertens ist das Haus bei Bedarf mobil, Statik und Dimensionen ermöglichen den Abtransport und Aufbau an anderer Stelle. Durch die aufgeständerte Typologie schmiegt sich der Baukörper an die Topographie, ohne den bestehenden Geländeverlauf zu verändern, unter dem Wohnhaus gibt es Platz für PKW-Abstellplätze und Brennholz. Die Fassade aus sägerauhen Fichtenbrettern ist mit schwedischer Schlammfarbe gestrichen, im Innenraum sind Boden- Decken-Wand- und Möbeloberflächen mit weiß geöltem Birkensperrholz ausgeführt."

Dietmar Hammerschmid

In Salzburg steht das "Lesehaus" des Architekten Thomas Lechner (LP architektur) auf dem Siegerpodest. „Sehr persönlicher Raum verbindet sich von Innen mit der Umgebung über Ausblicke, die eine Einsiedelei in den Bergen vermuten lassen, dabei befindet man sich in einer ländlichen Wohnsiedlung," meinte die Jury. 

"Das Lesehaus steht am Hang, mit seiner sägerauhen Holzfassade entspricht es dem Wunsch nach Zurückhaltung und vermittelt nach außen die Intimität des Wohnraumes. Über einen Steg betritt man ein Gebäude mit sehr eigenständigem und individuellen Raumkonzept, tiefe Öffnungen schaffen über unterschiedliche Ausblicke Verbindung zur Natur. Verschieden bespielbare Bereiche reihen sich über zwei Geschosse, ebenso das Zentrum des „Lesehauses“: Eine Bücherwand."

Albrecht Imanuel Schnabel

In der Steiermark gewann "Haus T", das die Architektin Ulrike Tinnacher für ihre Eltern entwarf, dank der "äußerst gelungenen Einfügung in sensiblen Landschaftsraum".

"Das Winzerehepaar beauftragte die eigene Tochter, ein Haus als Wohnsitz für den Ruhestand zu planen. Der Bestand aus den 1960er Jahren wurde abgetragen, der 350 Jahre alte Gewölbekeller als Ausgangspunkt für die Neuerrichtung erhalten. Das Gebäude gliedert sich in zwei formal unterschiedliche Teile: An Stelle des ursprünglichen Winzerhauses wurde ein in Leichtbeton ausgeführtes, minimalistisches Giebelhaus errichtet, ergänzt durch einen eleganten kubischen Baukörper. Im Innenraum fließen die Funktionen ineinander, flexible Möbelwände ermöglichen es, mit einfachen Handgriffen neue Raumsituationen herzustellen."

(c) © Simon Oberhofer

Ein "schmales Haus", geplant vom Architekten Geri Blasiker ist der Preisträger in Tirol.

Die Sicht der Jury: "Bauplätze sind rar in Tirol. Aber architektonische Größe gedeiht mitunter gerade auf beengtem Raum, das beweist dieses Einfamilienhaus. Das Grundstück: Eine 50 Meter lange und 11 Meter schmale Restfläche. Wie ein Wellenbrecher steht hier ein praktikables Gebäude, der großstädtische japanische Entwurfsgedanke der „Minimal Houses“ funktioniert auch in der Verdichtung von ländlichen Gefügen. Innen schrauben sich die Räume durch eine Hierarchisierung des Tagesablaufes in der Entwurfsidee von unten nach oben. Jeder Quadratmeter ist optimal genutzt, passt zur Lebensweise der Bewohner und bekommt dadurch allgemeine Gültigkeit. Auch an den schmalsten Stellen des Hauses – 1,2 Meter im Norden, 1,6 im Süden - wirken die Räume nie beengend."

Geri Blasisker

Als Vorarlberger Siegerprojekt präsentiert sich mit "Haus K" die Umnutzung eines denkmalgeschützen Wirtschaftsgebäudes zu einem Wohnhaus mit Atelier.

"Der 1889 im Dornbirner Bahnhofsquartier erbaute Stadel stand zuletzt jahrzehntelang leer. Denkmalschutz verhinderte den Abriss und machte das Gebäude trotz zentraler Lage für Architektin Julia Kick erschwinglich. Mit viel Liebe zum Detail machte sie daraus ein konzeptuell vielschichtiges Loft mit teilbaren Wohn- und Arbeitsräumen. Bei konstruktiven Teilen wurden Prothesen erstellt, um möglichst viel der alten Substanz zu erhalten, neue Teile sind bewusst als neu sichtbar. Bestehende Holzdielenböden wurden nummeriert, ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut, sichtbare alte Holzkonstruktion wurde von Hand mit Wurzelbürsten gebürstet. Gedämmt wurde mit Zellulose und Holzwolle, auch Holzfaserplatten kamen zum Einsatz. Die große Verglasung im Inneren suggeriert Weite und Offenheit, die Sichtschlitze in der Fassade unterstützen dies, der Wohnbereich ist trotz der Nähe zur Straße geschützt und gemütlich."

(c) Michael Nussbaumer

In Wien gewann die "vorbildliche Sanierung eines Einfamilienhauses aus der Nachkriegszeit" des Architekten Sebastian Illichmann den Preis.

Das Projekt aus Sicht der Jury: "Der Umgang mit Einfamilienhäusern aus der Nachkriegszeit gewinnt für Bauherren und Architekten an Bedeutung. Viele Bestandsgebäude sind nach heutigen Maßstäben klein, eng,  dunkel, energetisch nicht zufriedenstellend. Wie man mit derartiger Substanz ein zeitgenössisches Wohngefühl mit offenen Räumen und Bezug zur Natur realisiert, zeigt Architekt Sebastian Illichmann. An drei Stellen wurde ein Zu- bzw. Aufbau vorgenommen, die neuen Teile sind in Holzbauweise ausgeführt. Es entstanden fließende und doch abwechslungsreiche Raumgefüge  von der großen Wohnküche bis zum kuscheligen Alkoven. Der Garten wird visuell ins Innere des Hauses geholt. Mehrere Terrassen erweitern den Raum, jene auf dem Flachdach des westseitigen Zubaus ermöglicht einen wunderbaren Fernblick."

Kurt Kuball
1/9