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ARCHITEKTURPREIS

Eine Scheune, die sich sehen lassen kann

Ausgezeichnete Architektur aus Österreich: Die „behauste Scheune“ der Familie Bader aus Vorarlberg wurde zum „Haus des Jahres 2015“ gewählt. Von Daniela Bachal

© CALLWEY VERLAG/ADOLF BEREUTER
 

Zum fünften Mal lobte der Callwey-Verlag heuer in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Architekturmuseum den Wettbewerb „Häuser des Jahres – die besten Einfamilienhäuser“ aus. 225 Einreichungen gab es diesmal aus insgesamt sechs Ländern. Aus den 50 besten Projekten, die auch heuer wieder in einem schicken Architekturband präsentiert werden, hat eine Fachjury ein österreichisches Projekt zum Sieger gekürt. Die „behauste Scheune“, die der Architekt Bernardo Bader in der Gemeinde Doren in Vorarlberg für seinen Bruder und dessen Frau plante, passt dabei genau zum Bild vom neuen Bauen, das sich für die „Häuser des Jahres“-Jury 2015 zeigt: „Es gab weniger avantgardistische Ausreißer, aber auch weniger durchschnittliche Arbeiten. Was bei allen eingereichten Beiträgen aufgefallen ist, war die solide Qualität“, schreibt Wolfgang Bachmann in seinem Vorwort zum Buch.

ADOLF BEREUTER Wohnbereich mit Ofenbank: Der Beton im Innenraum sorgt für Speichermasse
Wohnbereich mit Ofenbank: Der Beton im Innenraum sorgt für Speichermasse © ADOLF BEREUTER

Solide Qualität bedeutet auch einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenen Erbe und den vorhandenen Ressourcen. Die Geschwister Bader etwa fühlten sich auf dem geerbten Grundstück mit dem alten Bauernhaus, das sich schon seit Generationen im Familienbesitz befand, zu einem Bauen verpflichtet, das sich „eine Angemessenheit und nicht die Maximierung des Möglichen“ zum Ziel setzt, wie es der Architekt formuliert. Für eine Sanierung des alten Bauernhauses war es nach eingehender Prüfung zwar zu spät, als Neubau kam aber nur ein „seelenverwandter Baukörper“ infrage, um wieder einen Gedanken des Architekten aufzugreifen. Ein mit dem Geist des alten Hauses und dem Ort verwachsener Bau war somit das erklärte Ziel. Anja Österle und Ingo Bader sagen dazu aus Bauherrensicht: „An diesem besonderen Bauplatz ging es uns um einen selbstbewussten, aber auch kritischen Regionalismus – weg vom selbstgerechten Luxusbungalow oder der Standardlösung der weißen oder hölzernen Kiste hin zu einer sinnlichen und sinnfälligen Behausung voller Qualität, die trotz allem eines nicht sein sollte: teuer.“

 

BADER ARCHITEKTEN
Grundriss Erdgeschoss © BADER ARCHITEKTEN

Konkret plante Bernardo Bader für das Paar einen länglichen Baukörper mit Satteldach, der auf den ersten Blick wie eine Scheune in der Landschaft steht. Wohnräume, Garage, Dachböden und Terrassen verschwinden unter einer homogenen Bretterhaut aus Weißtanne. Nicht mehr als eine großformatige Fensteröffnung gibt es pro Himmelsrichtung. Sichtbetonwände und -decke sorgen im Inneren für genügend Speichermasse, ein Holzkaminofen gehört zum Energiekonzept.

 

Im Schnitt Foto © BADER ARCHITEKTEN

„Recycle, reuse und reshape“ formuliert der Bauherr sein Herzensanliegen, für das er über zwei Jahre auch tatkräftig auf der Baustelle mitgearbeitet hat: Sowohl Fassade als auch alle Innenausbauten wurden in Eigenleistung erbracht, das kostete zwar Zeit, sparte aber auch viel Geld.

 

Lageplan Foto © BADER ARCHITEKTEN

Das Holz für den Bau stammt aus dem familieneigenen Wald, es wurde im richtigen Mondzeichen geschlägert, gesägt und verbaut. Was vom alten Haus noch brauchbar war, wurde wiederverwertet: Aus den alten Holzbalken und Dielen des abgetragenen Bauernhauses wurde der Fußboden für das neue Heim gemacht. Die Bretter wurden ohne Estrichkonstruktion und Klebstoff auf die Lehmziegelsteine gelegt, in denen die Fußbodenheizungsrohre versteckt sind. „Der Lehm für die Ziegel stammt aus der Baugrube meines Bruders, der vor zwei Jahren für sein eigenes Haus Formsteine aus Tonerde pressen ließ“, sagt Ingo Bader.

WAS & WER

Einfamilienhaus in Doren in Vorarlberg,
150 m2 Nutzfläche, Mischbauweise.
Fertigstellung im Februar 2014.
Baukosten: 1800 Euro pro Quadratmeter.
Architektur: Bernardo Bader
Architekten, 6850 Dornbirn.
www.bernardobader.com

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brunnler99
2
10
Lesenswert?

Einfach wunderschön - nicht! ;-)

In der Architektur verhält es sich wie in der Kunst: entweder man versteht es oder man versteht es nicht! Ich verstehe es eindeutig nicht! ;-)

paulrandig
1
0
Lesenswert?

brunnler99

Tschuldigung, aber diese Denkweise erinnert mich sehr an die naiven Western der Anfangszeit oder das Repuplikaner-Parteiprogramm: Es gibt nur ganz Gute oder ganz Böse. Nix dazwischen.
Mit der Architektur verhält es sich genauso wie mit KFZ-Mechanik, Pflanzenkunde oder Englisch: Man kann einmal versuchen etwas zu verstehen, sich vielleicht um die Basics kümmern, etwas dazu lernen, wieder was verstehen, wieder was lernen, Gelerntes revidieren, erweitern und sich allmählich ein Wissen und ein Gefühl für die Sache aneignen.
Aber sehr viele haben anscheinend gerne eine Art Feindbild, welches nicht zu verstehen ihnen beinahe schon Lust bereitet. Deshalb wird auch jede echte Neugierde und damit die Gefahr von Bildung in dem Bereich vermieden, denn dann könnte man nicht mehr so schön augenzwinkernd lästern.