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Alpinismus

Reinhold Messner eröffnete sein sechstes Museum

Eine Krone in 2275 Metern Höhe: Stararchitektin Zaha Hadid entwarf für die Südtiroler Bergsteigerlegende das "Messner Mountain Museum Corones" in den Dolomiten.

Das "Messner Mountain Museum Corones" in den Dolomiten © MMM Corones
 

Die Südtiroler Bergsteigerlegende Reinhold Messner hat am Donnerstag (22. Juli) auf dem Schiberg Kronplatz am Rande der Dolomiten sein neuestes Museum eröffnet. Das "Messner Mountain Museum Corones" liegt in 2275 Metern Höhe und wurde von Stararchitektin Zaha Hadid entworfen. Der frühere Extrembergsteiger unterhält insgesamt sechs Museen in Südtirol und Belluno.

Gegen 11 Uhr wurden die Hüllen in Form blauer Tücher fallen gelassen und das Gebäude der Öffentlichkeit präsentiert. Nun steht das großteils unterirdisch gelegene Museum Besuchern offen. Von außen ist allein der Eingang sichtbar. Drei Ausstellungsebenen führen in den Berg hinein, von wo drei Stollen zu verglasten Aussichtsöffnungen führen. Diese bieten einen Blick auf das Bergpanorama von den Zillertaler Alpen über den Ortler bis zu den Dolomiten.

Thema des Museums ist der traditionelle Alpinismus, durch den Messner entscheidend geprägt wurde. Aber auch die Alpingeschichte soll nicht zu kurz kommen. Unter anderem erzählt das Museum davon, wie sich das moderne Bergsteigen entwickelt und sich die Ausrüstung im Laufe von 250 Jahren verbessert hat. Wie in den anderen Museen beleuchtet Messner den Alpinismus mithilfe von Reliquien, Sätzen, Kunstwerken (Bildern und Plastiken) und der Spiegelung der äußeren Bergkulisse ins Innere des "MMM Corones". "Corones" kommt aus dem Ladinischen und bedeutet "die Krone".

Zu Messners Museumsprojekt "Messner Mountain Museum" (MMM) zählen insgesamt sechs Standorte in Südtirol und Belluno. Herzstück ist das MMM Firmian auf Schloss Sigmundskron bei Bozen, das die Auseinandersetzung Mensch-Berg thematisiert. Die restlichen Standorte befinden sich in Sulden am Ortler, auf Schloss Bruneck, auf Schloss Juval im Vinschgau und im Herzen der Dolomiten zwischen Pieve di Cadore und Cortina d'Ampezzo.

MMM Corones/Wisthaler Harald
Reinhold Messner © MMM Corones/Wisthaler Harald

 

Reinhold Messner über "Die Königsdisziplin des Bergsteigens"

"In welchen Himmel aber würde mich erst
der Aufstieg auf einen Berg führen, der flog?
(Christoph Ransmayr, „Der fliegende Berg“)

Mit dem MMM Corones auf dem Kronplatz – zwischen Gadertal, Olang und Pustertal gelegen – ist das Projekt Messner Mountain Museum (das insgesamt sechs Häuser umfasst) abgeschlossen. Am Rande des großartigsten Aussichtsplateaus Südtirols, im unverwechselbaren Museumsbau von Zaha Hadid, erzähle ich zum Abschluss vom traditionellen Alpinismus.

Am Kronplatz geht der Blick in alle vier Himmelsrichtungen über die Landesgrenzen hinaus: von den Lienzer Dolomiten im Osten bis zum Ortler im Westen, von der Marmolada im Süden bis zu den Zillertalern im Norden. Im Museum spiegeln sich die Welt meiner Kindheit – die Geislerspitzen; der Mittelpfeiler am Heiligkreuzkofel – die schwierigste Kletterei meines Lebens – und die vergletscherten Granitberge über dem Ahrntal. Im Berg erzähle ich von der Entwicklung des modernen Bergsteigens, von der Ausrüstung, wie sie sich im Laufe von 250 Jahren verbessert hat, von Triumphen und Tragödien an den berühmtesten Bergen der Welt – Matterhorn, Cerro Torre, K2 – und der Darstellung unseres Tuns, so widersprüchlich es auch erscheinen mag. Wie in den anderen Museen beleuchte ich den Alpinismus mithilfe von Reliquien, Sätzen, Kunstwerken (Bildern und Plastiken) sowie der Spiegelung der äußeren Bergkulisse ins Innere des MMM Corones.

Als der Storyteller zum traditionellen Alpinismus will ich weder werten noch dramatisieren, es geht mir um das Verdichten von Erfahrungen, um eine Sache, die auch meine Sache ist, die 250 Jahre währende Auseinandersetzung zwischen Berg und Mensch. Nicht Sport und Rekorde stehen im Mittelpunkt sondern die großen Persönlichkeiten des Alpinismus, auch Philosophen, Pioniere, die den „goldenen Schritt“ wagen – von der Idee zur Tat, wenn die Frage nach dem Warum aufgehoben ist.

Aus dem Ladinischen übersetzt bedeutet Corones „die Krone“. Der Kronplatz – der berühmte Ski- und Wanderberg, der Gipfel der Drachen- und Gleitschirmflieger – beherbergt nun das Highlight meiner Bergmuseen: Einen Ort der Stille, der Entschleunigung und unvergessener Ausblicke. Dieser Rückzugsraum öffnet alle menschlichen Sinne für das Darüber und Dahinter. Die Berge werden zum Erfahrungsraum, Teil unserer Kultur. Im Geistesflug über alle Gipfel hinweg gilt es sie neu wahrzunehmen".

 

MMM

Das von Reinhold Messner initiierte Messner Mountain Museum umfasst eine sechsteilige Museumsstruktur, wobei jedes Haus, wie ein Satellit, jeweils einem Teilthema gewidmet ist. Im Zentrum steht dabei das Museum in Schloss Sigmundskron bei Bozen (MMM Firmian), in dem es um die Entstehung, Besteigung und Verwitterung der Berge geht; in Schloss Juval (MMM Juval), seiner Privatburg im Vinschgau, erzählt Reinhold Messner von den heiligen Bergen; auf dem Monte Rite (MMM Dolomites), südlich von Cortina, wird das Felsklettern und in Sulden unter dem Ortler (MMM Ortles) das Eis thematisiert; Schloss Bruneck (MMM Ripa) im Pustertal ist den Bergvölkern gewidmet und im gerade erschaffenen sechsten Haus am Kronplatz (MMM Corones) wird der traditionelle Alpinismus an den großen Wänden der Welt beleuchtet.

Die Messner Mountain Museen sind weder klassische Kunst- noch Naturkundemuseen, vielmehr sind sie interdisziplinär ausgerichtete Erlebnisräume. Jedes der Häuser befindet sich an einem einzigartigen Ort. Indem das jeweilige Thema in Verbindung mit der Sammlung sowie der Architektur gebracht wird, entsteht eine Spiegelung von Drinnen und Draußen: Geografische Lage, Reliquien und Kunstwerke werden in Beziehung zueinander gesetzt. Neben den Dauerausstellungen sind themenbezogene Filme und jährliche Wechselausstellungen zu sehen.

Foto © MMM Corones/Wisthaler Harald

ZUM PROJEKT

MMM Corones
Reinhold Messners sechstes und letztes MMM-Museum eröffnete am 24. Juli 2015. „Das Thema ist der Fels und die großen Wände; das ursprüngliche, traditionelle Bergsteigen soll hier wieder auferstehen. Das Besondere an diesem Museum ist die Kombination aus Lage, Aussicht und Architektur“, so Reinhold Messner selbst.

Mit der Realisierung dieses Museums wird er das Projekt "Messner Mountain Museum" abschließen, das er als seinen "fünfzehnten Achttausender" bezeichnet. Das MMM Corones ist Frucht einer außergewöhnlichen  Zusammenarbeit zwischen drei Autoritäten ersten Ranges, jede in ihrem Fachbereich: Reinhold Messner als Koryphäe der Historie des traditionellen Alpinismus, Skirama Kronplatz in Hinsicht auf den Bergtourismus mit ausgezeichneten Infrastrukturen und nicht zuletzt der Weltstar der zeitgenössischen Architektur Zaha Hadid.


Dieses Museum schafft Mehrwert nicht nur für den Skiberg Kronplatz, sondern auch für alle umliegenden Gemeinden. Skirama Kronplatz, stets bemüht den Skiberg Kronplatz sowohl im Winter als auch im Sommer attraktiv zu gestalten, bezeichnet es als einen Meilenstein in der Geschichte der Aufstiegsanlagen: „Dieses Projekt, welches zusammen mit Zaha Hadid umgesetzt wird, bringt uns in
eine höhere Liga. Der Kronplatz, Südtirols Skiberg Nr. 1, zeigt einmal mehr, dass Visionen nicht nur auf Papier gebracht werden, sondern auch umgesetzt werden.“ erklärt Präsident Matthias Prugger.


Die Architektur ist einzigartig. Wände, Decken, sowie auch von außen sichtbare, architektonische Elemente wie der Eingangsbereich, die Panoramaterrasse sowie die Panoramafenster wurden mit speziellen Fertigbetonteilen verkleidet. Die Herstellungsweise ist sehr innovativ: mit  doppelt gekrümmten Geometrien – an der Grenze des Machbaren. Die weiche, kurvige Architektur des Gebäudes ist somit realisiert.


Das Museum ist zu einem großen Teil unterirdisch in  mehreren Ebenen angelegt, weshalb mit 1.000 Quadratmetern nur eine vergleichsweise geringe Fläche bebaut wurde. 4.000 Kubikmeter Erde mussten bewegt werden. Dank der unterirdischen Bauweise wird das Museum im Sommer wie im Winter ein konstantes Temperatur-Niveau halten und somit energieeffizient sein. In der obersten Ebene befindet sich der Eingangsbereich mit den Kassen, einem kleinen Museums- Shop und der
Garderobe samt Spinden. Von dort führen Treppen wie Kaskaden über drei Ausstellungsebenen in die Tiefe. Eine zentrale Ausstellungsfläche als Mittelpunkt des Museums bietet Platz für größere Exponate und Präsentationen.


Im untersten Geschoss passieren die Besucher auf ihrem Rundgang verglaste Aussichtsfenster und gelangen zu einer knapp 40 Quadratmeter großen Terrasse, von der aus sie ein herrliches 240°-Panorama von den Zillertaler Alpen über den Ortler bis zu den Dolomiten genießen können. So wird ein Bezug zwischen der Bergwelt draußen und dem Thema des Museums, den großen Wänden als
Königsdisziplin des Alpinismus, hergestellt. Außerdem gibt es auf dieser Ebene ein Kino mit 20 Sitzplätzen. Weitere Informationen unter www.mmmcorones.com

 

Foto © MMM Corones/Wisthaler Harald

Foto © MMM Corones/Wisthaler Harald

Foto © MMM Corones/Wisthaler Harald

Foto © MMM Corones

MMM Corones
© MMM Corones

 

Foto © MMM Corones

Foto © MMM Corones/Wisthaler Harald
Foto © MMM Corones/Wisthaler Harald
Foto © MMM Corones/Wisthaler Harald

Kommentare (1)
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jahcity
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3
Lesenswert?

Zaha Hadid

Die einzig zur Zeit lebende, welche Architektur macht und versteht! Ein Traum!