Aus Sicht des Evolutionsbiologen, was sind wir Menschen von unserem Naturell her eher: Wohnungs- oder Einfamilienhaustypen?
Gregor Fauma: Einfamilienhausmenschen, weil Raum eine der wichtigsten Ressourcen ist, um Status anzuzeigen und ein gewisses Geltungsbedürfnis leben zu können. Deswegen haben reiche Menschen auch unnötig große Häuser und Gärten. Selbst ihre Autos, die in Carports oder Garagen stehen, brauchen mehr Platz, als jene derer, die weniger verdienen. Dieser Flächenverbrauch ist immer auch ein Zeichen für „Ich habe einen höheren Status – mach Platz!“

Immobilien mit Ausblick, in der Natur, am besten in Wassernähe, sind heiß begehrt. Sind diese Kriterien für lebenswertes Wohnen auf unsere Vorfahren zurückzuführen?
Es gibt zahlreiche Arbeiten, die sich mit der Frage auseinandersetzen, welche Landschaften Menschen präferieren und wo sie sich dort am Ende niederlassen. Als Ideal stellt man sich am besten Kenia vor, den Ngorongoro Krater. Also eine ansteigende Landschaft und auf zwei Drittel der Höhe befindet sich eine Höhle, von der aus man über die ganze Landschaft blicken kann. Am besten schaut man auf Bauminseln, womöglich ist ein Gewässer in der Nähe. Das wird präferiert – Ausblick nach vorne und nach hinten Schutz. Wie in einer Höhle. Früher musste man eben schauen, wie man das mit Feuer, Rauch, Ruß und den Tieren schaffte, die in ihre Höhle zurückkehren wollten. Das waren damals die Herausforderungen.