Registrieren Sie bei Spar in der Steiermark eine gestiegene Nachfrage nach länger haltbaren Lebensmitteln – Stichwort Coronavirus?

CHRISTOPH HOLZER: Es war in den letzten Tagen auf jeden Fall spürbar, dass wir bei Artikeln mit längerer Haltbarkeit teilweise doch deutlich höhere Ausgangsmengen hatten. Ein gewisser Grad an Verunsicherung hat sich im Einkaufsverhalten schon bemerkbar gemacht und es wird das Bedürfnis gesehen, sich da etwas abzusichern. Von Hamsterkäufen sind wir aber weit entfernt, es gab auch keine Lieferengpässe.

Reagiert man darauf beim Bestellverhalten?

Ja, natürlich. Wir haben da unser Bestellverhalten in der Logistikzentrale adaptiert, aber auch das Bestellverhalten der einzelnen Märkte, um sicherzustellen, dass es zu keinen Ausverkaufssituationen kommt.

Spar hat jetzt wieder Mehrweg-Milchflaschen aus Glas im Sortiment. Wird das angenommen?

Ich glaube, dass die Akzeptanz sehr schnell sehr hoch sein wird. Es war auch die Akzeptanz der Glasmilchflasche, die wir vor allem mit Bergland gemeinsam wieder eingeführt haben, von Beginn an wieder sehr hoch. Wir rechnen insgesamt mit Zuwächsen im Bereich der Mehrweggebinde, wir haben da auch für heuer einige Projekte mit der Industrie geplant, von Molkereien bis Getränkeindustrie, wo wir diese Produkte wieder verstärkt aufnehmen wollen.

Spiegelt sich die Klimadebatte im Einkaufsverhalten wider?

Zum einen steigt eben beispielsweise die Akzeptanz für Mehrweggebinde. Man kann sich bei uns aber etwa auch an der Feinkosttheke die Wurst in mitgebrachten Behältern abpacken lassen, das sind kleinere Schritte, aber wichtige. Wir beschäftigen uns auch mit der Selbstabfüllung von Waschmitteln, bei Interspar gibt es da Tests. Wir merken schon, dass auch immer mehr Konsumenten versuchen, nachhaltiger zu agieren.

Braucht es da eine Art Pädagogik des Handels?

Ich glaube, dass das nie funktioniert, der Konsument will nicht belehrt werden, er möchte mit einer Geschichte begeistert werden – und da sind wir alle gefordert. Wir bieten dem Konsumenten ein Angebot. Wir freuen uns aber über erfolgreiche Initiativen, beispielsweise die Zuckerreduktion, wo wir erleben, dass Konsumenten das super annehmen. Ein Thema, mit dem wir uns neben der Regionalität des Angebots auch intensiv beschäftigen, ist die Plastikreduktion oder die Möglichkeit, Altspeiseöl in Spar-Märkten zu entsorgen, das ist schon in 44 steirischen Märkten möglich.

Der Lebensmittelhandel zählte in den vergangenen Jahren zu den am stärksten wachsenden Handelssegmenten, Spar legte über dem Branchenschnitt zu – wie ist es in der Steiermark gelaufen?

Wir haben ein sehr erfolgreiches Jahr hinter uns. Wir haben auch bei unseren Kaufleuten eine sehr gute Entwicklung gehabt – trotz all der Themen wie Schweinepreissituation – das Konsumverhalten der Menschen war positiv, dazu haben die hohe Beschäftigung, die gute Wirtschaftslage und auch Auswirkungen der ersten Steuerreform beigetragen.

Österreichweit sollen bei Spar auch 2020 rund 1000 neue Arbeitsplätze dazu kommen, wie viele davon in der Steiermark?

Wir werden heuer mindestens 100 neue Mitarbeiter allein im Filialbereich brauchen, weil wir vier neue Standorte aufmachen. Wir werden auch in der Logistik neue Mitarbeiter aufnehmen, ich würde schätzen, dass wir uns insgesamt bei rund 175 neuen Mitarbeitern bewegen. Wir nehmen auch wieder 80 Lehrlinge auf.

Konzernweit investiert Spar 750 Millionen Euro, wie sieht heuer der steirische Investitionsplan aus?

Wir beschäftigen uns zum einen mit dem weiteren Ausbau unseres Logistikstandorts, mit dem wir heuer oder spätestens nächstes Jahr beginnen werden. Wir werden auch vier neue Filialen eröffnen, wir haben wieder ein Investitionsvolumen von einigen Millionen Euro vor uns.

Zuletzt richtete sich Kritik des Bauernbunds an Spar – es geht vor allem um die Milchpreise. Wie haben Sie die Proteste verfolgt?

Ich versuche, nicht emotional zu sein, was nicht einfach ist. Wir erleben einen Wahlkampf innerhalb der Bauernschaft, unser Eindruck ist, dass vieles, was hier an Kommunikation läuft, damit zu tun hat. Die Tonalität ist zumindest erstaunlich, da war auch viel politisches Marketing dabei, das ausblendet, dass der österreichische Handel seit Jahrzehnten der wichtigste Partner unserer Landwirtschaft ist. Wir führen Preisverhandlungen bei Milchprodukten ja nie direkt mit Bauernvertretern, sondern mit Molkereien. Das geschieht derzeit und wir haben noch immer eine Einigung gefunden. Heuer gab’s aber plötzlich Zwischenrufe von einigen Bauernvertretern und die Behauptung, dass sich die anderen schon alle geeinigt hätten, nur Spar nicht. Diese Behauptung ist nicht nachvollziehbar. Ich sehe auch strukturelle Probleme.

Welche?

Aufgrund der Überproduktion in Österreich müssen Molkereien heimische Milch auch im Ausland verkaufen, dafür erhalten sie vielfach aber einen deutlich niedrigeren Preis als vom österreichischen Handel. Jetzt scheint die Denkweise einiger Bauernvertreter zu sein, dass das, was im Ausland nicht verdient werden kann, der österreichische Konsument und Handel bezahlen soll – der Handel soll auf Margen verzichten, wird gefordert. Dann wird auf die Dimension unserer Ergebnisse verwiesen. Da muss aber betont werden, dass das Ergebnis immer in Relation zum Umsatz zu sehen ist. Man stellt schnell fest, dass der österreichische Handel respektive Spar eine bescheidene Marge im Vergleich zu anderen Branchen hat. Da werden Äpfel mit Birnen vermischt.

Kritisiert wird auch die „chronische Aktionitis“ im Handel. Der Vorwurf: Sie wird auf dem Rücken der heimischen Bauern ausgetragen.

Das geht an der Wahrheit vorbei. Der Aktionsanteil in Österreich ist hoch, wir wissen aber, wenn nicht ein gewisser Anteil über Aktionen verkauft wird, tun sich auch Hersteller schwer, entsprechende Mengen abzusetzen. Es liegt also auch im Interesse der Bauern, dass Konsumenten in ihrer Preiswahrnehmung nicht das Gefühl bekommen, dass österreichische Produkte immer teurer sind als ausländische. Aktionspreise zahlen uns nicht Bauern, da verzichten wir auf Marge.