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WeckrufWirtschaftsbericht unter Verschluss: "Kärnten hat großen Handlungsbedarf"

Bislang unveröffentlichtes "Begleitschreiben zum Wirtschaftsbericht" als Weckruf die Kärntner Landespolitik. Kärnten droht den Anschluss an vergleichbare Regionen zu verlieren.

Sujet Gebaeude Landesregierung Klagenfurt April 2021
© Markus Traussnig
 

Es ist eine ungeschönte und ernüchternde Analyse der Wirtschaftspolitik in Kärnten: Das „Wirtschaftspolitische Begleitschreiben“ zum Wirtschaftsbericht 2019 - fertiggestellt im Jänner 2021 - ist „eine Fundgrube an Hinweisen, was Kärnten tun sollte“, sagt der Chefökonom der Industriellenvereinigung, Christian Helmenstein, seit 2015 Vorsitzender des Kärntner Wirtschaftspolitischen Beirates. Es ist das ihm nahestehende Institut Economica, das, federführend von Anna Kleissner, diese Bestandsaufnahme erstellte. Damit löste Economica offenbar politisch nicht nur Zustimmung aus. So sollen Vertreter der SPÖ bei der Präsentation im Beirat etwa Daten zu Forschung und Entwicklung vermisst haben. Diese soll nun der Leiter der Strategischen Landesentwicklung, Markus Bliem, nachträglich liefern. „Das war auch nicht Gegenstand der Ausschreibung“, hält Helmenstein fest.

Auf Anfrage der Kleinen Zeitung übermittelten LH-Stv. Gaby Schaunig (SPÖ) und Landesrat Sebastian Schuschnig (ÖVP eine gemeinsame Stellungnahme, wonach die externe wirtschaftspolitische Analyse "ergänzt" werde und diese "nach Fertigstellung veröffentlicht".

Die Zurückhaltung ist verständlich. Die Autoren des "Wirtschaftspolitischen Begleitschreibens"gehen mit der (Wirtschafts-)Politik hart ins Gericht. Inhaltlich bezieht sich die Kritik im „Begleitschreiben“ vor allem auf folgende Punkte:

Zu hoher Anteil der öffentlichen Verwaltung

1. Nur im Burgenland hat die öffentliche Verwaltung einen höheren Anteil an der regionalen Wirtschaftsleistung als in Kärnten. Gemeint ist der Kernbereich der öffentlichen Verwaltung, ausgeklammert sind bei diesem Befund Gesundheits- und Bildungsausgaben. Wörtlich ist von einem „überdimensionierten Mengengerüst der Verwaltung, welches Kärnten in eine ungünstige Position im Bundesländervergleich“ bringe, die Rede. Problematisch seien die Opportunitätskosten: „Würden die aus Einsparungen bei der öffentlichen Verwaltung frei werdenden Budgetmittel in anderen Bereichen der Regionalwirtschaft eingesetzt, ließe sich ein wesentlich größerer regionalwirtschaftlicher Nettoimpuls für Kärnten erzielen.“

Die Studienautoren meinen, Kärnten sei prädestiniert, Vorbildcharakter für effiziente Verwaltungsabläufe zu erlangen. Ein Bürokratieabbau mit Außenmaß würde keine Einbußen an öffentlicher Leistungsqualität nach sich ziehen und Kärntens Selbstbild als IT-affiner Standort gemäß E-Government entsprechen. Die Autoren raten zur „ambitionierten Digitalisierungsstrategie“.

"Mehr Profilbildung dringend erforderlich"

2. Kärntens Wirtschaft ist viel zu breit aufgestellt. Mit schwerwiegenden Folgen für den Wohlstand im Land. Wachstumsstärkere Branchen sind nach wie vor unterdurchschnittlich repräsentiert. Mehr Profilbildung sei dringend erforderlich, Vorteile der Arbeitsteilung würden nur unzureichend ausgeschöpft. Kompetenzzuschreibungen wie „Made in Carinthia“ ließen sich durch eine entsprechende Markenführung  verstärken. „Eine Neuausrichtung auf wachstumsstärkere Branchen ist für Kärnten imperativ, wenn es darum geht, zumindest zum Bundesdurchschnitt aufzuschließen.“

Aktuell rangiert Kärnten gleichauf mit dem Burgenland an letzter Stelle, Spitzenreiter ist Vorarlberg. Wer dafür verantwortlich ist, sei klar: „Der wirtschaftliche Strukturwandel passiert, mit oder ohne Intervention der Wirtschaftspolitik. Möchte man diesen Prozess jedoch nicht dem Zufall überlassen, ist die Wirtschaftspolitik hochgradig gefragt.“  Der wirtschaftspolitische Gestaltungsprozess in Kärnten sei „von verschiedenen, nicht nur von wirtschaftspolitischen Zielsetzungen geprägt.“

Eindringliche Warnung

3. Fazit der Wirtschaftsforscher: Kärnten habe „großen Handlungsbedarf“. Das betreffe nicht nur die gefährliche demografische Entwicklung. Sowohl was die Fläche als auch die Bevölkerung betreffe, liefere Kärnten derzeit nur einen unterdurchschnittlichen Beitrag zur Bruttowertschöpfung Österreichs. Damit verbunden eine eindringliche Warnung: Kärnten könne den Anschluss verlieren – das zeige ein Vergleich mit ähnlichen Regionen Europas. „Salzburg, Niederösterreich und die Steiermark ziehen Kärnten davon, auch Oberösterreich weist eine deutlich dynamischere Entwicklung auf.“

Die Wirtschaftsleistung sei in Kärnten sehr ungleichmäßig verteilt. Wäre ganz Kärnten so produktiv wie die produktivste Gemeinde, würde man knapp 200 Quadratkilometer Fläche und damit rund zwei Prozent der derzeitigen Landesfläche benötigen.

 

 

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Danke für Ihr Verständnis.

Hiasenbichler
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Immer alles unter Verschluss

In Kärnten ist bei unangenehmen Daten sei es Covid oder Wirtschaft sofort alles geheim,echte kuk Kaiserpolitik halt,dazu kommt die zunehmende Nischelwitzierung des Landes.In Kärnten wird leider nur mehr verwaltet Gestalter sind in der Politik nicht zu sehen.

Hapi67
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Nach dem Desaster

mit den freiheitlichen war es verständlich und beruhigend unter Kaiser endlich in ruhigere Gewässer zu kommen.

Innovationskraft und Visionen kann man sich ihm allerdings nicht erwarten-klassischer Fall von verwalten.

Alternativen nicht vorhanden-Türkis ist braves Anhängsel, Fpö mit Politik aus dem letzten Jahrtausend, Grün und Pink bis auf regionale Farbtupfer nicht präsent.

Der notwendige Handlungsbedarf bleibt damit dem Zufall und engagierten Einzelkämpfern überlassen.
Der Rest genießt Land, Leute und die zentrale Anbindung.

Vielen Dank

Robinhood
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Wie wahr

Auf den Punkt getroffen. Nicht zu vergessen die Immobilienentwickler und andere Abzocker denen die Verwalter naiv ausgesetzt sind.

future4you
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Kärnten

Unter Wagner politisch geknebelt
Unter Haider an die Wand gefahren
Unter Kaiser verwaltet

Und weit und breit ist niemand in Sicht, der/die dieses „gefährlich schöne Land“ in eine nachhaltige Zukunft führen könnte.
Aber ich verstehe schon, diejenigen, die das Potenzial (geistig und finanziell) hätten, haben sich - bis auf einige Ausnahmen - die schönsten Plätze unter den Nagel gerissen und wollen jetzt ihre Ruhe haben. Das große Business und die Wertschöpfung läuft woanders ab.

Robinhood
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Pensionierungen nützen

Da viele Pensionen in der Landesregierung anstehen sollte das als Chance für die Verschlankung der überbordenden Verwaltung genützt werden. Die Erhöhung der Einstiegsgehälter ist der falsche Weg und führt zu einer Verzerrung am Arbeitsmarkt. Es ist auch ein Irrglaube, dass man sich mit Anstellungen im Landesdienst oder bei nahestehenden Gesellschaften(zB Kelag) Wähler gesichert werden. Deren Kosten werden ja leider sozialisiert und damit auf uns alle umgewälzt und führen zu den höchsten Verwaltungskosten, den höchsten Netzkosten oder den höchsten Fernwärmekosten usw.

writeladyy
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Die Sache mit den Einstiegsgehältern

Höhere Einstiegsgehälter rechtfertigen auch eine entsprechende Qualifizierung der Arbeitskraft. Qualifizierte Arbeitskräfte können vermutlich effizienter arbeiten, dh man schafft mit weniger Personal gleich viel bzw mehr Leistung als davor (was dann insgesamt die Lohnkosten wieder verringtert). Am Personal zu sparen führt oft dazu, dass man erst mehr Aufwand hat. Sparen sollte man daher lieber bei der Quantität, als bei der Qualität. Vielleicht muss man nicht immer überall vierzehn Formulare und Stempel verlangen, die dann von 8 verschiedenen Abteilungen geprüft werden müssen. Vielleicht könnte man hier in der Verwaltung ein wenig effektiver gestalten. Der berühmte Passierschein A38 aus Asterix hat ziemlich sicher ein Kärntner Vorbild... Aber das ist ja vermutlich nicht gewollt. Immerhin darf der brave Bürger jeden einzelnen dieser Stempel brav mit einer kleinen Gebühr löhnen. Was sich dann am Ende auch ganz schön zusammenrappelt...

walterkaernten
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@robinhood

1.
Ganz richtig was sie da geschrieben haben.

2.
zusätzlich:

A:
Landesregierung halbieren

B:
BEZIRKE als eigene verwaltungsebene auflösen
Stammt aus der monarchie, wo das schnellste transportsystem mittels PFERDE bestanden hat

C:
Gemeinden zusammeleng
Ca 100 00 einwohner eine gemeinde
Dafür ALLES TRANSPARENT

D:
und und und ....

KÄRNTEN schrumpft und kann sich NIE und MIMMER diese unnötige teure VERWALTUNG leisten