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Handelsvolumen eingebrochenCorona bremst die Wirtschaftsbeziehungen Österreichs zu Deutschland aus

Deutsche Handelskammer: Warenaustausch 2020 um rund 9 Prozent verringert und unter Niveau von 2017 gerutscht

Gabriel Felbermayr
Gabriel Felbermayr: "Potenzial in einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen den Ländern in der Europäischen Union" © IfW Kiel / Michael Stefan
 

Die Coronapandemie dämpft auch die wirtschaftlichen Beziehungen Österreichs zum Haupthandelspartner Deutschland. Das Warenhandelsvolumen zwischen den beiden Ländern sei 2020 um 9 Prozent auf rund 100 Milliarden Euro eingebrochen, so die Deutsche Handelskammer in Wien (DHK). Damit sei man auf das Niveau vor 2017 zurückgefallen. 2021 sei ein weiterer Rückgang um 6 Prozent zu erwarten.

Das Potenzial für Zusammenarbeit sollte stärker genutzt werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben, so der Appell der DHK an Unternehmen und Politik auf der Online-Jahrespressekonferenz am Freitag.

"Die Covid-19-Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung haben deutliche Spuren in der Außenwirtschaftsbeziehung zwischen Deutschland und Österreich hinterlassen", betonte DHK-Präsident Hans Dieter Pötsch, der auch VW-Aufsichtsratsvorsitzender und Porsche-Vorstandschef ist.

Die heimischen Exporte nach Deutschland sanken 2020 gegenüber dem Jahr davor um 8,4 Prozent auf 40,3 Milliarden Euro. In der Gegenrichtung verringerten sich die Importe aus dem Nachbarland um 9,3 Prozent auf 59,9 Mrd. Euro, wie Zahlen des deutschen Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen.

Barrieren müssen wieder fallen

"Die Corona-Maßnahmen haben Beschränkungen im Grenzverkehr mit sich gebracht - diese Barrieren müssen wieder fallen", wünscht sich DHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Gindele.

"Ich sehe ein enormes Potenzial für die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen aus Deutschland und Österreich", merkte Pötsch an. Dabei hat er vor allem auch die Bereiche Technologie und Mobilitätswirtschaft vor Augen. Zielführend wären beispielsweise der Ausbau und die Vernetzung der E-Mobility-Infrastruktur in den beiden Ländern, so der Spitzenmanager aus der Automobilindustrie. Die deutsche und die österreichische Wirtschaft sollten seiner Meinung nach "die Anstrengungen bündeln".

Angesichts der Pandemie habe die weltwirtschaftliche Entwicklung "das Normalniveau noch nicht wieder erreicht", so der designierte Wifo-Chef und derzeit noch Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW), Gabriel Felbermayr. In Deutschland beispielsweise sei die Wirtschaft im vierten Quartal 2020 im Jahresabstand um 3,6 Prozent geschrumpft, in Österreich um 5,9 Prozent. Prognosedaten für die nächsten zwei Jahre zeigten, dass sich die Wirtschaft in den USA rascher erholen werde als in Deutschland und Österreich. Weitere wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Stärkung seien also dringend notwendig. Langfristige Reformen stünden an.

Felbermayr: Lehren aus der Krise ziehen

"Wir müssen Lehren aus der Krise ziehen und Instrumente wie Kurzarbeit und Unternehmenshilfe anpassen", mahnte Felbermayr. Für 2022 brauche es auch noch fiskalpolitische Impulse wie steuerliche Maßnahmen zur Förderung von Investitionen und punktuell auch einkommensstärkende Maßnahmen. Er sieht ebenfalls Potenzial in einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen den Ländern in der Europäischen Union, wie zum Beispiel bei Infrastrukturprojekten sowie im Bereich Forschung und Entwicklung.

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