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Umstrittene RegalvermietungThalia verkauft Propaganda-Lektüre von Diktator Xi Jingping

Auch in Wien stehen Propagandaschriften von Diktator Xi Jingping zum Verkauf. Michael Busch, Geschäftsführer der deutschen Buchhandelskette Thalia, verteidigt jetzt die umstrittene Regal-Vermietung, die er noch "lange fortsetzen" wolle.

© APA/HANS KLAUS TECHT
 

Die Geschichte hat bereits die Runde gemacht auf Twitter, Zeitungs- und Fernsehberichten: Der deutsche Buchhändler Thalia lässt sich für die Präsentation chinesischer Propaganda bezahlen. In einigen Filialen in Deutschland und Österreich werden Regale vermietet. Auf denen liegt dann zum Beispiel die zweibändige Ausgabe des Buches "Die Führung in China" von Staatspräsidenten Xi Jinping, das unkommentiert zusammengetragene Reden, Interviews, Aktenvermerke und Glückwunschadressen des "überragenden Führers" enthält.

Laut Thalia sei das Sortiment in Zusammenarbeit mit der Firma China Book Trading erstellt worden, in lediglich drei Filialen (in Hamburg, Berlin und Wien) und als ein zeitlich begrenzter Test.

Mittlerweile wird als Partner laut der Zeitung "Die Zeit" die China National Publications Import & Export Corporation angegeben. Beide Organisationen unterstehen der Kommunistischen Partei.

Die Unternehmenssprecherin zum Vorwurf der Propaganda: "Denkverbote Richtung China oder beispielsweise Richtung Russland sind kontraproduktiv. Das Kooperationssortiment bietet die Gelegenheit, anhand von Primärliteratur die chinesische Weltanschauung und Kultur kennenzulernen. Das bedeutet nicht, dass wir die Haltung teilen." Wieviel eine solche Vermietung einbringt, verrät sie nicht.

Im "Spiegel" verteidigt Thalia-Geschäftsführer Michael Busch nun die umstrittene Kooperation mit China, die er "noch lange fortsetzen" wolle.

Größter Buchhändler in Europa

Thalia betreibt fast 380 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Jahresumsatz: knapp 1,3 Milliarden Euro.

Die Firma mit Sitz im deutschen Hagen ist das größte Buchhandelsunternehmen in Europa und das zweitgrößte weltweit.

Michael Busch ist Mitinhaber und Geschäftsführer.

Dank ihres starken E-Commerce-Geschäfts ist Thalia auch in der Coronakrise weiter gewachsen. Insgesamt sind die Umsätze der Kette in Deutschland und Österreich im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 um sechs Prozent auf mehr als eine Milliarde Euro gestiegen.

Das Ergebnis wurde durch die Verlagerung von Umsätzen in den E-Commerce allerdings erheblich belastet. Denn während die Kosten für die Ladengeschäfte konstant bleiben, muss der Vertrieb übers Internet zusätzlich aufgebaut werden. So liege das Ergebnis einen zweistelligen Millionenbetrag unter den Erwartungen vor der Krise.

Im laufenden Geschäftsjahr 2020/21 sieht sich die Kette weiter auf Wachstumskurs. Auch in seinen Geschäften setzt der Buchhändler immer stärker auf Digitalisierung.

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